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Der Pastorale Raum „Sankt Benedikt” – Gespräch mit dem Leiter Pfarrer Peter Göttke

Teamarbeit und gegenseitiges Vertrauen

Als Pfarrer mit Sitz in Wiesentheid leitet Peter Göttke (56) gemeinsam mit Verwaltungsleiterin Anja Dürrnagel den Pastoralen Raum „Sankt Benedikt” – mit seinen fünf Pfarreiengemeinschaften. Insgesamt sind es 27 Kirchorte mit rund 13500 Gläubigen, die zu diesem Netzwerk gehören. Das Sonntagsblatt unterhielt sich mit Pfarrer Peter Göttke im Vorfeld des Diözesanforums am 24. Oktober. Göttkes Wirkungsgebiet ist Bestandteil eines Konzentrationskonzepts, das an diesem Tag im Mittepunkt steht. Dieses Konzept besteht aus voraussichtlich 40 Pastoralen Räumen.

Sankt Benedikt – dieser Pastorale Raum ist ja ein gewaltiger Konstrukt. War dieser Zuschnitt Ihre Idee?

Das klingt ein bisschen so, als wenn wir uns das alle am Reißbrett ausgedacht hätten, dem ist nicht so. Wir standen vor der Situation, dass plötzlich die Mitbrüder, die die anderen Gemeinden betreuten, gegangen sind und nicht mehr ersetzt wurden. Wir fragten uns, wie es jetzt wohl weitergeht. Die Idee zu dieser Entwicklung ist eigentlich eine Idee in Zusammenarbeit einmal mit den Menschen vor Ort und den Räten, aber auch in Kooperation mit Abt Michael und den Mitbrüdern der Benediktinerabtei Münsterschwarzach. Als Pater Matthäus Sandrock in Schwarzach am Main 75 wurde und sein Pfarramt für die Pfarreiengemeinschaft Schwarzach aufgab und aus Personalmangel von keinem seiner Mitbrüder im Kloster ersetzt werden konnte, da signalisierte Abt Michael, dass er mit uns gerne nach Lösungen suchen wolle, die uns allen weiterhelfen. Das Ganze ist von daher eine gemeinschaftliche, eine kooperative Entwicklung, gewesen.

Was sind die Besonderheiten bei diesem Konzept?

Ich glaube, dass wir auf ein ganz starkes Netzwerk setzen im Sinne des Communio-Gedankens (als Gemeinschaft handeln) und zwar wie es neulich einer der Dekane auf der Dekanekonferenz gesagt hat: „Die Musik spielt um den Kirchturm.” Das ist so die eine Bezugsgröße vor Ort. Und die andere Bezugsgröße ist dieses Netzwerk, in dem wir uns im Pastoralen Raum von Sankt Benedikt befinden. Von der Vision her war der heilige Benedikt als Patron unserer Gemeinschaft ja nicht nur Namensgeber, sondern auch Inspirator. Benedikt, der Patron Europas, hatte auch ganz viele Völker und Sprachen zusammengeführt. Bei uns galt es viele eigenständige kleine Gemeinden, Kirchorte zu einem großen Netzwerk zu knüpfen, das sich gegenseitig hilft, unterstützt, weiterbringt, miteinander in der Welt unterwegs ist.

Wo liegen denn die Stärken und wo die Schwächen?

Ich glaube, dass die Stärke das Miteinander ist. Das Zusammenkommen, gemeinsam was tun, was eine kleine Gemeinde vor Ort gar nicht leisten kann. Und die Schwächen – oder ich sage lieber Aufgaben, die wir auf jeden Fall noch vor uns haben: Da sind Pfarreien oder Pfarreiengemeinschaften, die einst geschlossene  Einheiten waren, und zuvor auf kirchlicher Ebene nichts miteinander zu tun hatten. Da müssen wir noch das Denken weiten, dass wir sagen können: Wir sind in einem Miteinander unterwegs. Ich glaube, das ist noch eine Aufgabe, die nach jahrhundertelangen andersgearteten Traditionen, einfach noch Zeit braucht und auch Energie benötigt.

Und Sie konnten die Menschen überzeugen, sich in einer so großen Gemeinschaft auf den Weg zu machen?

