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Wie funktioniert Seelsorge mit weniger Priestern? – Pfarrer Thomas Menzel betreut ein weitläufiges Seelsorgegebiet in der Rhön

„Wir sind keine Zelebrationsmaschinen“

Pfarrer Thomas Menzel ist leitender Pfarrer von drei Pfarreiengemeinschaften in der Rhön. Insgesamt gehören 22 Gemeinden dazu. Bis zum Beginn der Sommerferien wurden sie von einem neunköpfigen Seelsorgeteam betreut, darunter drei Priester. Menzel war vorrangig tätig in der Pfarreiengemeinschaft „Franziska Streitel, Mellrichstadt“, Pfarrvikar Paul Reder in „Fladungen – Nordheim“ und Pfarrvikar Piotr Bruski in „Besengau, Bastheim“. Die Situation hat sich nun geändert. Reder hat zum 1. September seine erste Pfarrstelle in „Heiligkreuz und Sankt Elisabeth, Würzburg“ angetreten. Einen Nachfolger für ihn gibt es nicht. Die genannten Pfarreiengemeinschaften werden alle Teil des künftigen Pastoralen Raums Mellrichstadt.

Zum aktuellen Seelsorgeteam, in das auch halbe Stellen miteingerechnet sind, gehören neben Bruski ein Diakon, zwei Gemeindereferenten, ein Gemeindeassistent und zwei Pastoralreferenten. Außerdem ist derzeit noch ein Pastoralpraktikant, also ein Priester in Ausbildung, vor Ort – allerdings nur bis zum kommenden Jahr. Ein wichtiger Teil des Konzepts der drei Pfarreiengemeinschaften ist, dass es in jeder Gemeinde einen hauptamtlichen Erstansprechpartner gibt. Er hilft kurzfristig weiter und kann bei Bedarf den richtigen Ansprechpartner im Team vermitteln. So wird sichergestellt, dass nicht alle Anfragen bei derselben Person ankommen.

Von der einen Seite des Seelsorgegebiets in Brüchs bis zur anderen Seite des Gebiets in Hendungen sind es rund 28 Kilometer. „Ich bin froh, wenn wir künftig jeden Monat in jeder Gemeinde einen Werktags- und einen Sonntagsgottesdienst hinkriegen“, erklärt Menzel. „Wir sind keine Zelebrationsmaschinen.“

Zwei Messen am Tag

In der Regel hält er am Samstag eine Eucharistiefeier am Vorabend und am Sonntagmorgen zwei Messfeiern – um 8.30 Uhr die erste Eucharistiefeier, und um 10.15 Uhr die zweite. Probeweise hatte Bruski in der Sommerzeit einen Sonntagabendgottesdienst angeboten, doch dieser wurde nicht so gut angenommen.

Es ist nach Kirchenrecht normalerweise nicht erlaubt, mehr als einmal am Tag zu zelebrieren. Doch am Sonntag gilt die Bination, also die Befugnis eines katholischen Priesters, an einem Tag zwei heilige Messen zu zelebrieren. Unter der Woche ist das normalerweise nicht gestattet – außer in Notfällen wie beispielsweise bei Beerdigungen. Doch ein Requiem, also die Eucharistiefeier am Tag der Beerdigung ist in den drei Pfarreiengemeinschaften nicht mehr üblich. Stattdessen gibt es seit dem Jahr 2017 einen wöchentlich wechselnden Beerdigungsdienst. In den zugeteilten Wochen hält sich der jeweilige pastorale Mitarbeiter die Nachmittage frei, um dann Beerdigungen halten zu können.

„Diese Aufgabe muss nicht immer ein Pfarrer übernehmen, auch ein Diakon, Gemeinde- oder Pastoralreferent kann und darf beerdigen“, erklärt Menzel. Das Requiem wird dann in einem Werktagsgottesdienst nachgeholt. „Zuerst gab es schon Widerstand aus den Gemeinden, doch der ,Gemeinsame Ausschuss‘, bestehend aus den Pfarrgemeinderäten, stand hinter der Entscheidung“, erinnert sich Menzel.

