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Tabernakel mit Siegeslamm

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    Die Pandemie hatte ihren für 2020/21 geplanten Aufenthalt verhindert

    Studierende wollen nach Jerusalem

    Acht Monate leben und lernen in Jerusalem. Damit wirbt das Stipendienprogramm Theologisches Studienjahr Jerusalem auf seiner Homepage. Und dafür hatte sich die Theologiestudentin Karolin Fischer beworben. Doch nach Jerusalem kam sie nie.

    Wegen der Corona-Pandemie wurde der Studienaufenthalt von September 2020 bis Mai 2021 nach Rom verlegt. Neben Fischer waren 20 weitere Studierende betroffen. Nun organisieren einige von ihnen selbstständig eine Studienreise, um ihr Ziel doch noch zu erreichen.

    Schwierige Auswahl

    Eines kann man Karolin Fischer, Theologiestudentin an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, nicht vorwerfen: dass sie schnell aufgibt. Bereits das Auswahlverfahren des Studienprogrammes hatte es in sich. Es beinhaltete zwei Sprachprüfungen, Alt-Hebräisch und Alt-Griechisch, und ein Prüfungsgespräch über Altes und Neues Testament, Landeskunde/Archäologie, Judaistik, Islamwissenschaft, Ostkirchenkunde, Ökumene sowie Zeitgeschichte des Nahen Ostens. Die 23-Jährige setzte sich gegen andere Bewerber und Bewerberinnen durch.

    Rom statt Jerusalem

    Gemeinsam mit 19 Studierenden aus ganz Deutschland und einer Schweizerin gehört Fischer zum 47. Theologischen Studienjahr. Das Programm findet regulär in Jerusalem statt. Doch zunächst ging es für die Gruppe infolge der pandemischen Lage nach Rom. Der akademische Träger des Studienjahres, die Benediktiner-Universität Sant‘Anselmo in Rom, hatte sie aufgenommen. Übergangsweise, wie es hieß. Der Umzug nach Jerusalem war zuerst für die Weihnachtsferien geplant, dann für den Beginn des neuen Jahres. Im März 2021 entschied die Studienleitung, das Programm vor Ort in Rom weiterzuführen. „Wir haben bis zuletzt gehofft, doch noch nach Jerusalem zu kommen”, erinnert sich Fischer. Vergeblich.

    Dennoch waren die acht Monate keine verlorene Zeit. Gemeinsam mit Studierenden anderer Konfessionen lernen und leben geht auch in Rom. Wenngleich der Katholizismus in Rom prägend ist und Christen keine Minderheit bilden wie in Israel und Palästina. Die Muslimisch-Christlichen Werkwochen konnten ebenfalls stattfinden. Für einen Monat schlossen sich sechs Musliminnen der Gruppe an, lebten und studierten mit ihnen. Und auch an Archäologie hat Rom einiges zu bieten, sodass die zahlreichen Exkursionen, die zum Programm gehören, stattfinden konnten. „Aber wir sind häufig darauf gestoßen worden, dass wir vieles nur theoretisch kennenlernen, wie zum Beispiel den Tempelberg. Wir sind ein bisschen das Stiefkind der großen Studienjahresfamilie“, erzählt Fischer. Der Nahostkonflikt blieb – weitab vom Geschehen – ebenfalls ein abstraktes Thema.

    Summer School

    Ursprünglich war für September 2021 eine Summer School geplant – organisiert vom Stipendiengeber, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) – als Ersatz für den ausgefallenen Aufenthalt. Doch auch diese musste aufgrund der Einreise- und Tourismusbeschränkungen in Israel aufgegeben werden.

    Deshalb wird Fischer mit einem Teil der Gruppe nun selbst aktiv. Sie wollen eine vierwöchige Studienreise im Februar/März 2023 organisieren und so die wichtigsten archäologischen und politischen Exkursionen nachholen. Auch die Auseinandersetzung mit den Konflikten zwischen Israel und Palästina gehört zu den geplanten Inhalten. Die Schirmherrschaft der Studienreise übernimmt die Dekanin des Programms, Professorin Dr. Johanna Erzberger.

    Eigeninitiative

    Doch im Vergleich zur Summer School ist die Studienreise eigenständig durch die Studierenden geplant und organisiert. Dabei stehen die jungen Menschen vor einigen Herausforderungen. Die Planung ist aufwendig und aus der Ferne oft schwierig. Homepages sind häufig nicht ins Englische übersetzt und weitere sicherheitspolitische wie pandemische Unsicherheiten erschweren die Organisation. Dennoch nimmt das Programm langsam Form an. Zwei Wochen wird die Gruppe in Jerusalem sein und von dort den Süden Israels und Palästina erkunden. Anschließend geht es für zwei Wochen nach Galiläa in den Norden Israels. Zwei Tage wollen die Studierenden in der Wüste wandern. Die normalerweise etwa anderthalbwöchige Wüstenwanderung verbindet die Teilnehmenden des Studienprogrammes über Generationen hinweg.

    „Eigentlich hakt es nur an der Finanzierung”, erläutert Fischer. Denn auch die müssen die Studierenden komplett selbstständig stemmen. Sie kalkulieren mit etwa 2500 bis 3000 Euro pro Person. Dabei versuchen sie, möglichst sparsam zu sein. Zum Wohnen haben sie Pilgerunterkünfte mit Mehrbettzimmern ausgewählt, sie verpflegen sich möglichst einfach, und sie reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. „Außerdem machen wir uns selbst zu Experten und halten die Führungen für die Gruppe“, erklärt Fischer. So wollen sie die Kosten für Referenten und Referentinnen gering halten.

    Sponsoren gesucht Zur finanziellen Unterstützung werden unter anderem die katholischen Bistümer und evangelischen Landeskirchen angefragt. Doch obwohl sich einige der Studierenden für die Bistümer und Landeskirchen ausbilden lassen, ist die Resonanz bisher gering. Von ihrem Ziel wollen sich die Studierenden jedoch nicht abbringen lassen. „Es war eine großartige Zeit in Rom. Aber ein Wermutstropfen bleibt: Der Traum vom Mythos Jerusalem ist für uns bis heute nicht wahr geworden”, sagt Fischer. Das will sie mit ihren ehemaligen Kommilitonen und Kommilitoninnen ändern. Es hakt nur noch an der Finanzierung.     

    Alexandra Thätner

    Theologisches Studienjahr Jerusalem: Bewerben können sich Theologiestudierende aller Konfessionen im deutschsprachigen Raum. Schwerpunkte des neunmonatigen Intensivstudiums sind Bibelwissenschaft, Ökumene, Judaistik, Islamwissenschaft, Ostkirchenkunde und christliche Archäologie. Die Studierenden leben und lernen in einer Unterkunft der benediktinischen Dormitio-Abtei nahe der Jerusalemer Altstadt. Weitere Informationen unter: www.studienjahr.de. Wer die Studierenden unterstützen möchte, wendet sich an Karolin Fischer: karolin.fischer@stud-mail.uni-wuerzburg.de oder überweist direkt auf das Konto des Vereins der Ehemaligen „Forum Studienjahr e.V.“. IBAN: DE65 4006 0265 0016 9359 00.