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Religionslehrerinnen schreiben ihren Grundschülern Mutmachbriefe

So geht Mutmachen

Wie soll man den Kontakt halten in den langen Wochen des Heimunterrichts (engl. homeschooling), in denen auch die jüngsten Schülerinnen und Schüler daheim allein vor ihren Aufgaben sitzen? In der Matthias-Ehrenfried-Grundschule in Rimpar hatte die Schulleitung eine besondere Idee: Mutmachbriefe für die Kinder zu formulieren.

Kurzerhand wurden sie zu einem Autorentrio: Yvonne Faatz, Gemeindereferentin und Ehe- und Familienseelsorgerin, die evangelische Pfarrerin Eva Mundinar und Gemeindeassistentin Schwester Maria Schmitt SF. Alle drei arbeiten zu normalen Zeiten jeweils drei Stunden wöchentlich als Religionslehrerinnen an der Rimparer Grundschule. Zum verlängerten zweiten Lockdown hieß es dann zu Jahresbeginn, kreativ zu werden. Denn Rektorin Sabine Schneegold stellte im Team die Frage: Was passiert mit dem Religionsunterricht im Lockdown?

Eva Mundinar erinnert sich: „Wir waren uns einig, dass es nicht gut ist, wenn die Kinder überhaupt keinen Impuls bekommen und zu ihren Religionslehrern keinen Kontakt haben. Dann kam von ihr die Idee für die Mutmachbriefe.“ Die Theologinnen taten sich zusammen, denn auch ihnen gefiel die Idee, über herkömmliche Arbeitsblätter hinaus Impulse zu setzen in dieser gerade auch für Familien so schwierigen Zeit. „Uns allen war dabei ganz wichtig – und da griffen wir auch Frau Schneegolds Anliegen auf – dass es ökumenisch sein sollte und wir das für alle Kinder unserer Schule machen“, schildert die evangelische Pfarrerin weiter.

Es sollte etwas sein, womit alle etwas anfangen können. Zudem wollte das Team nicht noch für zusätzlichen Stress im Homeschooling sorgen. „Es sollte etwas Ermutigendes sein“, sagt Eva Mundinar, signalisieren, „dass das Leben auch weitergeht.“

Was eigenes ist am besten

Per Videokonferenz wurden in der Gruppe zunächst Ideen zu möglichen Geschichten ausgetauscht: Was sollte vermittelt werden? Schnell waren sich die Lehrerinnen einig, dass fertige Geschichten nicht infrage kommen – aufgrund des Urheberrechts und den damit verbundenen Hürden. Außerdem hatten sie rasch inhaltlich konkrete Vorstellungen. Und so beschlossen sie, eigene Geschichten zu schreiben. Themen und Inhalte wurden protokolliert, und die drei überlegten sich, welchen Schwerpunkt sie inhaltlich setzen wollten.

Vorgesehen sind zunächst sechs Geschichten gewesen; drei davon wurden schon an die insgesamt rund 450 Schülerinnen und Schüler der Grundschule herausgegeben. „Uns ist klar, dass das Projekt sein natürliches Ende finden wird, wenn die Kinder wieder in den normalen Schulalltag eingebunden sein werden“, resümiert Eva Mundinar. „Sollte es länger laufen, werden wir uns noch einmal hinsetzen und weitere Ideen sammeln.“ Schwer fallen würde es ihnen nicht, weiterzumachen. Ihre Geschichten sind locker aneinander gebunden und die Protagonisten gehen gemeinsam in eine Klasse.

Yvonne Faatz schmunzelt: „Das ist nah an der Schülerwelt. Das heißt, wir könnten rein theoretisch auch noch eine Weile weiterschreiben.“ Habe sie sich zu Beginn zunächst gefragt, wie sie das Projekt umsetzen solle, ist Yvonne Faatz inzwischen begeistert vom Ergebnis der gemeinsamen Autorenarbeit. Sie kann sich sogar vorstellen, die Geschichten auch im Gepäck zu haben, falls sie als Lehrerin in der Notbetreuung eingesetzt werden sollte. „Dann würde ich mit den Kindern über diese Geschichten nochmal sprechen oder etwas dazu malen lassen, und hören, wie es bei ihnen angekommen ist. Das nehme ich auch als pädagogischen Input für mich mit.“