Wechselnde Orte

Es stand die Befürchtung im Raum, dass solche Feiern unwürdig seien, doch das habe sich nicht bewahrheitet, ganz im Gegenteil. „Unsere pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekommen großes Lob für diesen Dienst.“ Das Sakrament der Krankensalbung hingegen darf nur ein Priester spenden. Hierfür gebe es ein Nottelefon, das durchwechselt.

Im Jahr 2018 hatte sich das Team außerdem eine weitere Neuerung überlegt. In der Pfarreiengemeinschaft „Franziska Streitel, Mellrichstadt“ gibt es seitdem am Hochfest Fronleichnam eine gemeinsame Prozession. Dabei werde der Ort jedes Jahr gewechselt. 2018 fand die Prozession in Mellrichstadt und 2019 in Oberstreu statt. Menzel beschreibt das Gefühl einer solch großen Prozession als sehr festlich: „Wir hatten über 60 Musiker aus den verschiedenen Ortschaften. Das war sehr beeindruckend.“

Weniger Personal

Für die einzelnen Gemeinden gibt es aber auch garantierte Eucharistiefeiern. Das ist zum Beispiel bei den Patrozinien der Fall. Auch in den anderen beiden Pfarreiengemeinschaften wird das so gehandhabt. Aktuell muss das Team wieder kreativ werden. Sowohl Seelsorge- als auch Organisationsaufgaben von Reder müssen übernommen werden. Wer kümmert sich um den Ministrantenausschuss, wer um die Heimseelsorge und wer macht die Erstkommunionvorbereitung? Es gibt viele Dienste, die geklärt werden müssen, und gleichzeitig darf keiner der Mitarbeiter überfordert werden.

Außerdem steht jetzt schon fest, dass im kommenden Jahr eine Seelsorgerin in den Ruhestand geht. Ob diese Stelle nachbesetzt werden kann, ist noch unklar. Die Pfarreiengemeinschaften müssen also schon jetzt an die Zukunft denken und auch einige Aufgaben streichen. Wichtige Ereignisse sollen aber auf keinen Fall wegfallen. Um die Weihnachtsfeiertage hat sich Menzel schon gekümmert. „Wir wollten den Menschen weiterhin sechs Eucharistiefeiern jeweils an Heiligabend und am ersten Weihnachtsfeiertag anbieten. In jeder Pfarreiengemeinschaft an beiden Tagen zwei.“

Verwaltungsleiter

In diesem Jahr kommen aus Würzburg Weihbischof Ulrich Boom und der Regens des Priesterseminars, Domvikar Stefan Michelberger, als Unterstützung. „Natürlich müssen wir rechtzeitig planen und früh bei den anderen Priestern nachfragen“, erklärt der leitende Pfarrer.

Mit so einer Gesamtsituation hatte Menzel in seiner Ausbildung nicht gerechnet. Dass es keine Einzelpfarreien mehr geben würde, sei ihm klar gewesen. Aber dass er einmal für drei Pfarreiengemeinschaften verantwortlich sein würde, das war ihm damals nicht bewusst. Für die Verwaltung hat er mithilfe eines Pilotprojekts Unterstützung von einem Verwaltungsleiter erhalten, der vor allem auch für Kirchenpfleger ein Ansprechpartner ist. „Der Verwaltungsleiter ist für uns inzwischen unverzichtbar.“

282 Priester

Die Priesterzahlen und auch das Seelsorgepersonal insgesamt nehmen in der Diözese Würzburg kontinuierlich ab. Bis zum Jahr 2030 rechnet das Bistum mit einem Rückgang von 30 Prozent, nicht nur bei den Priestern. Laut Personalabteilung des Bistums Würzburg sind aktuell 282 Welt- und Ordenspriester, die noch nicht im Ruhestand sind, mit der Seelsorge im Bistum Würzburg beschäftigt. Im Herbst steht die Bildung der Pastoralen Räume an, bei der auch das Seelsorgepersonal besser verteilt werden soll. Dann soll es auch Verwaltungshelfer geben, die Aufgaben wie den Datenschutz, Geldangelegenheiten oder Bauvorhaben managen. Dennoch bleibt neben der seelsorgerischen Betreuung, wie die Zelebration der heiligen Messen und Sakramentenspendungen, Katechesen und Gesprächen, viel Organisationsarbeit bei den Pfarrern. Dazu gehören unter anderem die Pflege der Homepage, die Abnahme der Pfarrbriefe oder die anfallenden großen und kleinen Dienstbesprechungen, berichtet Menzel. „In der Regel findet alle zwei Wochen eine Dienstbesprechung mit dem gesamten Seelsorgeteam statt.“

