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Sonnenlicht und Wolken

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    Kommentar von Jerzy Stauß

    Verlogene Filme?

    Vor kurzem wurde der Regisseur Edgar Reitz 90 Jahre alt. Mit „Heimat“, „Die Zweite Heimat“ und „Heimat 3“ hat er die erfolgreichste Spielfilm-Reihe der Bundesrepublik gedreht. Alles grandiose Filme.

    Im Radio gab es zum Geburtstag jetzt ein Interview. Der Interviewer sagte zu Reitz, dass dieser ja seine Filme als Gegenentwurf zu den „unerträglichen“, „verlogenen“ Heimatfilmen der Nachkriegszeit gedreht habe. Reitz stimmte sofort zu: „Verlogene Heimatfilme, ja, ja!“ Gemeint waren Filme wie „Grün ist die Heide“ (1951) oder „Am Brunnen vor dem Tore“ (1952), einst Kassenschlager – mit beliebten Schauspielern wie Sonja Ziemann oder Rudolf Prack.

    Verlogene Filme also. Aha. Allerdings stellt sich die Frage: Hätten die Leute damals, als die Städte in Trümmern lagen, ihre Freizeit mit Filmen verbringen sollen, in denen herumproblematisiert wird? Sorgen hatte man im Alltag genug. Die Leute waren ausgebombt, wohnten in feuchten Kellern und hatten von Existenzängsten die Nase gestrichen voll. Sie wollten tatsächlich eine heile Welt sehen, um sich von ihren tristen Lebensverhältnissen abzulenken. Was ist daran auszusetzen, was ist daran „verlogen“?

    Die Kritik an jener Zeit ist umso widersinniger, als sie aus einer Gegenwart kommt, in der die Leute ständig in irreale Sphären abtauchen. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sieht die Zukunft in einer künstlichen digitalen Welt namens „Metaversum“, ein Mix aus Internet und Realität. Seinen Konzern hat er deshalb in „Meta“ umbenannt. Sind solche Konstrukte nicht viel „verlogener“? Und: Auf Facebook finden Sie Fake-Profile, auf Instagram retuschierte Bilder und bearbeitete Filmchen. Computerspiele wie „World of Warcraft“ bieten komplett künstliche Sphären, die es nie gegeben hat. Ist das weniger „verlogen“ als Heimatfilme? Letztlich bleibt zu vermuten, dass es den Leuten mit den Heimatfilmen psychisch besser gegangen ist als es uns heute geht mit dem Konsum der fordernden digitalen Welten mit ihren vielfältigen Abhängig­keiten und Süchten.    

    Jerzy Staus