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Die Erlöserschwestern stehen vor der Schließung ihres Klosters in Heidenfeld bei Schweinfurt

Von Abschied und Aufbruch

Nicht mehr lange, dann wird das Klosterportal geschlossen. Die Inventarliste ist erstellt, Kisten und Koffer sind teilweise gepackt. Elf der 17 Schwestern bleiben auf dem Klosterareal und ziehen ins angrenzende ordenseigene Pflegeheim um, sechs Schwestern brechen auf nach Würzburg. Sie spüren Wehmut – aber sehen auch Zukunft.

Auch wenn das Klostergebäude nach 120 Jahren geschlossen wird, geht die Geschichte der Erlöserschwestern in Heidenfeld dennoch weiter. 80 Schwestern leben im Pflegeheim „Maria Hilf“ und werden auch weiterhin das Dorfbild prägen. Und doch ist es für die Kongregation und besonders für die Schwestern, die das Klostergebäude verlassen müssen, ein schmerzlicher Schritt: Es ist ihr Zuhause, ihre Familie, ein Ort der Geborgenheit, des Glaubens und der Gemeinschaft. Mehr als ein Jahrhundert waren Erlöserschwestern hier tätig gewesen. Der Gedanke, all das aufgeben zu müssen, schmerzt. „Geahnt haben wir es schon länger, es wurde auch immer mal wieder darüber gesprochen“, erklärt die Kommunitätsleiterin des Klosters, Schwester Bettina Lengler. „Doch als uns Anfang des Jahres der Entschluss der Ordensleitung mitgeteilt wurde, waren wir wie vor den Kopf geschlagen.“

Doch das Klostergebäude ist für die 17 Schwestern schon lange zu groß. Lebten in Heidenfeld „zu Spitzenzeiten“, wie Verwaltungs- und Einrichtungsleiter Michael Fritsche erklärt, etwa 240 Schwestern, sind es aktuell gerade noch 80, bundesweit 169. Und so gehen im Klostergebäude in Heidenfeld in wenigen Monaten die Lichter aus, denn „das betriebswirtschaftlich zu stemmen ist schwierig“, sagt Fritsche. Er kennt die Ordensfrauen sehr gut, seit 18 Jahren arbeitet er für sie, man schätzt und vertraut einander.

Derzeit viel zu verdauen

Auch ihm ist es nicht leicht gefallen, die Entscheidung der Schließung anzunehmen. Hinzu kam: In den vergangenen Monaten hat auch im Kloster in Heidenfeld der Ausbruch der Corona-Pandemie für Unruhe, Ängste und viel organisatorische Arbeit gesorgt. Es gab eine Quarantäne, fünf Todesfälle mit Corona – und schließlich die Nachricht von Schließung und Umzug. „Wir haben gerade viel zu verdauen und das in unserem Alter", sagt Schwester Ansgard Kreutner, Kommunitätsleiterin des angeschlossenen Pflegeheims.

Schwester Bettina Lengler atmet tief durch. Mit festen Schritten geht sie den langen Flur entlang. In manchen Räumen stehen gepackte Kisten, Kartons, Kleiderständer. „Für uns war es, als wäre von Heute auf Morgen alles anders. Aber so ist es nun mal. Ich mache die Augen auf und sehe Zukunft.“ Für die Schwestern im hohen Alter war die Vorstellung, diesen Ort noch einmal verlassen zu müssen, unendlich weit weg. „Hier gehöre ich hin“, bringt es Schwester Ortrudis Brückner, die vor rund zwei Jahren ihr diamantenes Professjubiläum (60 Jahre) gefeiert hat, auf den Punkt. Sie ist eine der sechs Schwestern, die nach Würzburg umziehen werden. Dann gerät ihre Stimme ins Wanken. „Ich habe die Entscheidung angenommen, aber leicht fällt es mir noch immer nicht.“

Wie ein Kopfstand

1901 hatte die Kongregation das Anwesen nahe dem Main mit freiem Blick auf die umliegende Region erworben. Die ersten zwölf Ordensfrauen waren Anfang April 1901 in das bis dahin 700 Jahre lang als Augustiner-Chorherrenstift Sankt Mauritius geführte Kloster eingezogen. In erster Linie diente es als Erholungsheim für kranke und ältere Schwestern. Mitte der 70er Jahre wurde ein neuer Trakt – das heutige Pflegeheim – angebaut, in dem die alten und kranken Schwestern besser versorgt werden konnten. Anfang des neuen Jahrtausends sanierte und erweiterte man das Pflegeheim, weil die Zahl der älteren, hilfs- und pflegebedürftigen Schwestern zunahm. Diese Einrichtung wird auch nach der Klosterschließung bestehen bleiben. Es gibt dort 73 Einzelzimmer – elf der insgesamt 17 im Kloster nun noch wohnhaften Ordensfrauen werden dort ihr neues Zuhause finden. Sechs Mitschwestern werden Heidenfeld verlassen.

