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Ein Gespräch mit dem Kölner „Diaclown“ Willibert Pauels

Vom Feiern und Fasten

Was sagt ein rheinischer Karnevalist, wenn man ihn nach der Fastenzeit fragt? „Man muss auch mal auf ein Opfer verzichten können“, ist die Antwort des Kölner Diakons und Büttenredners Willibert Pauels. Der überzeugte Karnevalist und Katholik teilt mit uns seine Sicht der Dinge auf den Übergang von der Närrischen Zeit zur Fastenzeit.

Willibert Pauels, alias „Ne Bergische Jung“, ist im Rheinland und vor allem im Kölner Karneval eine feste Größe. Seine Heimat Wipperfürth machte er schon 1975 als Büttenredner in seiner Pfarrei unsicher. 1996 wurde er für den Kölner Karneval entdeckt und ist seither nicht mehr aus dem „jecken Treiben“ wegzudenken. Sein Lebensentwurf ist dabei nicht der des typischen Komödianten. Denn Pauels ist nicht nur Späßemacher, sondern auch katholischer Diakon. Früher wollte er sogar Priester werden, aber „meine Hormone wollten nicht“, sagt er selbst. Doch wie passen die katholische Kirche und der Fasching zusammen? Gibt es da nicht Konflikte zwischen dem braven Kirchenmann und dem Komödianten „Bergisch Jung“, wie er sich auf der Bühne nennt.

Katholisch feiern

Für Pauels ist die Antwort ganz einfach. Für ihn gehören Glaube und Karneval untrennbar zusammen. Schon das Wort „Fastnacht“ komme ja daher, dass man in der Nacht vor der Fastenzeit nochmal ordentlich auf den Putz haut. Auch beim Wort Karneval sei das so: „Carne – also Fleisch, das kennen wir alle vom Chili con Carne – Vale heißt, Fleisch auf Wiedersehen“, meint Pauels. Man verabschiede sich in die Zeit des Verzichts. Vorher Karneval zu feiern, sei wichtig für den Glauben. Karneval, das sei pure Lebenslust. Unser Körper, das sei die Wohnung, die Gott unserer Seele gab, das müsse auch mal gefeiert werden. Auch die Lust an sich dürfe man nicht verdammen, sie dürfe nur nie zum Mittelpunkt des Daseins werden.

Heilsamer Humor

Für den Kölner Diakon geht auch der karnevalistische Humor Hand in Hand mit dem katholischen Glauben. Genau wie unser Glaube, könne ein gesunder Humor sowohl trösten, als auch Hoffnung geben –„eine Insel im Meer der Angst sein“. Von der tröstenden Wirkung des Humors erzählt Pauels das Beispiel der Hinrichtung von Dietrich Bonhoeffer: „Da kam der Henker grinsend auf ihn zu und sagte: ,Jetzt ist alles aus’, worauf Bonhoeffer nur trocken sagte ,Nein’, danach wurde er gehängt“. Humor und Religion gäben den Menschen Freiheit glaubt er, weswegen auch Bonhoeffer keine Angst haben musste.

Auch Pauels sorgt sich nicht um Leute, die sein Amt als Diakon nicht mit dem Karneval vereinbar sehen. 17 Jahre lang habe man dem verstorbenen Erzbischof Joachim Kardinal Meisner Beschwerdebriefe geschrieben, weil der sündige Karneval nicht zum Diakon passe. Meisner sei nie ein großer Liberaler oder Karnevalist gewesen. Aber der „Diaclown“, wie er sich scherzhaft nennt, erinnert sich gerne daran, dass er von seinem Chef immer verteidigt wurde: „Auch Meisner war der Meinung, dass es im Glauben keine Zwänge geben darf. ,Nur eine Religion die Humor zulässt ist eine freie Religion’.“ Der Humor gehört daher für Pauels zum Glauben dazu. Bei einer Umfrage unter Kölner Karnevalisten habe er herausgefunden, dass fast alle früher auf Karnevalssitzungen ihrer Pfarreien angefangen hätten. „Die Pfarrei als Brutstätte des Karnevals, das könne doch kein Zufall sein!“

Alles Ausgeglichen

Wie verhält man sich jetzt als Karnevalist, wenn der ganze Spaß der närrischen Zeit vorbei ist und man nach Aschermittwoch plötzlich verzichten soll? Wenn der ausgelassene Karneval, die Lebenslust, zum Glauben dazugehört, dann ist für Diakon Pauels auch klar, dass die Fastenzeit genauso ein Teil des Lebens sein müsse, auch wenn er selbst nicht betroffen sei: „Ich bin jetzt 65 und damit sowieso von jeglichem Fasten befreit“, lacht der Kölner.