Persönlicher Mehrwert

War es zu Anfang durchaus anstrengend, kreativ sein zu müssen und gleichzeitig genau den Ton und die Stimmung der Kinder in den Geschichten zu treffen, zieht nun auch Pfarrerin Eva Mundinar einen Mehrwert für sich ganz persönlich aus dem Schreiben der Mutmachbriefe mitsamt den Geschichten: „Ich dachte mir bei der ersten Geschichte, es ist so anstrengend, jetzt lustig zu sein, aber hinterher war‘s dann ganz leicht. Das Erzählende ist gar nicht so weit weg, wenn ich eine Predigt schreibe. Ich merke, das es mir gut tut und mir hilft, innerlich in Kontakt mit den Schülern zu bleiben.“ Die drei warfen ihre Ideen in einen Topf. Das habe allen geholfen, sagt Yvonne Faatz. In den Geschichten für die Grundschüler sieht sie eine große Chance, mehr als nur „die haben Stress mit Homeschooling“ abzubilden.

Heraus kamen nun sechs Geschichten, unter anderem vom Suchen und Finden, vom Alleinsein, und von der Frage, was Hoffnung eigentlich ist. Für die Theologinnen war diese Arbeit fern von dem, was sie sonst tun. Yvonne Faatz bringt es für sich auf den Punkt: „Sonst versucht man ja immer, wie beispielsweise in der Kommunionvorbereitung auf die Katechese hin oder in der Predigt auf‘s Evangelium hinzuarbeiten. Hier aber steht die Lebenswelt der Kinder im Vordergrund, und die Botschaft ist: Wir machen Mut. Und wir wollen das von unserem weltanschaulichen Hintergrund her fundieren und eine Botschaft transportieren.“

Auch für Eva Mundinar steckt ein seelsorgliches „Mehr“ in diesem Projekt; denn beim Lesen komme man aktiv in eine bestimmte Stimmung. Mit den Geschichten möchten alle drei zeigen, dass es in dieser Zeit neben all dem Besorgniserregenden, Tragischen und Traurigen auch viel Komisches gibt. Eva Mundinar sieht darin ein tiefe seelsorgliche Dimension. „Ich finde, wir sind über den Punkt hinaus, wo wir immer nur sagen können, es wird alles wieder gut. Das hilft nicht mehr, denn das haben wir so oft gehört. Aber durch diese Geschichten wird man aktiv in eine Situation versetzt.“ Sie war die erste Autorin im Team. Zu Beginn hat sie sich die Frage gestellt, was ihr momentan hilft: „Mir hilft es, zu lachen! Ich lache gerade so wenig. Ich darf eine Emotion haben, die darf fröhlich sein oder traurig, es dreht sich nicht immer alles nur um die Angst vor Corona und dem damit verbundenen Stress durch die Einschränkungen.“

Hoffnung und Freude vermitteln

Wirkung zeigten die Geschichten schon nach Kurzem. Und so erhielten die drei Seelsorgerinnen unter anderem einen zweiseitigen und von Hand geschriebenen Brief – von der sechsjährigen Miriam und ihrer Mutter, die sich für die „inspirierenden Geschichten“ bedanken und aus ihrem Alltag in einer siebenköpfigen Familie erzählen. Außerdem hatte die Grundschülerin zwei selbst gemalte Bilder mitgeschickt. Rückmeldungen wie diese geben dem Projekt „Mutmachbriefe“ viel Rückenwind, wie Yvonne Faatz schildert: „Ein ganz süßer Brief ist das! Die Mutter hat sich bei fünf Kindern hingesetzt und mit ihrer Tochter die netten Zeilen verfasst. Und wie großartig, wenn sie schreiben, dass es ihnen eigentlich gut geht und sie es schön bei sich daheim haben! Wir zollen allen Familien höchsten Respekt.“

Mit ihren Geschichten möchten die Theologinnen Chancen aufzeigen, wie in der Geschichte „Finderlohn“ so die Hoffnung von Faatz und Mundinar: „Da werden Bilder und Erinnerungen wach, Freude kommt auf. Ein Gefühl, das Hoffnung geben kann. Lustiges kann entstehen. Seid darum offen, wachsam, schaut, was daraus entsteht!“ Keine der drei Theologinnen hat von einem ähnlich angelegten Projekt in der Diözese gehört. Dass sie im Team die Freiheit von Seiten der Schulleitung hätten, wissen die Autorinnen zu schätzen, betont Yvonne Faatz. Auch von Emil hat das Team ein Bild bekommen: Er hat gemalt, wie er dem Corona-Virus einen ordentlichen Tritt verpasst – und wenn Corona erstmal weg ist, fliegt er nach New York, so sein Traum. So geht Mutmachen.     

Judith Bornemann

Via Download können Interessierte unten einen Blick in einige der Mutmachbriefe werfen.

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