Hinweis

Ihre Browserversion wird leider nicht mehr unterstüzt. Dies kann dazu führen, dass Webseiten nicht mehr fehlerfrei dargestellt werden und stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Wir empfehlen Ihnen, Ihren Browser zu aktualisieren oder einen der folgenden Browser zu verwenden:

Sommerdrinks

Noch ohne Sommerlektüre?

Mit einem Digital- oder Printplus-Abo haben Sie Ihre Kirchenzeitung auch im Urlaub überall dabei.

    Mit einem Digital- oder Printplus-Abo haben Sie Ihre Kirchenzeitung auch im...

    Mehr

    Total beeindruckt

    Ulrich Boom lächelt, im Schatten der Gnadenkapelle von Telgte. „Es sind diese Momente auf einer Wallfahrt; ich denke mir dann immer: Würde ich jetzt sterben, wäre alles gut.“ Viele wichtige Entscheidungen in seinem Leben habe er auf Wallfahrten getroffen, verrät der Weihbischof. Rund drei Stunden zuvor am Morgen hatte er sich in der Münsteraner Innenstadt mit etwa 900 Fußpilgern auf den Weg in den kleinen westfälischen Wallfahrtsort gemacht. „Mal raus“ aus der Katholikentagsstadt, Landluft schnuppern und ein wenig runterkommen bei Gebet und Gesang.
    Viele der Pilger sind aus der Region, doch Barbara Hagel und Elke Schanzer aus Niederbayern sind ebenfalls dabei; sie haben ihre Laufschuhe von Passau mit nach Münster genommen. Zwölf Kilometer bedeuten für die jungen Frauen nicht gerade eine Wallfahrt, sondern mehr einen flotten Spaziergang. Wallfahrten, die mehrere Tage dauern, sind ihnen nicht fremd.   Doch mit Blasen an den Füßen müssen sie hier nun nicht rechnen. Auf dem Weg von Münster nach Telgte wollen die Schwestern durchatmen – und da kam ihnen das Wallfahrtsangebot der Diözese Münster gerade recht. „Nebenbei sehen wir etwas von der schönen mü̈nsterländischen Landschaft – und nicht bloß von der Domstadt.“   Unter dem Leitwort „Lenke unsere Schritte auf den Weg des Friedens“, das dem Lukas-Evangelium entnommen ist, haben sich am letzten Tag des Katholikentages in Münster insgesamt etwa eintausend Pilger auf den Weg gemacht. Der Großteil läuft, einige fahren aber auch mit dem Fahrrad oder mit dem Bus.   

    Flott voran

    Nach der Begrüßung von Pfarrer Hans-Werner Dierkes, dem Leiter des Referats Wallfahrtsseelsorge im Bistum Mü̈nster, geht es zügigen Schrittes los. Kaum haben sich alle in Bewegung gesetzt und das erste Marienlied hallt durch die Straßenzüge der noch ruhigen Innenstadt, wird auch schon ein ordentliches Tempo vorgelegt. „Da ist am Anfang oft so, aber das drosselt sich dann wieder“, meint Weihbischof Ulrich Boom zu einer Pilgerin, die neben ihm irritiert schaut und fragt, ob eine Wallfahrt immer so flott sei.   Eigens für diesen Weg wurde die Bundesstraße raus aus der Stadt in großen Teilen gesperrt, Polizeibeamte stehen an den Kreuzungen, Motorräder mit Blaulicht flankieren den Zug. Auf Fahrrädern rollen Ersthelfer nebendran. Für das Koordinationsteam der Wallfahrt war gerade der Sicherheitsaspekt sehr wichtig, erläutert Silvia Backhaus; So habe man für die größtmögliche Sicherheit gesorgt. Doch was auch außer Frage stand, war die Tatsache, dass es sich noch immer um eine „religiöse Veranstaltung handelt“, wie die Mitarbeiterin vom Katholikentagsbü̈ro des Bistums betont, deren Rahmen man gewahrt wissen wollte.   Während der gesamten Strecke bleibt stets eine Fahrbahnseite frei von Fußpilgern, um das Durchfahren der Sicherheitskräfte zu ermöglichen. Schnurgeradeaus führt der Weg durch die langsam heißer werdende Frühsommersonne über den Asphalt. Beim Überqueren des Mittellandkanals steht ein Landwirt mit seinem Pony auf dem Gehweg und schaut den hunderten Pilgern interessiert zu. Einige hundert Meter weiter stehen Mütter mit Kinderwägen im Halbschatten, winken und machen Handyfotos. Langsam wird es wärmer, die ersten Wasserflaschen werden gezückt. Es riecht nach Sonnencreme, ein Pilger aus Sachsen cremt sich die Arme ein und zieht eine Kopfbedeckung aus dem Rucksack. „Schön warm hier im grünen Münsterland“, sinniert er und schaut nach rechts in die grünen Wiesen. Im Hintergrund fällt ein Fachwerkhof ins Auge.   Pfarrer Hans-Werner Dierkes läuft am Kopf des Pilgerzuges; als Geistlicher Leiter betreut und begleitet er die Gläubigen nach Telgte. Das Bistum habe mit dieser Aktion im Rahmen des Katholikentages eine Hoffnung verbunden schildert er: „Wir erhoffen uns durch diese Wallfahrt im Rahmen des Katholikentages durchaus eine Intensivierung und vielleicht sogar eine Wiederbelebung der Wallfahrt nach Telgte; und wir hatten uns ganz bewusst dafür entschieden, diese Wallfahrt als Friedenswallfahrt zu gestalten. Passend zum Motto des Katholikentages.“   