Was aus dem Klostergebäude wird, steht noch nicht fest. „Aktuell wird aktiv über Möglichkeiten der Nachnutzung nachgedacht“, erklärt Michael Fritsche. Schwester Ortrudis ringt bei diesem Gedanken um Fassung, denn von der Schließung ist auch die Klosterkirche betroffen. „Wir haben hier Kraft und Liebe investiert, das schmerzt. Und es tut uns besonders weh, dass die Kirche wegfällt. Das ist alles wie ein Kopfstand.“

Den freien Himmel vermissen

Es wird ein sehr schmerzhafter Abschied nicht nur vom Wirkungsort – sondern auch von ihrer „Familie“, wie Schwester Bettina betont: „Wir haben ja keine eigene Familie, so war dies all die Jahre unsere Gemeinschaft.“ Nun gehen sie im Alter von teils weit über 80 Jahren getrennte Wege. Zwei Schwestern ziehen ins Mutterhaus nach Würzburg, vier wechseln ins Schwestern-Erholungshaus und Altenheim „Maria Königin“ im Würzburger Steinbachtal. „Wir werden den freien Blick hier draußen vermissen“, bedauert Schwester Ortrudis. Schwester Bettina erinnert sich mit einem wehmütigen Lächeln an die schönen Jahre hier an ihrem Wirkungsort.

Als sie die Tür zu einem größeren Raum öffnet, schmunzelt sie: „Hier haben wir immer Fasching gefeiert, da ging es ausgelassen zu.“ Auch an ihre Einsätze bei der Freiwilligen Feuerwehr erinnert sie sich gut. Noch im fortgeschrittenen Alter taten sie und einige Mitschwestern dort ihren Dienst – bis es schließlich zu mühsam wurde, manchmal mitten in der Nacht und dann in voller Ausrüstung auszurücken.

Darüber sprechen

Jede Schwester hatte in der Gemeinschaft bisher ihren festen Platz, ihre Aufgaben. Nun heißt es Abschied nehmen und aufbrechen. Über all die Dinge, die auf die Schwestern nun einwirken, sei man aber miteinander im Gespräch, sagt Schwester Ansgard. „Wir reden darüber, Aufbruch, Abschied, Veränderung, es finden und fanden persönliche Gespräche mit der Ordensleitung statt, wo die Schwestern alle gefragt wurden: Wo gehörst du hin? Was kannst du dir vorstellen?“ Gerade auch im Pflegeheim gegenüber bereite man sich intensiv auf die elf Mitschwestern vor, die bald einziehen werden. „Der Prozess läuft und wir werden sie dort gut empfangen. Und wenn jede das gibt, was sie hat, sollte alles gut werden“, Schwester Ansgard nickt bestimmt. Auf andere Abläufe im Alltag, auf verstärkte Regeln im Tagesablauf müssten sich die Mitschwestern dort einstellen, denn „im Kloster ist noch Mobilität, das ist dort anders.“

Neben den Schwestern sind auch neun Mitarbeiterinnen von der Schließung betroffen. Geschäftsführer Martin Stapper konnte jedoch zusichern, dass die Kongregation als Arbeitgeber keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen muss. Während für die einen der Ruhestand beginnt, werden manche in anderen Einrichtungen der Kongregation weiterbeschäftigt, einige befristete Verträge laufen aus.

Mit Blick in die Zukunft

Michael Fritsche ist erleichtert, dass allen Mitarbeitenden daran gelegen ist, den Schwestern den Abschied so leicht wie möglich zu machen. Daran hätten sie einen entscheidenden Anteil, erklärt er. Denn dieser Einsatz gehe über ein schlichtes Dienstverhältnis hinaus. Auch das trägt die Ordensfrauen durch diese schwierige Zeit. Unumstößlich glaubt Schwester Ansgard daran, „dass unsere Spiritualität in irgendeiner Form weiterleben wird. Nicht nur durch uns Schwestern, sondern durch unsere Mitarbeitenden und Menschen, die sie mit uns teilen. Eine Zukunft wird es sicher geben, aber eine andere.“ Das Generalkapitel hat sich klar für Zukunft entschieden: So wird das Mutterhausareal in Würzburg als Kloster in der Innenstadt für die Menschen die Tore öffnen. Die Schwestern des Erlösers wollen die Spiritualität weitertragen, so viel steht fest. Alles andere wird sich finden.

Judith Bornemann

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