Aber Spaß beiseite! Die Fastenzeit sei nicht nur dazu da, damit der Osterbraten doppelt schmecke, wie der von Pauels gerne zitierte Theologe Manfred Lütz zu sagen pflege. Die Fastenzeit sei für den Menschen genauso wichtig, wie zuvor das Feiern. Pauels wählt als Sinnbild das Atmen. Alles brauche seinen Ausgleich – Einatmen, Ausatmen. Der Karneval, das sei das extrovertierte Ausatmen. Die Fastenzeit sei das erholsame Einatmen. „Und der Herzschlag, der diesen Kreislauf antreibe, das ist das Osterfest, die Heilsbotschaft.“

Das krichliche Leben spiegelt laut Pauels diesen Wechsel von Fest und Verzicht regelmäßig wider. Und für den Übergang gebe es, zum Beispiel nach Fasching, eine katholische Schocktherapie, in Form des Aschekreuzes: „Die Kirche hatte immer schon starke Bilder. Man bedenke, da wird aus Weihwasser und den symbolischen Palmzweigen von Jesu Einzug in Jerusalem die ‘katholische Fangopackung’ angerührt, wie ich sie nenne. Man kommt mit einem Kater vom Feiern in die Kirche und plötzlich schmiert einem der Pfarrer mit den Worten ‘bedenke, dass du sterblich bist’, die Endlichkeit in Form eines Kreuzes ins Gesicht.“ Aber wie soll man nun eigentlich Fasten? Da gebe es kein Patentrezept, meint Pauels. Wichtig sei, in unserer Konsumgesellschaft überhaupt etwas Alltägliches zu reduzieren. Er sehe das Fasten nicht so verkniffen „eher als Vorschlag“.

Nur nicht zu viel

Schon die Kirche habe erkannt, dass man es nicht übertreiben dürfe. So sei der  Tag des Herrn vom Fasten freigestellt. Daher müsse man auch nicht strikt fasten, um ein guter Christ zu sein. Gut sei vor allem der, der liebe und auch Liebe weitergebe. Wer fastet, sei vielmehr klug, denn er erkenne den Wert von Mäßigung und Disziplin. Wer aber immer nur fresse, der platze irgendwann und nach dem Trinken komme der Kater, der sollte einem Klugen eine Lehre sein.

Die Mäßigung, das Fasten, könne es heute natürlich auch in allen möglichen Formen geben, so Pauels. Etwa die Proteste der Jugendbewegung Fridays For Future seien im Grunde nichts anderes als ein Aufruf zum Fasten: „Sie erinnern im guten Sinne an mittelalterliche Bußprozessionen: Kehret um und bessert euch!“, das sei eine Paradebotschaft der Fastenzeit. Im Grunde sei alles, was uns davon abhielte dekadent zu sein, auch Fasten.

Das Problem sei wie bei vielem die Begierde, denn die sei maßlos und das mache krank. Nicht nur im religiösen Sinn sei das Fasten daher wichtig, sondern auch für den Menschen an sich. Ob er glaube, dass die Menschen diesen Wert des Fastens heute noch erkennen und beherzigen würden? In manchen Bereichen wahrscheinlich viel zu viel, meint Pauels. Die Menschen kehrten sich immer mehr ab von der Religion und suchten sich Ersatz. Etwa die Fitness- und Gesundheitsreligion. Die hätten teilweise strengere Regeln, als man sich das beim katholischen Fasten je ausdenken könnte. Doch alles brauche das richtige Maß, man dürfe es weder beim Feiern, noch beim Fasten übertreiben: „Wer immer über die Maßen gesund lebt, der stirbt auch gesund. Aber am Ende ist man immer tot.“

Für ihn greift hier ein Kernspruch aus dem rheinischen Katholizismus: „Man muss auch mal auf ein Opfer verzichten können.“ Trotzdem achte Willibert Pauels darauf, Mäßigung zu üben. Er feiere im Karneval sowieso kaum, da er ja die meiste Zeit auf der Bühne stehe. Und wegen seines Alters müsste er eigentlich gar nicht mehr fasten, er halte aber den Ausgleich auch im eigenen Leben für wichtig. Generell trinke er etwa unter der Woche keinen Alkohol. Das heiße aber nicht, dass man sich das nicht gönnen dürfe. „Ich gehe zum Beispiel am Sonntag gerne zum Früh- oder Dämmerschoppen“, erzählt Pauels über seine Trinkgewohnheiten. Er halte es dabei aber mit Goethe: „Löblich ist das wilde Treiben, wenn es denn ein Ende hat.“

Wie eine Wallfahrt

Er vergleiche den wichtigen und ausgeglichenen Kreislauf des Feierns und des Fastens gerne mit einer Wallfahrt. „Man stelle sich vor, man begibt sich auf eine anstrengende Wanderung zu einer bekannten Wallfahrtskirche. Man verzichtet auf jeden Komfort. Einmal angekommen betet man natürlich, geht vielleicht in den Gottesdienst. Aber jeder muss zugeben, wie gut es dann nach der Ankunft tut, sich bei einer ordentlichen Haxe und einem Bier als Pilgermahl zu entspannen.“ Denn, so der Jecke Willibert Pauels, brauche man beides, das Fasten und das Feiern.              

Raphael Schlimbach

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