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Haus Antonia Werr hilft seit 30 Jahren Frauen in Konflikt- und Krisensituationen

Von hier aus geht´s gut weiter

Am 24. Dezember 2018 bezog Farah S. (Name geändert) ihr Zimmer im Haus Antonia Werr der Oberzeller Franziskanerinnen. „Dass sie ausgerechnet an diesem Tag kam, war nicht geplant“, schmunzelt Einrichtungsleiterin Karola Herbert. Das sorgte auch erst mal für Stress im Team. Man wollte Weihnachten feiern. Und keine neue Frau aufnehmen. Andererseits – das Datum passte gut. Weihnachten hat ja viel mit „Neuanfang“ zu tun. Und nach einem Neuanfang, danach hatte sich Farah S. zu jener Zeit gesehnt.

Es war letztes Jahr in der Weihnachtszeit, als Farah S. von Baden-Württemberg nach Würzburg zog. „Ich hatte in der Uniklinik einen Job als Küchenhelferin gefunden“, erzählt die 21-Jährige, die vor drei Jahren aus Syrien floh. Dass sie endlich eigenes Geld verdienen konnte, darüber war die junge Frau froh: „Doch ich hatte keine Wohnung.“ Sie erhielt den Tipp, sich an das Haus Antonia Werr zu wenden. Im dortigen „Fachbereich Frauen“ gibt es heuer seit genau 30 Jahren die Anlaufstelle „Hilfen für Frauen in Krisensituationen“. Jeweils 16 Frauen können im Haus Antonia Werr vorübergehend wohnen. Während ihres Aufenthalts werden sie pädagogisch begleitet.

Positiver Verlauf

Seit dem vergangenen Advent hat sich für Farah S. viel zum Positiven gewendet. „Ich würde sagen, 90 Prozent meiner Probleme sind gelöst“, sagt die junge Frau, die es in nur drei Jahren geschafft hat, fließend Deutsch zu sprechen. Zu den Problemen, die zur Lösung anstanden, zählten etliche amtliche Schreiben. Farah S. wusste anfangs nicht, wie sie den Behördenkram bewältigen sollte. Also wie man zum Beispiel auf Briefe vom Jobcenter reagiert oder welche Unterlagen wann und wie einzureichen sind. Solche bürokratischen Probleme haben viele Frauen, die für mehrere Monate oder wenige Jahre im Haus Antonia Werr leben. Gerade Frauen mit Migrationshintergrund vermögen es anfangs nicht aus eigener Kraft, sich durch den Behördendschungel zu kämpfen. Und es sind aktuell vor allem zugewanderte Frauen, die aufgrund von Krisen ins Haus Antonia Werr kommen. „Ihr Anteil macht zwei Drittel aus“, berichtet Karola Herbert. Nicht zuletzt geflüchtete Frauen werden derzeit aufgenommen, was nicht weiter verwunderlich ist: Alle gesellschaftlichen Probleme landen mit einiger Verzögerung in der Einrichtung am Würzburger Haugerring. „Vor 20 Jahren hatten wir es zum Beispiel viel mit türkischen Frauen zu tun“, so Herbert. Das war den vorausgegangenen Gastarbeiterwellen geschuldet.

Jäher Abschied

Das Team des Hauses habe erheblich dazu beigetragen, dass es ihr nun viel besser geht als noch vor einem halben Jahr, schwärmt Farah S. Als die junge Frau 2016 vor dem Krieg aus Damaskus floh, ließ sie nicht nur ihre Eltern zurück. Sie musste sich auch von ihren beruflichen Träumen verabschieden. Ihr großer Wunsch war es gewesen, Ärztin zu werden: „Ich hatte bereits ein Semester Medizin studiert.“ Dann platzten die Träume jäh, denn es war der Familie nicht mehr möglich gewe- sen, in Damaskus zu bleiben. Die Eltern leben heute im Sudan. Farah S. floh mit ihrer Schwester nach Deutschland.

Lösungsorientiert

Farah S. würde weiterhin gern studieren, doch das erschien ihr lange unbezahlbar. Ausländer, die sich in Deutschland auf ein Fach mit Numerus clausus bewerben, haben dann die besten Chancen, wenn sie dies über eine Agentur tun, erklärt sie. Was teuer ist. In ihrem Fall betragen die Bewerbungskosten rund 200 Euro. Woher so viel Geld nehmen? „Mach dir keine Sorgen!“, sagte ihre Bezugsbetreuerin im Haus Antonia Werr und suchte nach einer Lösung. Aus dem Spendentopf des Hauses konnten schließlich Gelder für die Bewerbungen aufgebracht werden. Nun hofft sie, dass sie einen Medizinstudienplatz erhält. Die Hilfen, die im Haus Antonia Werr geleistet werden, orientieren sich an einem Credo der Gründerin der Gemeinschaft der Dienerinnen der heiligen Kindheit Jesu zu Oberzell. Antonia Werr erklärte: „Hier, wo die Menschenwürde gleichsam in Trümmer zusammengestürzt ist, wo alles verloren zu sein scheint, ist Hilfe am dringendsten.“ Frauen, die auf dem „Strome des Lebens“ gescheitert sind, wollte sie „eine rettende Hand reichen“. Werr: „Die zerschellten Trümmer ihres göttlichen Ebenbildes durch sorgfältiges Zusammenfügen wieder zu ihrem ursprünglichen Zwecke herzu- stellen – welch’ herrliche, wenn auch höchst schwierige Aufgabe wäre dieses!”

Hart im Nehmen

Nur, wer geduldig, empathisch und in gewisser Weise auch hart im Nehmen ist, kann heute die schwierige Aufgabe meistern, Frauen in Not Hilfe und Orientierung zu geben. Denn viele Frauen haben Schreckliches hinter sich. Auch Farah S., die so selbstbewusst und fröhlich wirkt, erlebte in ihrem jungen Leben Grauenhaftes. Mit 13 Jahren, berichtet sie, musste sie in dem Dorf, in dem sie damals mit der Familie wohnte, zusehen, wie die Armee Regimekritiker köpfen ließ: „Darunter war der beste Freund meines Bruders, ein Journalist.“ Auch der Bruder war in Gefahr. Er floh und wohnt derzeit in Schweden. Farah S. lebt nach der Devise: „In erster Linie zählt das Heute!“ Sie möchte nicht zu oft und nicht zu intensiv an die Vergangenheit denken. Die Mitarbeiterinnen im Haus Antonia Werr respektieren das. Sie dringen nicht in sie. Sondern helfen Farah S. bei allem, was die junge Frau im Hier und Heute bewältigen muss.     

Pat Christ

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