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Weiberkraft in Würzburg

Mediterrane Köstlichkeiten für den Leib und Anregendes für den Geist gab es im Würzburger Burkardushaus: Im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Würzburger Bündnisses „100 Jahre Frauenwahlrecht“ hatte die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) die Würzburger Gästeführerin Edeltraud Linkesch eingeladen, unter dem Motto „Weiberkraft in Würzburg“ einen Vortrag über den langen und schwierigen Weg zum deutschen Frauenwahlrecht zu halten.

„Fatalerweise war es ausgerechnet der Erste Weltkrieg, der den Frauen den Weg zur Wahlurne ebnete“, erklärte Edeltraud Linkesch. Während der Kriegsjahre hatten Frauen die beruflichen Aufgaben der an der Front stehenden Männer übernommen. Nach dem militärischen Zusammenbruch waren viele nicht mehr bereit, in ihre alte Rechtlosigkeit zurückzukehren. Im November 1918 beschlossen die Volksbeauftragten dann schließlich das aktive und passive Wahlrecht für alle Bürgerinnen und Bürger.

Um den größeren Kontext des Kampfes um die weibliche Gleichberechtigung zu erläutern, griff Linkesch auch auf weiter zurückliegende historische Beispiele zurück. Von den ordensähnlich organisierten, doch emanzipiert lebenden Beginen des Mittelalters schlug sie den Bogen zur französischen Frauenrechtlerin Olympe de Gouges (1748–1793), die für ihre Überzeugungen auf dem Schafott starb.

Es kam Schwung in die Frauenbewegung

Nach der Französischen Revolution nahm die internationale Frauenbewegung unaufhaltsam Fahrt auf, bis die Stimmen ihrer Protagonistinnen an der Wende zum 20. Jahrhundert nicht mehr zu überhören waren. Ihr Spektrum reichte von den radikal-anarchischen Aktionen der englischen Suffragetten bis zum Ringen um die Bildung, für das sich die deutsche Pädagogin und Politikerin Helene Lange (1848–1930) und die Schriftstellerin und Feminismustheoretikerin Hedwig Dohm (1831–1919) stark machten.

Wie Edeltraud Linkesch erläuterte, war die in München lebende Juristin Dr. Anita Augspurg (1857–1943) darum bemüht, ihre emanzipatorischen Konzepte in die Ausarbeitung des Bürgerlichen Gesetzbuchs einzubringen. Schon früh hatte sie das Frauenstimmrecht als entscheidendes Thema erkannt und gründete Landesvereine für dessen Durchsetzung. Im Oktober 1912 kam Augspurg auf Einladung des örtlichen Frauenstimmrechtsvereins nach Würzburg, um im Café Alhambra eine Rede zu halten. Aber auch Würzburg hatte seine eigenen Frauenrechtlerinnen. Emy Gordon (1841–1909), die deutsche Witwe eines englischen Diplomaten, engagierte sich in der kirchlichen Frauenarbeit und gründete im Jahr 1904 den Katholischen Frauenbund.

Dr. Klara Oppenheimer (1867–1943) studierte in Würzburg Medizin und ließ sich als erste Kinderärztin in der Stadt nieder. Unermüdlich setzte sie sich für Frauengesundheit und Bildung ein.

Frauen fanden noch immer kaum Gehör

Wie sah es eigentlich nach der Einführung des deutschen Frauenwahlrechts mit der Vertretung der Frauen in den regionalen und nationalen politischen Gremien aus? Edeltraud Linkesch erklärte, dass Frauen zwar überall kandidierten, sich jedoch häufig mit schlechten Listenplätzen begnügen mussten. Als die SPD-Politikerin Marie Jucharcz schließlich am 19. Februar 1919 als erste gewählte Parlamentarierin in der Weimarer Nationalversammlung sprach, nahm sie kein Blatt vor den Mund.

Die Gewährung des Frauenwahlrechts sei als „Selbstverständlichkeit“ zu betrachten, habe doch die Regierung den Frauen nichts weiter gegeben als das, was ihnen jahrhundertelang zu Unrecht vorenthalten worden war. Auch im 40-köpfigen Würzburger Stadtrat saßen ab 1919 vier engagierte Frauen. Bis die Zahl der Parlamentarierinnen endlich wuchs, sollte es allerdings noch lange dauern, zumal das Hitler-Regime die Emanzipation um Jahre zurückwarf.

Die Referentin Edeltraud Linkesch, die Organisatorinnen Evelyn Bausch und Angelika Goj von der KAB sowie die Teilnehmerinnen der ausgebuchten Veranstaltung waren sich am Ende einig: Gleichberechtigung ist nach wie vor ein Thema, an dem gearbeitet werden muss – die mangelnde Lohngerechtigkeit ist nur ein Beispiel.    Karen A. Braun

Noch einmal

Aufgrund der großen Nachfrage wird „Weiberkraft in Würzburg“ am Donnerstag, 7. Februar, um 18.30 Uhr, im Burkardushaus wiederholt. Nähere Informationen und Anmeldung bei: KAB Würzburg, Telefon 0931/386-65330, E-Mail „kab@bistum-wuerzburg.de“. 

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