Wir haben uns auf den Weg gemacht mit einem Startgottesdienst 2017 in der Abteikirche zusammen mit Abt Michael. Ich denke alle 13500 Katholiken einzeln zu überzeugen ist praktisch nicht machbar. Wir haben versucht ganz viel Offenheit und Transparenz an den Tag zu legen und ganz viele Informationen rauszugeben. Aber Informationen kommen nur dann bei den Menschen an, wenn sie bereit sind, diese auch hören zu wollen. Wenn es jemanden nicht interessiert hat, dann ist er da wahrscheinlich auch nicht so up to date (aktuell) wie andere, die da mitarbeiten oder sich ehrenamtlich engagieren oder hauptamtlich dabei sind.

Bei so vielen Gemeinden, wie behält man da noch den Überblick?

Wir haben so einen Blumenstrauß aus Menschen, die sich bei uns hauptamtlich engagieren. Da ist zuerst einmal die Seite der Verwaltung, also die Gesichter vor Ort: unsere fünf Sekretärinnen. Dieses Fünfer-Team wird von der Verwaltungsleiterin Anja Dürrnagel geführt und begleitet und ein Stück organisiert. Und auf der pastoralen Seite, das ganz eng miteinander vernetzt ist, gibt es drei Diakone, wovon einer hauptamtlich, zwei ehrenamtlich sind, ferner zwei Pastoralassistenten, zwei Pastoralreferenten, eine Gemeindereferentin, zwei Mönche von Münsterschwarzach und ich als Pfarrer.

Und Sie als Pfarrer, stehen Sie an der Spitze, oder stehen Sie mit der Geschäftsführerin auf einer Stufe?

Wir begreifen uns als Leitungsteam. Wir vertreten uns auch gegenseitig und unterstützen uns, wenn etwas anliegt. Anja Dürrnagel und ich bilden praktisch das innere Leitungsteam im Pastoral- wie auch im Verwaltungsteam.

Wie haben denn anfangs die Ehrenamtlichen reagiert, als sie hörten, dass Pfarreiengemeinschaften nicht mehr so ganz die große Rolle spielen, sondern mehr das große Ganzen gilt?

Ich glaube die Pfarreiengemeinschaft an sich, das war bei uns nicht so sehr das Thema, sondern die Kirchengemeinden, die Gemeinde vor Ort. Da war ganz viel Herzblut drin und ganz viel Interesse und Engagement bei den Ehrenamtlichen zu spüren, etwas mitgestalten zu wollen. Am Ende fanden sich 26 Leute, die sich  neu auf den Weg machten, um als Gottesdienstbeauftrage liturgisch spirituelles Leben zu unterstützen und lebendig zu halten. Klar, es gab immer wieder Leute, die gesagt haben, wir brauchen aber unseren eigenen Pfarrer, und wir wollen, dass alles so bleibt wie es ist. Aber ich denke, dass manche einfach eingesehen haben, dass der Bischof nicht anders kann als zu sagen: „Ich habe niemanden.” Die Sehnsucht nach einer kleinen, heilen Welt, die ist nicht unbedingt weg. So weit wie möglich versuchen wir dieser Sehnsucht entgegenzukommen, indem wir uns auch einfach als ein Stück Unterstützung für die Menschen vor Ort sehen: Wenn ihr was machen wollt, fragt nach unsrer Hilfe: Was können wir für euch tun, was müssen wir organisieren?

Und von welchen liebgewonnen Gewohnheiten mussten Sie sich verabschieden bei diesem Konzept?

Es ist sicherlich manches nicht weitergeführt worden. Aber das ist schon seit 2008/09 so, dass wir vom hauptamtlichen Team keine Geburtstagsbesuche machen, weil wir das bei so vielen Leuten nicht mehr auf die Reihe kriegen. Für uns sind ganz viele Ehrenamtliche reingegrätscht, die diese Aufgabe mit großer Hingabe leisten. Auch bei anderen Dingen haben wir uns zunächst gefragt: Was ist uns daran wichtig? Und wenn es auf dem traditionellen Weg, den wir kennen, nicht mehr möglich ist, wie kommen wir trotzdem dem möglichst nahe, was uns da wichtig, wertvoll ist. Zum Beispiel war da das Thema mit Fronleichnam und den Prozessionen. Man kann natürlich sagen, bei der Fronleichnamsprozession muss am Anfang eine Messe sein. Dann muss eine Prozession kommen. Und das hat ein Pfarrer zu machen. Dann müssen alle einsehen, dass es so nicht mehr weitergeht. Bei 13 Pfarreien und drei Priestern geht es nicht. Leider kann sich von uns keiner teilen. Dann überlegten wir lange, was ist uns wichtig ist. Uns ist wichtig, dass Christus im Ort erlebbar und sichtbar wird in der Prozession, die vom Hintergrund ja auch ein Stück Glaubensdemonstration ist. Anstatt den Pfarrern haben wir dann in einigen Fällen Diakone eingesetzt, die Wortgottesfeiern hielten und die Prozession leiteten. In anderen Fällen haben wir auch Gottesdienstbeauftragte für diese Augaben gewinnen können. Es ist jetzt nicht alles mehr hundert Prozent wie früher, aber wir versuchen auf diese Weise dem so nah wie möglich zu kommen.