Ordensleute helfen

Im Dekanat Bad Neustadt, in dem Menzel lebt und arbeitet, sind nach Bistumsangaben insgesamt 23 Priester mit der Seelsorge der Gläubigen betraut. Mit eingerechnet sind Ruhestandspriester, die noch weiter mithelfen, allerdings nur nach ihren Möglichkeiten. In der Graphik sind nur Priester aus der Territorialseelsorge in den Pfarreien erfasst. Es gibt jedoch noch 51 Ordens- und Weltpriester, die nicht den Dekanaten zugewiesen werden, sondern Sonderaufgaben übernehmen, zum Beispiel Priester in der Krankenhausseelsorge, im Schuldienst oder Mitarbeiter im Ordinariat. Neben diesen Aufgaben fahren sie an Sonntagen und Hochfesten hinaus in die Gemeinden und feiern Gottesdienste, so wie Weihbischof Boom und Michelberger an Weihnachten. Im Bistum Würzburg sind auch viele Orden angesiedelt, die bei der Seelsorge helfen. In Menzels Seelsorgegebiet gibt es nur einen Orden. Zwei Franziska-Streitel-Schwestern helfen bei der Kranken- und Altenseelsorge in Mellrichstadt. Doch auch die Anwesenheit der Ordensschwestern wird wohl irgendwann der Vergangenheit angehören. Männerorden, die mit Priestern aushelfen könnten, gibt es vor Ort nicht.

Keine Ausnahme

Menzel wird von Gemeindemitgliedern auch auf den Priestermangel angesprochen. „Ich muss dann für etwas geradestehen, das ich nicht zu verantworten habe.“ Die Priesterzahlen sinken seit Jahren deutschlandweit. Laut Angaben der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) bildet das Bistum Würzburg keine Ausnahme, wie die Graphik links zeigt. Demnach ist die Zahl der Priester von 696 im Jahr 2000 auf 507 im Jahr 2019 gesunken.Bei den Zahlen der DBK werden allerdings auch Ruhestandspriester erfasst, da das Priesteramt auf Lebenszeit gilt. In die Graphik wurden außerdem die Ordenspriester aufgenommen, die für das Bistum arbeiten.

Selbst machen 

Weihbischof Boom, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge, sieht im Rückgang der Priesterzahlen ein Abbild der Realität. „Die Anzahl der Priester, die wir haben, spiegelt eine Realität wider. Wenn wir früher mehr Priester hatten, dann hatten wir auch mehr Gläubige und die Zahl der Katholiken war größer.“ Der Priestermangel ist laut Menzel aber kein Grund für die gestiegene Zahl der Austritte aus der Kirche: „Ich glaube, das hängt am wenigsten mit den Priesterzahlen zusammen. Viele brauchen für ihr Leben keinen Glauben und keine Kirche mehr. Andere sind von der Kirche einfach enttäuscht.“

Wie die einzelnen Gemeinden mit dem Priestermangel vor Ort umgehen können, weiß Diözesanratsvorsitzender Dr. Michael Wolf aus eigener Erfahrung in seiner Heimatgemeinde Schmerlenbach. „In Vakanzen, egal ob kurz- oder längerfristig, erleben die Menschen, was eigentlich alles möglich und zu machen ist. Die wichtigste Erkenntnis ist, dass Pastoral mehr als die Eucharistiefeier ist. Was man dann feststellt ist, dass in solchen Zeiten die Gemeindemitglieder eher bereit sind, etwas selbst zu machen“, sagt er. Und: „Bei der letzten Vakanz hatten wir nur noch einen hauptamtlichen Mitarbeiter in der Pfarreiengemeinschaft, aber es klappte aufgrund der Selbstorganisation der Gemeinde.“ Auch für Menzel ist das ein wichtiger Schritt: „Mittel- bis langfristig muss man Menschen in der Gemeinde finden und befähigen, verschiedene Dinge selbst zu initiieren.“    

Anna-Lena Ils

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