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Tabernakel mit Siegeslamm

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    Besuch im zertifizierten Naturgarten am Würzburger Käppele

    Wildwuchs nach Maß an der Wallfahrtskirche

    Es ging ihr ziemlich auf die Nerven – denn wann immer Besucher auf dem Weg im ehemaligen Klostergarten an den Beeten entlanggingen, kam die Frage, warum dort Unkraut wachse. „Dann habe ich es mir zertifizieren lassen, dass alles dort wachsen darf, was will.“ Seit einigen Jahren hat Ulrike Shanel das schriftlich: Unordnung erwünscht. Denn dies ist ein zertifizierter Naturgarten, der auf seine Weise eine große Artenvielfalt hervorbringt.

    Bei Besuchern ließ das die Kritik am Wildwuchs in den Beeten verstummen. „Schauen Sie mal, hier leben Erdbienen und – wenn ich jetzt einen Spaten holen würde, könnten Sie sehen, dass unser Boden vor Regenwürmern nur so strotzt.“ Der zweite Blick auf die Dinge sei wichtig, sagt die Pfarrhausfrau, die gelernte Apothekerin ist. In ihrem Garten, dem ehemaligen Gelände der Kapuzinermönche, die viele Jahre am Käppele wirkten, kommt weder Gift noch Dünger zum Einsatz.

    Ulrike Shanel unterstützt an der Wallfahrtskirche hoch über Würzburg Pfarrer Josef Treutlein und führt seit Jahrzehnten dessen Haushalt. Dieser Garten nun ist der vierte, den sie betreut. Kommen Pilger zur Wallfahrtskirche, fällt deren Betreuung ebenfalls in ihr Ressort. Und wird am Käppele geheiratet, findet der Sektempfang meistens im Garten nebenan statt. Die Plakette, die den naturnahen Garten auszeichnet, hängt unübersehbar an der Eingangspforte. Ulrike Shanel hat alle Kriterien auf diesem Gelände erfüllt gesehen: Insekten, Schmetterlinge, Vögel. Die Biodiversität ist in Fülle vorhanden und „sehr schön zu beobachten“, wie sie schildert. „Ich bin keine Unkraut-Jäterin, ich lasse den Dingen gerne ihren Lauf und schaue zu, welche Pflanze sich entwickelt.“ So gibt es nur einen gemähten Rasen – der, wie Ulrike Shanel erzählt, für die Empfänge der Brautpaare hier oben kurz gehalten wird.

    Nachhaltigkeit – auch beim Wasser

    Rundherum herrscht jedoch grün-buntes Durcheinander. Unterstützung bei den anfallenden Arbeiten bekommt sie von Armin Weidinger, der als Hausmeister am Käppele arbeitet. Aus dem jahrzehntelang klassisch bewirtschafteten Obst- und Gemüsegarten der Kapuziner ist im Laufe der vergangenen Jahre mehr und mehr ein Naturgarten geworden; weil Ulrike Shanel lediglich das entnimmt, was sie benötigen. Alles andere wird größtenteils sich selbst überlassen. Sie kocht leidenschaftlich gern ein, verrät sie: „Wir haben hier im Garten Obst und Gemüse, da kaufe ich nichts ein.“ Salat, Tomaten, Gurken, Zucchini pflanzt sie dafür an. Und manchmal kommt etwas vom Vorjahr wieder zum Vorschein. Wie die Erdbeeren. Und das, was dann wächst, wird verwertet.

    Ulrike Shanel ist diese Form der Nachhaltigkeit sehr wichtig. Ebenso hält sie es mit der Bewässerung des Naturgartens. Ein rundes Bassin – ebenfalls von den Ordensmännern seinerzeit angelegt – fängt Regenwasser auf. Armin Weidinger erklärt: „Wir gießen nur sporadisch, immer alles stetig zu wässern, das geht nicht. Und wenn es trockene Perioden gibt, dann ist das so.“ Er hat auch die alten Bäume im Blick, schneidet oder fällt sie, wenn sie instabil werden. Er zeigt auf den kleinen alten Obstbaum: „Solange der noch so grün ist, darf er bleiben.“ Und so bleiben die meisten Flächen sich selbst und der Natur überlassen, nur einmal im Jahr mäht Armin Weidinger sie. Die Tier- und Pflanzenvielfalt, die er und Ulrike Shanel dadurch immer wieder entdecken, macht beiden große Freude.

    Punktabzug für Plastik

    Auch bei der Begehung im Rahmen der Begutachtung zur Zertifizierung fiel sofort auf, was hier alles „sein darf“, erinnert sich Ulrike Shanel und schmunzelt ein weiteres Mal: „Nur die Tatsache, dass wir drei Komposter aus Kunststoff hinten stehen haben, gab einen Punktabzug.“ Sie zuckt mit den Schultern. „Die wurden vor vielen Jahren angeschafft und funktionieren gut. Nur um kein Plastik im Garten zu haben, schaffe ich sie nicht einfach ab, das wäre Quatsch. Die werden genutzt, bis sie auseinanderfallen.“

    Der Wiesenabschnitt hinter dem alten Gewächshaus, an dessen Rand der kleine Apfelbaum steht, darf blühen, wie er will, und wird ebenfalls nur einmal im Jahr gemäht. Ulrike Shanel gefällt das: „Sie glauben ja nicht, wie das hier summt und brummt! Und mit wenig Aufwand so ein Refugium zu schaffen, das macht mir Spaß.“ Wenn sie etwas säht, schaut sie lediglich zu, pikiert wird bei ihr nichts. „Man braucht Geduld, es geschehen zu lassen und nicht immer gleich einzuwirken.“ Viel lieber genießt sie die Aussicht vom Garten runter auf den Main und die Stadt, als sich zum Jäten zu bücken. Und nach Feierabend? Schaut sie vom Gartenstuhl aus in die Ferne und schöppelt gemütlich ein Glas. So lässt sich für Ulrike Shanel ihr Naturgarten am besten genießen.

    Judith Bornemann

    Selbst aktiv werden und den eigenen Privatgarten zertifizieren lassen? Infos gibt es bei der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim über die Bayerische Gartenakademie.