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Von drauß’ vom Walde komm ich her

Mit der rechten Hand auf den Bischofsstab gestützt, mit der linken das goldene Buch fest umklammert – so tritt Robert Heinrich ganz langsam durch die Wohnzimmertür.
 Er muss den Kopf senken, um nicht mit der roten Mitra am Türstock hängen zu bleiben. Als er sich wieder aufgerichtet hat, blickt er liebevoll auf die Anwesenden. Mit fester, tiefer Stimme beginnt er Theodor Storms Gedicht aufzusagen: „Von drauß’ vom Walde komm ich her; ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr.“   Auswendig spricht Heinrich die ihm so vertrauten Zeilen. Die Spitzen seines grauen Barts wackeln leicht hin und her, die blauen Augen blicken sanft über den Rand der Lesebrille. Gleich wird er in sein goldenes Buch schauen und dann ein Kind nach dem anderen aufrufen.  

Keine Angst machen

Wie oft er das Buch schon aufgeschlagen, in wie viele Kinderaugen er schon als Nikolaus geblickt hat? Der  87-Jährige weiß es nicht. Kein Wunder, es müssen Hunderte, gar Tausende gewesen sein. Seit 1953 ist er Jahr um Jahr als Bischof von Myra im Einsatz. Inzwischen besucht er sogar einige Familien, bei denen ihn die Eltern noch aus ihren eigenen Kindheitstagen als Nikolaus in Erinnerung haben.
Bei so viel Erfahrung weiß Heinrich, was einen guten Nikolaus ausmacht: „Er muss ruhig sprechen und darf die Kinder nicht anschreien.“ Ihm selbst hat dabei sein Dienst als Lektor im Gottesdienst geholfen. Denn auch dort gilt es langsam und verständlich zu lesen. Doch manchmal, wenn ein Kind nicht brav war, dann muss der Nikolaus auch schimpfen. Wie das geht? Heinrich lacht. „Dann bin ich ein wenig lauter“, sagt er und beugt langsam den Oberkörper nach vorne, während er mahnend den Zeigefinger erhebt. „Das zeigt dann schon Wirkung“, weiß er. Aber Angst möchte er den Kindern keine machen. „Ich bin ja ein guter Nikolaus. Man darf die Kinder nicht anprangern. Lieber sollte man geschickt erzählen, was sie machen müssen, damit die Eltern mit ihnen zufrieden sind.“   Der Bart ist echt Über 35 Jahre, von 1983 bis 2017, kam „Nikolaus“ Heinrich auch jährlich in die Würzburger Christophorusschule. Hier kam besonders sein eigener grauer Bart gut an, den die Kinder immer anfassen durften, um zu spüren: Der Nikolaus ist echt.   Sorgen, dass die Geschichte des Bischofs von Myra in Vergessenheit geraten könnte, hat der 87-Jährige nicht. Er ist überzeugt, dass sich immer jemand finden wird, der für die Kinder in die Rolle des Heiligen schlüpft. In der Christophorusschule hat er seinen Nachfolger, einen pensionierten Lehrer, vergangenes Jahr selbst eingelernt.   Nun trägt er sein Gewand nur noch für den Sportverein und den Kindergarten seines Heimatortes Püssensheim – und natürlich für seine acht Enkelkinder, wobei auch der Jüngste den Opa inzwischen enttarnt hat. Doch das tue der Freude keinen Abbruch, wie Heinrichs Frau Luise weiß: „Das Schönste ist für ihn, wenn die Kinderaugen leuchten. Dann strahlt auch er.“ Victoria Förster

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