Es gibt Gemeinden, in denen Gottesdienstbeauftragte wenig zum Einsatz kommen, wie ist das hier?

Es kommt ganz drauf an. Die Gottesdienstbeauftragten setzen sich ein Stück selber ein. Da gibt es welche, die haben ihre Arbeitswelt entdeckt und sagen, ich mach zum Beispiel Andachten, jemand anderes macht mit mir Motorradwallfahrt. Wieder jemand anderes sagt, ich mache eher Sonntagsgottesdienste oder fühle mich für Krankenkommunion berufen – übrigens, für diese Sparte sind sehr viele im Einsatz. Es gibt über 50 Gottesdienstbeauftragte bei uns. Wir sind immer offen für alle, die mitarbeiten wollen und wir betrachten diesen Ausbildungskurs natürlich zunächst als etwas, was dem Einzelnen in seinem Glauben und im Leben ein Stück Unterstützung gibt.

Ist Ihr Pastoralkonzept auch auf andere Regionen übertragbar?

Ja und nein. Ja, denke ich, wenn man überlegt, wie wir entstanden sind mit ganz viel Zusammenarbeit unter allen Beteiligten. Nein, wenn man sagt, man könne unser Modell 1:1 jemand anderem überstülpen. Es hat sich bei uns entwickelt mit den Menschen und den jeweiligen Gegebenheiten vor Ort, mit der Abtei als geistliches Zentrum.

Besteht die Rezeptur Ihres Konzeptes also vor allem aus einem vertrautem Miteinander?

Ja, wenn kein Vertrauen da ist, hast du gleich verloren – wenn du den Menschen nicht vertraust, die mit dir gemeinsam was Gutes entwickeln wollen. Wir teilen miteinander die Liebe für Sankt Benedikt, alle, die in den Gremien sitzen, ob haupt- oder ehrenamtlich. Wenn diese Liebe nicht da ist, und wenn wir nicht gemeinsam überlegen, wie wir Dinge entwickeln können, dass Glaube, dass Leben und so weiter gelingen kann, dann sind wir falsch am Platz. Es ist gut, so viele Engagierte vor Ort zu haben: Ihr macht das, Ihr macht das auch garantiert richtig. Und wenn Ihr sagt, das machen wir nächstes Jahr nicht mehr, dann ist das auch gut.

Ist die Leitungsfunktion eine trockene Aufgabe?

Manchmal sind Papiere und so weiter schon etwas trocken, aber hinter diesen Papieren stehen engagierte Menschen. Das macht das Ganze wahnsinnig lebendig. Ich habe diese Jahre der Entwicklung des Pastoralen Raums als sehr lebendige Jahre verstanden und erlebt. Ganz viele Beziehungen sind da gewachsen. Und es wurde unwahrscheinlich vieles geleistet.

Denken Sie nicht manchmal, dass die Leitung ein anderer machen könnte, als unbedingt ein Pfarrer?

Also, „als unbedingt ein Pfarrer”, weiß ich nicht. Dieser Pfarrer hat es sich nicht ausgesucht. Der ist dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Ich war da. Und dann hat es sich so ereignet. Dann musste ich da mit, ob ich wollte oder nicht.

Das liegt aber wohl auch an Ihrer Person, die Vertrauen erweckt, oder?

Wenn man sich selber als Person rausnimmt, dann geht gar nichts. Ich bin schon jemand, der gerne mit Menschen zusammenarbeitet, der gerne etwas entwickelt.

Sie sind auch ein fröhlicher Mensch, oder ...?

Wenn man den Humor nicht mehr hat, dann ist es vorbei. Deswegen sage ich immer, die Materie ist nicht trocken, aber sie hat uns manches zum Knabbern gegeben.

Interview: Matthias Risser

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