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60 Jahre alpiner Wintersport auf dem heiligen Berg der Franken

Skivergnügen am Kreuzberg

Auf die Heiß- folgt eine Eiszeit!? Thomas Fuß, Betreiber der Lifte auf dem Kreuzberg, ist überzeugt, dass trotz der nicht zu leugnenden Erderwärmung in den Rhöner Wintern im nächsten Jahrzehnt immer noch einige Wochen Skivergnügen möglich sein werden. In der aktuellen Saison gilt es ein Jubiläum zu begehen: 60 Jahre alpiner Wintersport mitten in Deutschland!

Thomas Fuß hat alle Sicherheitschecks gemacht: Motoren gewartet, Schleppbügel in die Stahlseile eingehängt, Schneefangzäune aufgestellt. Die Lifte könnten seit Mitte Dezember laufen. Doch der Mann mit dem berufsmäßigen Gespür für Niederschläge und Temperatur rechnet mit einem verzögerten Start. „Schnee werden wir wohl vor allem im Februar bekommen”, prognostiziert auch Angelika Somaruga, Geschäftsführerin der Wirtschaftsunternehmen des Franziskanerklosters.

Blick auf die Anfänge

Die Geburtsstunde des Skitourismus schlug am 4. Dezember 1958 mit der Eröffnung des Blicklifts. Dieses tatsächlich geschichtsträchtige Ereignis nun 2018 taggenau zu feiern, hätte nicht gepasst: In der Woche zuvor war Otto Willert 93-jährig in seinem Wohnort Neuendorf bei Gemünden gestorben. Er hatte einst die Idee, das technische Verständnis und den unternehmerischen Mut, um eine Sportmöglichkeit im heimischen Mittelgebirge zu schaffen. Auf dem mit 927,8 Metern höchsten Berg der bayerischen Rhön verwirklichte er das größte Skigebiet der Region. 1963 stellte er den Rothang- und im Jahr darauf den Dreitannenlift fertig.


Im Hauptberuf war er Schreibfedernfabrikant. Seine Familie organisierte bis Mitte der Achtzigerjahre selbst die Kreuzberg-„Skiarena“. 1986 pachtete sie der bis dahin saisonal angestellte Thomas Fuß.  „Ich hatte Maurer gelernt, war dann als Waldarbeiter tätig“, erläutert er. Da sei ihm der Zuverdienst im Winter gelegen gekommen. Heute freut er sich, außerdem seine Mutterkuhhaltung mit 60 bis70 Tieren und der hierfür erforderlichen Bewirtschaftung von rund 70 Hektar Grünland so weit „automatisiert“ zu haben, dass ihm genug Zeit bleibt, die Lifte und Pisten selbst in Schuss zu halten. An den Betriebstagen helfen ihm Söhne und Enkel sowie ein Stamm von bis zu 20 Leuten aus der Umgebung – „alle ordnungsgemäß angemeldet“, wie er betont.


Ein gutes Verhältnis zu den Mitarbeitern wie zu den Gästen ist dem Anlagenchef wichtig. „Der Kontakt zu den Skifahrern“, so moniert er, „ist allerdings in der Regel nicht mehr so eng und herzlich wie ehedem.“ Sie würden kaum mehr das Gespräch suchen, um an Insidertipps zu gelangen. Neben den Rhönern frequentieren den Kreuzberg nach seiner Einschätzung in erster Linie Menschen aus dem Schweinfurter und dem Frankfurter Raum.


Gemündener Hütte


Dementsprechend setzt sich das Publikum in der Gemündener Hütte laut Hüttenwirt Marc Trum zusammen. Das Lokal mit mittlerweile mehreren Gasträumen befindet sich mitten auf der Piste. Trum und seine Frau Verena Göpfert haben 2013 gewagt zu investieren, was sich nach ihren Worten „absolut gelohnt“ hat.


Letztes Jahr haben ihnen die Erben der weiter unten stehenden Haflinger-Alm angetragen, das Anwesen aus den Sechzigerjahren zu erwerben. Das Paar hat zugegriffen. Nach über anderthalb Jahrzehnten, in denen das urige Wirtshaus verschlossen war, möchten die beiden es ab dem Frühjahr sanieren und Erholungssuchenden wieder zugänglich machen.
Skifahrern verspricht Marc Trum, die Gemündener Hütte flexibel zu öffnen, wenn die Lifte laufen. „Das ist bei einer Schneehöhe ab etwa 20 Zentimetern der Fall“, erklärt Skiliftbetreiber Thomas Fuß. Langläufer können schon bei weniger Schnee auf die Loipen. Diese kehren oft im nur 1,6 Kilometer entfernten, aber für einen Marsch mit normalen Skiern zu weit abseits liegenden Neustadter Haus ein – und zuweilen offensichtlich ausdauernd, wie ein Schild über dem Kachelofen vermuten lässt: „Fackeln zu verkaufen.“


Klosterschänke


Stets um 20 Uhr ist in der Klostergaststätte Schluss. Ausgeschenkt wird das im eigenen Sudhaus gebraute Bier täglich ab 10 Uhr. Die Mannschaft sei ob des vergangenen langen Sommers extrem gefordert gewesen, berichtet Angelika Somaruga. Ferner hätten Gastronomie und Übernachtungsbetrieb auf Bitten des Bischofs-heimer Bürgermeisters entgegen der Tradition diesmal (und künftig) Anfang November in den Herbstferien noch nicht pausiert, um dann gerüstet zu sein für den nächsten Ansturm im Advent. Die Geschäftsführerin bringt es auf den Punkt: „Ich krieg’ leichter Gäste als Personal.“ Und um Letzteres nicht überzustrapazieren, wird die verpasste Ruhephase vom 7. bis 17. Januar nachgeholt – selbst dann, wenn blauer Himmel Menschenmassen auf den heiligen Berg der Franken locken sollte.


