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Sonnenlicht und Wolken

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    Eine Leipziger Pfarrei steht ehemaligen Kirchenmitgliedern offen

    Wo aus der Kirche Ausgetretene willkommen sind

    Wohl selten werden Ausgetretene von der Kirche so herzlich willkommen geheißen wie in Leipzig. „Ausgetreten?“ steht in großen Buchstaben auf mehreren Plakaten an der Propstei-Kirche im Zent­rum der Innenstadt. Und etwas weiter unten in roten Lettern: „Bei uns sind Sie zu Gottesdiensten und Sakramenten weiterhin herzlich willkommen!“ Das ist keineswegs selbstverständlich.

    Anlass für die Aktion sind die jüngsten Austrittszahlen. Weniger als 50 Prozent der Deutschen sind noch Kirchenmitglieder. „In der Gemeinde kam das Gespräch auf: Wir können es doch nicht immer nur bei Betroffenheit darüber belassen – was wollen wir tun“, erläutert der leitende Geistliche, Propst Gregor Giele. „Wir nehmen wahr, dass die Austritte eine neue Qualität haben. Viele Menschen treten nicht aus, weil sie nicht mehr glauben oder mit der Kirche nichts mehr zu tun haben, sondern die sagen: Ich bin gläubig, aber ich muss einfach ein Zeichen gegenüber der Institution setzen.“

    Gründe für Kirchenaustritt nachvollziehbar

    Die Gründe dafür sind in der gegenwärtigen Kirchenkrise vielfältig. Vieles davon könne man gut nachvollziehen, bestätigt Giele. Entsprechend heißt es auf den Plakaten: „Angesichts der aktuellen Situation unserer Kirche und ihres Umgangs mit den drängenden Fragen Missbrauch Schutzbefohlener, Machtverteilung und Beteiligung aller in der Kirche, Frauendiakonat und -priestertum, Anerkennung der Vielfalt der Lebensweisen und vieles andere mehr haben wir Verständnis für Ihren Schritt – auch wenn wir ihn bedauern.“

    Die Zielgruppe des Plakats, erläutert der Geistliche, seien die Ausgetretenen, die weiter ihren Glauben leben möchten und sich weiter als Mitglied der Glaubensgemeinschaft fühlen. Diese Unterscheidung zwischen Institution und Glaubensgemeinschaft ist der Knackpunkt und eine deutsche Besonderheit. Denn hierzulande gilt: Wer aus der Kirche austritt, verliert eine Reihe von Rechten. Nach Ansicht mancher Kirchenrechtler kommt das einer Exkommunikation ziemlich nahe, also einem Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft.

    Möglichkeit, zur Messe zu gehen

    Theologisch betrachtet kann man – einmal getauft – nicht mehr aus der Kirche austreten. In schwerwiegenden Fällen, wenn ein Katholik etwa den Glauben ablehnt (Apostasie), kann die Kirche ihn jedoch exkommunizieren. Die Weigerung, den „Mitgliedsbeitrag“ zu zahlen, den es in dieser Form – vom Staat eingezogen – nur in Deutschland gibt, ist aus Sicht des Vatikans kein Exkommunikationsgrund. Gleichwohl duldet Rom den deutschen Sonderweg. Zugleich sorgt dieser Sonderweg immer wieder für Debatten und beschäftigte 2012 sogar das Bundesverwaltungsgericht.

    Propst Giele ist hier ganz bei Rom und sieht es als seine seelsorgerische Aufgabe und Pflicht, den formal ausgetretenen Gläubigen die Möglichkeit offen zu halten, zur Messe zu gehen und auch die Sak­ramente wie etwa Kommunion, Beichte oder Krankensalbung zu empfangen. „Mich haben solche Menschen angesprochen und mich vorsichtig gefragt, ob sie trotzdem weiter kommen dürfen – weil es ihnen eben so wichtig ist. Darin kommt schon eine große Wertschätzung für die Glaubensinhalte zum Ausdruck“, berichtet Giele und sagt in Richtung der Kritiker, die es auch gibt: „Wir verramschen hier keine Sakramente, sondern sprechen die Leute damit an, die eine Sehnsucht danach haben.“

    Gesprächsangebot

    Doch auch diejenigen, die sich mit Austrittsgedanken tragen, hat Giele im Blick. Und so steht unten auf den Plakaten die Nummer eines „EXIT-Telefons“, das er ins Leben gerufen hat. „Es gab einige Anrufe – und mein Eindruck ist: Die suchten nur ein gutes Argument, um doch in der Kirche zu verbleiben“, erzählt Giele. „Da sind die Gespräche nach dem Gottesdienst vor der Kirche manchmal ringender.“ Gleichwohl sei es wichtig, solche Kontaktangebote anzubieten und bekanntzumachen. „Bei einer Google-Suche ‚Kirchenaustritt‘ stehen zuoberst nur kommerzielle Anzeigen – aber kein kirchliches Angebot“, berichtet Giele. Das müsse sich ändern. Die Möglichkeiten lote er gerade mit IT- und Marketing-Experten aus.

    Karin Wollschläger (KNA)