    Ordnung muss sein

    Ein Mann in neongelber Sicherheitsweste schwenkt seine lange Pilgerlanze mit dem Mariensymbol am Ende. „Und wir versuchen wieder zu sechst in einer Reihe zu gehen. Das Lied: Maria dich lieben – die Männer fangen an!“ Der schlanke Endfünfziger mit Brille lächelt, als die Pilger neben ihm ins Stocken kommen und versuchen eine Sechserreihe zu bilden. „Wir sind angefragt worden“, schildert Bernd te Uhle, der erste Vorsitzende der Gruppe „Fußwallfahrt Bocholt-Kevelaer“, „ob wir auf der Wallfahrt nicht ein bisschen für Ordnung sorgen können; denn wir haben auf unserer rund 50 Kilometer langen Wallfahrt jedes Jahr eine bestimmte Ordnung, die von den Pilgern gerne angenommen wird.“ Dabei werden beispielsweise die Strophen der Lieder von Männern und Frauen im Wechsel gesungen. Außerdem läuft man getrennt nach Geschlecht in Sechserreihen. „Bei uns zählt vor allem das Gemeinschaftserlebnis.“    Weihbischof Boom ist in der Zwischenzeit als solcher „geoutet“ worden, die Bistumspresse aus Münster hält ihm kurzerhand im Laufschritt eine Videokamera vor die Nase und bittet zum Interview, dem er sich bereitwillig stellt. Zum Wallen ist nur wenig Zeit, denn die Würzburger Internetredaktion freut sich – so erklärt der Weihbischof, während er das Wallfahrtsbüchlein mit  dem Handy abzufotografieren versucht – über Fotos für „Instagram“. „Ich schicke den Redakteuren in Würzburg gern meine Bilder. Dann können die das gleich verarbeiten.“ Dann ist er auch schon wieder beim nächsten Abschnitt des Gebets – die Herren sind an der Reihe.   

    Am Rande ein Pferd

    Die Sonne brennt inzwischen, als das Ortsschild von Telgte erreicht ist. Der Pilgerzug zieht unter den Blicken vieler Schaulustiger auf der Straße und in den Fenstern am Wahrzeichen der Stadt, der Marienlinde, vorbei zur Gnadenkapelle. Dann folgt eine Pause, ein Mittagsimbiss auf den Emswiesen. Theresia Siegler aus dem unterfränkischen Roden bei Marktheidenfeld ist heilfroh, dass sie zumindest festes Schuhwerk eingepackt hat. „Denn mein Mann hatte meine Wanderschuhe am Vorabend unserer Reise nach Münster verräumt, und – aus den Augen aus dem Sinn – habe ich sie vergessen.“   Mit etwa 50 Gläubigen aus Unterfranken ist sie mit dem Bus nach Münster zum Katholikentag gekommen. Nun zieht es sie als erstes zur Gottesmutter. „Ich bin total beeindruckt! Vom Ort, vom Gnadenbild. Die Figur der Mutter ist so stark, so dominant und man fühlt mit ihr, wenn man den Leichnam Jesu ansieht. Mir kommt da nur ein Gedanke: Was eine Mutter alles aushält. Das geht ganz tief.“ Der Aufenthalt beim Katholikentag, das seien „drei Tage nur für mich“, schildert die Mutter von drei erwachsenen Kindern. Von Münster wird sie neben der Wallfahrt wohl das viele Grün und die zahlreichen Fahrräder in Erinnerung behalten.   Und Weihbischof Boom? Auch er hat die Tage in seiner westfälischen Heimat genossen. Und die Wallfahrt, die ist er „von Herzen gern mitgegangen“. „Denn: das Prinzip des Friedens – und das ist ja das Motto vom Katholikentag gewesen – ist der Dialog. Wo wir nicht mehr miteinander reden, wächst Misstrauen. Zum Frieden hin, da ist der Pilgerweg eine sehr gute Übung. Denn das ist ein Stückchen vom Himmel, das wir alle brauchen. Und nach Telgte komme ich immer wieder gern.“ Judith Bornemann