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      Im Freilandmuseum Bad Windsheim wird die Synagoge aus Allersheim wiederaufgebaut

      Stein für Stein

      Steine sind nicht immer bloß Steine. Mitunter haben sie eine interessante Geschichte. Ist die besonders spannend oder wichtig, landen Sandstein, Basalt, Kalkstein und Co. unter Umständen in einem Freilandmuseum, wo ihre Geschichte erzählt wird. Im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim gehen derzeit Steine aus der Diözese Würzburg durch die Hände der Bauleute. Sie gehören zur einstigen Synagoge aus Allersheim (Dekanat Ochsenfurt), die im Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ Stein für Stein wiederaufgebaut wird – als erste Synagoge in einem süddeutschen Freilandmuseum.

      Gebäude in Freilandmuseen machen Wissen – im wahrsten Sinne des Wortes – anschaulich. Im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim in Mittelfranken erkunden Besucher historische Gehöfte, eine Mühle, die Ziegelei oder Schule und viele andere Gebäude mehr. Mit der ehemaligen Synagoge aus Allersheim wird das Museum aktuell um ein Gebäude erweitert, das vor Augen führt, dass Jüdinnen und Juden Franken mitgeprägt haben.

      Als wissenschaftlicher Volontär am mittelfränkischen Freilandmuseum hat sich der Judaist Jonas Blum näher mit der Allersheimer Synagoge auseinanergesetzt. Das wohl im 18. Jahrhundert errichtete Fachwerkhaus erfüllte als Gemeindezentrum mehrere Zwecke: Dort wohnte der Rabbiner, die örtlichen Juden trafen sich zum Gebet im Betsaal und besuchten die Mikwe, das jüdische Tauchbad zur rituellen Reinigung.

      Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte rund ein Drittel der Allersheimer der jüdischen Gemeinde an, betete also in der Synagoge. Durch die Industrialisierung und die damit einhergehende Landflucht wanderten jedoch bis 1880 viele Juden ab – unter anderem in das gut 20 Kilometer entfernte Würzburg. Daher fanden in der Synagoge schließlich keine regelmäßigen Gottesdienste mehr statt. 1911 wurde sie an einen Allersheimer Bauern verkauft. Zuletzt sei das Gebäude dem Verfall preisgegeben gewesen, so Blum. Das Museum habe es übernommen, um die Synagoge als „Zeugnis jüdischen Lebens“ zu erhalten.

      Vom Keller bis zum Gewölbe

      Christliche Kirchen sind in Freilandmuseen hierzulande recht häufig anzutreffen. Zum mittelfränkischen Museum etwa zählt die evangelische Spitalkirche zum Heiligen Geist in der Bad Windsheimer Altstadt. Im Fränkischen Freilandmuseum in Fladungen in Unterfranken können Besucher die alte katholische Kirche aus Leutershausen (Dekanat Bad Neustadt) besichtigen. Die Allersheimer Synagoge ist hingegen, laut Museumsangaben, die erste Synagoge in einem süddeutschen Freilandmuseum. Sie ergänzt den Bestand und zeigt die Bedeutung jüdischen Lebens für die Geschichte und Kultur Frankens.

      Bereits 2014/2015 war die baufällige Synagoge in Allersheim abgebaut worden. Im April vergangenen Jahres begann dann die Wiedererrichtung im Museum – Stein für Stein. Nach dem Keller mit der Mikwe wurde vor Kurzem das Erdgeschoss wiederaufgebaut. Jedoch sind nicht mehr alle Teile der Synagoge original. So sind die Fachwerkbauteile der östlichen und südlichen Außenwände rekonstruiert. Ein zentrales Element fehlt völlig: Der Betsaal der Allersheimer Synagoge existiere heute leider nicht mehr, berichtet Museumsleiter Dr. Herbert May. Dafür seien die Bretter der ehemaligen Holztonnendecke – wenn auch zersägt – noch vorhanden. Ein Glücksfall. Denn sie erlaubten Rückschlüsse auf die Farbigkeit des Gewölbes. 2022 können Besucher es selbst in Augenschein nehmen. Dann soll der Aufbau beendet sein und die Synagoge im Freilandmuseum eröffnet werden.

      Nachfahren der Allersheimer Juden

      Und was ist mit denen, die einstmals in der Synagoge beteten? Blum hat Informationen zur Geschichte der Allersheimer Juden gesammelt. Der Judaist ist ihren Biographien systematisch nachgegangen. „Nachfahren Allersheimer Juden leben heute auf der ganzen Welt. Persönlich habe ich Kontakt zu Nachkommen in den USA, Belgien, Israel, den Niederlanden und Deutschland. Ich weiß jedoch auch von Nachfahren, die in Jordanien leben.“

      Laut Blum ist Dr. Emanuel Moses Friedlein einer der bedeutendsten Juden aus Allersheim. Er erblicke dort 1807 das Licht der Welt, lernte früh Hebräisch und Latein und studierte dann in Fürth, damals Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit. 1850 wanderte Friedlein, der ein gefragter Hauslehrer war, nach New York aus. In den USA setze er sich unter anderem für die Rechte der Frauen ein. 1855 wurde er Ehrenmitglied der United Order True Sisters, eine der ersten unabhängigen Frauenorganisationen der USA, und engagierte sich bis zu seinem Tod 1897 zum Beispiel für die Bildung von Frauen.

      Zeugnis des Land Judentums

      Seit rund 900 Jahren leben Jüdinnen und Juden in Franken. Ihre Religion hat die Region mitgeprägt. Der Einzug der Allersheimer Synagoge in das Freilandmuseum Bad Winds-heim schließt eine Lücke. „Hier wird für die Besucher ein wichtiges Zeugnis des fränkischen Landjudentums erhalten“, lobt der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, das Museumsprojekt. „Ganz konkret können sich die Menschen einen Eindruck verschaffen, wie Synagogen aussahen, die früher selbstverständlicher Bestandteil zahlreicher fränkischer Orte waren.“ Im Hinblick auf in der NS-Zeit zerstörte Syngogen fügt Schuster an: „Sie werden damit zugleich erfahren, was durch die Shoah verloren gegangen ist.“

      Stefan W. Römmelt/hela (Sonntagsblatt)

      Mehr zur Allersheimer Synagoge im Freilandmuseum Bad Windsheim im Internet unter: freilandmuseum.de/forschung/aktuelle-forschungsprojekte/synagoge-aus-allersheim.

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