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Gedanken zum Sonntagsevangelium – 32. Sonntag im Jahreskreis

Wie ist es „drüben“?

Gibt es ein Wiedersehen nach dem Tod? Und wie kann man sich dieses Wiedersehen vorstellen? Die Frage war damals so umstritten wie heute.

Evangelium

In jener Zeit kamen einige von den Sadduzäern, die bestreiten, dass es eine Auferstehung gibt, zu Jesus und fragten ihn: Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterlässt, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder die Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommen verschaffen. Nun lebten einmal sieben Brüder. Der erste nahm sich eine Frau, starb aber kinderlos. Da nahm sie der zweite, danach der dritte und ebenso die anderen bis zum siebten; sie alle hinterließen keine Kinder, als sie starben. Schließlich starb auch die Frau. Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt. Da sagte Jesus zu ihnen: Die Kinder dieser Welt heiraten und lassen sich heiraten. Die aber, die gewürdigt werden, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, heiraten nicht, noch lassen sie sich heiraten. Denn sie können auch nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und als Kinder der Auferstehung zu Kindern Gottes geworden sind. Dass aber die Toten auferstehen, hat schon Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet, in der er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt. Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn leben sie alle.    

Lukas 20,27–38

Kennen Sie den Brandner Kaspar? Er ist die Hauptfigur einer Erzählung von Franz von Kobell. Berühmt sind die Theaterfassungen „Der Brandner Kaspar schaut ins Paradies“ und „Der Brandner Kaspar und das ewig Leben“.

Der Brandner soll im 72. Lebensjahr vom Tod, dem Boandlkramer, abgeholt werden. Doch er überlistet ihn. Mit Kirschgeist macht er ihn betrunken und betrügt ihn dann im Kartenspiel. Der Tod muss ihm versprechen, ihn erst mit 90 Jahren abzuholen. Doch der Schwindel fliegt im Himmel auf. Petrus merkt, dass etwas nicht stimmt, und befiehlt dem Boandlkramer, die Sache in Ordnung zu bringen. Der ist jetzt in der Zwickmühle: Da er dem Brandner sein Wort gegeben hat, kann der nur freiwillig mitgehen. Deshalb darf er probeweise einen Blick ins Paradies werfen.

Das ist meine Lieblingsszene. Der Himmel schaut aus wie die bayerischen Berge am Tegernsee. Der Brandner Kaspar sieht seine alte Hütte, seine verstorbene Frau, die ihm fröhlich zuwinkt, seine Enkelin Marei und sogar seinen alten Jagdhund, der auf Erden längst tot ist, ihm aber jetzt entgegenspringt. Den Brandner hält nun nichts mehr auf der Erde. Das Paradies ist so überwältigend, dass er dem Tod ohne Zögern folgt.

Das Stück vermittelt augenzwinkernd: Im Himmel ist es wie in Bayern. Petrus lässt Weißwürste servieren, man geht auf die Jagd, spielt Karten und macht sich lustig über die Preußen. Anrührend finde ich, wie Kaspar den Menschen wieder begegnet, die er liebt und die er durch den Tod verloren hatte.

Damit sind wir mitten in der Frage des heutigen Evangeliums: Gibt es ein Wiedersehen nach dem Tod? Und wie kann man sich dieses Wiedersehen vorstellen? Die Frage war damals so umstritten wie heute. Zurzeit Jesu gab es zwei einflussreiche religiöse Gruppierungen. Die Pharisäer glaubten an die Auferstehung der Toten, die Sadduzäer nicht. Und die Sadduzäer sind es, die mit ihrer Spottfrage Jesus zeigen wollen, wie absurd der Glaube an ein Leben nach dem Tod ist.

Jesus gibt eine doppelte Antwort. Er sagt: Ihr denkt zu naiv. Das Leben im Jenseits ist nicht einfach eine Fortsetzung des Diesseits. Löst euch von euren zu menschlichen Bildern. Es geht um eine neue Existenzweise, die nicht mit dem alten Leben vergleichbar ist.

Seine zweite Antwort ist: Es gibt eine Auferstehung der Toten. Das müsstet ihr doch längst begriffen haben. An welchen Gott glaubt ihr denn? Ist es nicht der Gott, der sich am brennenden Dornbusch dem Mose als „Ich-bin-da“ geoffenbart hat? Und gilt dieses Ich-bin-da nicht auch im Tod und über den Tod hinaus?

Natürlich wüssten wir gern, wie man sich „das Jenseits“ vorstellen kann. Sicher kein bayerischer Weißwursthimmel. Keine grüne Alpenwiese. Paulus sagt: Es wird alles anders sein, als ihr es kennt (Lesung!). Die Sprache kommt hier an ihre Grenze.

Der „Brandner Kaspar“ bringt humorvoll eine tiefe Wahrheit zum Ausdruck: Die Gemeinschaft mit geliebten Menschen bleibt auch nach dem Tod lebendig. Gott selbst hat sie bewahrt als etwas Kostbares, das zu meinem Leben gehört. Weil er meinen Namen kennt, mich nicht vergessen hat, mich herausruft aus dem Schweigen des Todes, erweckt er auch die Liebe zum Leben, die untrennbar mit meiner Person verbunden ist.

Dass Ehen im Himmel einfach fortgesetzt werden, wie die Sadduzäer hinterlistig konstruieren, weist Jesus zurück. Doch die Liebe wird fortdauern auch über den Tod hinaus. Denn Gott selbst wird sie retten und auferwecken mit uns.

Dr. Klaus Roos, langjähriger Mitarbeiter in der diözesanen Bildungsarbeit, ist seit seinem Ruhestand als Dozent, Supervisor und Autor tätig.

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