Die präzisen und via Internet jederzeit zugänglichen Vorhersagen spielen laut Liftbetreiber Fuß eine wesentliche Rolle, ob die Skihänge belebt sind oder nicht: „Manchmal herrscht trotz Sonnenschein gähnende Leere, weil ursprünglich eine Schlechtwetterfront gemeldet war. Umgekehrt brechen vor allem junge Leute häufig ab, wenn Wolken aufziehen; egal, ob sie eine Tageskarte gekauft haben.“ Die kostet weiterhin 17 Euro für Erwachsene und 13 Euro für Kinder. Thomas Fuß weiß, dass er damit keinen Vergleich scheuen braucht. Er hofft aber, dass seine Fürsorge ebenfalls gewürdigt wird. Sofort nachdem am 2. Dezember die ersten Flocken dieses Winter gefallen waren, rechte er alle Maulwurfshügel per Hand eben.


Bergwacht vor Ort


Sehr zufrieden zeigt sich Oliver Scheuplein damit, wie sich das Unfallgeschehen auf den Hängen entwickelt hat. Als Bereitschaftsleiter der Bergwacht Bischofsheim betreut er sowie 19 weitere Aktive und vier Anwärter wochen-
ends die Wintersportler in Notlagen.


Während der Woche ist eine von der Stiftung „Sicherheit im Skisport“ finanzierte Skiwacht im Einsatz. Scheuplein stellt fest: „Dank verbesserter Ausrüstung und aufgrund dessen, dass mehr und mehr Sportler einen Helm tragen, hat die Schwere der Verletzungen deutlich abgenommen. Die früher typischen Unterschenkelbrüche passieren nur noch selten.“


Die Bergwacht der Region Rhön existiert seit 1969. Zum 50-jährigen Bestehen präsentiert sie sich bestens gewappnet für die Zukunft. „Unter anderem haben wir seit Mai 2018 bei Umbau und Modernisierung unserer 1970/71 errichteten Station neben dem Blicklift über 2000 Stunden Eigenleistung erbracht“, bilanziert Oliver Scheuplein stolz. Wintersportler treffen auf dem Kreuzberg auf nach vorne schauende Akteure. Thomas Fuß, mit 60 Jahren genauso alt wie der erste der von ihm betriebenen Lifte, winkt beim Stichwort „Ruhestand“ ab: „Daheim wär’s mir langweilig.“ Und er lehnt eine künstliche Beschneiung ab. Denn er glaubt ja an die Eis- nach der Heißzeit.


Bernhard Schneider

Otto Willert, der Pionier

Weil seine Freunde es nicht für möglich hielten, hatte Otto Willert erst recht der Ehrgeiz gepackt: Er erschloss den Kreuzberg für den Wintersport – mit einem Skilift, wie es ihn nördlich der Alpen noch nicht gab.


Die Familie Willert hatte nach dem Zweiten Weltkrieg das Sudetenland verlassen müssen. In Franken fand sie eine neue Heimat. Vater Viktor und Sohn Otto bauten ihre Schreibfedernfabrik in Neuendorf bei Gemünden neu auf. Bis zu 200000 dieser speziellen Metallteilchen wurden pro Tag gefertigt.


Als Otto mit seinen Skikameraden, dem Lohrer Brauereibesitzer Alfred Stumpf und dem Farbengroßhändler Herbert Seitz, einen Urlaub in Lech verbrachte, hatte er von der Terrasse des Hotels den bestens ausgelasteten Schlegelkopfschlepplift vor Augen. In Gedanken fing er zu zählen an: „Ein Bügel, zwei Bügel, drei Bügel, ... Eine Mark, zwei Mark, drei Mark, ... Das läuft ja mit einer Taktrate fast so schnell wie beim Stanzen von Schreibfedern.“


„Wer baut solche Skilifte?“, soll Otto Willert sofort den Hotelier gefragt haben. Der verwies ihn an einen gewissen Arthur Doppelmayr, den Sohn eines Schmieds in Bregenz. Der hatte Lifte mit Metall- statt mit Holzstützen konzipiert. Auf der Heimreise suchte Willert diesen Techniker auf. Gemeinsam planten sie den ersten Skilift auf dem Kreuzberg, wo Willert die Grundstücke am „Bischofsheimer Blick“ erwarb.


1958 ging der Blicklift in Betrieb. Auf 600 Meter Länge überwindet er 110 Höhenmeter. Nach dem Rothanglift (580/100 Meter) sollte im Jahre 1964 als längster der Dreitannenlift (1400/318 Meter) die Anlage komplettieren.    

bs

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