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Mädchenkantorei und Domsingknaben nehmen neue Sängerinnen und Sänger auf

Singen schult nicht nur die Stimme

Singen macht Freude – besonders Kindern. Ob im Kindergarten, unterm Christbaum oder unter der Dusche: Die meisten Kinder singen gern. Am schönsten ist das Singen aber natürlich in der Gruppe, im Chor: nicht nur vervielfacht sich hier die Lautstärke, sondern durch das mehrstimmige Singen und die großartigen Stücke, die man kennenlernt, auch die Freude. Wer Lust darauf hat, ist in den Kinder- und Jugendchören der Würzburger Dommusik, wo am 7. Oktober wieder neue Sängerinnen und Sänger aufgenommen werden, gut aufgehoben.

Am meisten Spaß machten ihr dabei „das Miteinander-Singen und die Konzertreisen“, erzählt Franzi, 17, seit zehn Jahren in der Mädchenkantorei aktiv. Inzwischen gehört sie dem Konzertchor an, und kann sich ein Leben ohne das Singen kaum noch vorstellen. Klar, gesteht sie, es habe schon auch mal Durststrecken gegeben, „vor allem im Aufbauchor, weil wir da noch keine Oratorienkonzerte gesungen haben und nicht verreist sind. Aber seit ich im Konzertchor bin, ist die Motivation durch große Konzerte und tolle Reisen stark gestiegen.“

Doch das sei nicht alles, was die jungen Sängerinnen und Sänger bei der Dommusik geboten bekämen, erklärt Alexander Rüth, der als Domkantor die etwa 180 Sängerinnen der Mädchenkantorei leitet. Wichtig sei schon auch das Chorleben: „Die tolle Chorgemeinschaft, in der auch starke Freundschaften geschlossen werden.“ Und neben den Auftritten und Konzertreisen sorgten noch Freizeitfahrten und Chortreffen stets für Begeisterung.

Domkapellmeister Christian Schmid, der die gut 140 Domsingknaben dirigiert, nennt einen weiteren Aspekt der Chorarbeit, der gerade für Eltern durchaus ein Argument sein kann, das eigene Kind in einem der Chöre anzumelden: „Die sensible Wahrnehmung eines jeden Sängers für den Anderen und die Verantwortung füreinander sind Voraussetzungen für die musikalische Qualität. Damit vermitteln wir aber auch Sozialkompetenzen, ohne die kein Miteinander möglich wäre.“ Mit dem Ziel, stets einen schönen Chorklang zu erzielen, werde deshalb in den Domchören eine Kultur des Hörens, der Toleranz und Aufmerksamkeit vermittelt und gelebt. „Das macht uns natürlich stolz und bringt uns auch selbst unheimlich viel Freude“, betont er.

Mit der Schule vereinbar

Den ersten Einstieg in eine spätere Chorkarriere ermöglicht die Dommusik übrigens schon für Kinder ab fünf Monaten: Eltern-Kind-Singen und musikalische Früherziehung vermitteln erste Eindrücke, einen ganzheitlichen und körperlichen Zugang zu Musik. Grundschulkinder treten direkt in die Vorchöre ein, die alle am Montag proben. Es folgen der Nachwuchschor und der Aufbauchor, wo bereits zweimal die Woche geprobt wird, die Kinder aber auch schon im Gottesdienst auftreten dürfen. Im Konzertchor singen dann die etwas Älteren – auf höchstem Niveau und mit vollem Einsatz. Großartige Voraussetzungen für die Aufnahme in die Vorchöre gebe es dabei nicht, betont Rüth: „Die einzige ist die Freude und Lust am Singen, und die Neugierde und die Bereitschaft, es zu lernen und zu trainieren. Wir gehen davon aus, dass jedes Kind Singen lernen kann“, – und er sendet den dringenden Appell an alle Eltern: „Kinder, die von sich aus gerne singen oder auf Musik intuitiv singend reagieren, sollten unbedingt in unseren Vorchören spielerisch ausprobieren, ob sich diese Freude nicht weiter fördern lässt!“

Eine große Befürchtung vieler Eltern ist aber natürlich die Frage, ob das Singen mit der Schule vereinbar sei. Da kann Sängerin Franzi beruhigen: „Das geht gut, auch wenn es mit Nachmittagsunterricht, Stimmbildung und Proben manchmal lange Tage gibt.“ Ihr Chorleiter erzählt sogar, dass jedes Jahr nicht wenige der Abiturientinnen trotz Prüfungsvorbereitungen stets ganz regel­mäßig zu den Proben kämen, weil gerade der Ausgleich so wohltuend für sie sei. „Das spricht doch für sich!“

Singen macht glücklich

Durch die Rückkehr zum G9, fügt Domkapellmeister Schmid hinzu, sei es auch wieder einfacher, ein zeitintensives Hobby wie das Singen in einem Chor auszuüben. Eine Überforderung müsse niemand befürchten, im Gegenteil: „Die Kinder und Jugendlichen erhalten Impulse, die zum einen für die individuelle musikalische Entwicklung förderlich sind, zum anderen aber auf die allgemeine intellektuelle und emotionale Entwicklung einen günstigen Einfluss haben.“ Beim Chorsingen seien Kreativität, Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit, aber auch Eigenverantwortlichkeit und Urteilsfähigkeit gefragt, erläutert er – Eigenschaften, von denen die Kinder ihr ganzes Leben lang profitieren könnten. Im Endeffekt gebe es also kaum eine schönere und sinnvollere Beschäftigung für Kinder, so Rüth: „Stimmbildung ist immer auch Menschenbildung: Singen stärkt Körper, Geist und Seele. Chorsingen ist auch Kopfsache, stärkt das Konzentrationsvermögen und die Möglichkeit, sich auf das Umfeld schnell einzustellen und mit anderen zu interagieren. Und: Chorsingen macht erwiesenermaßen glücklich, gerade im Verbund mit Freundinnen und Freunden!“ Das bestätigt auch die 17 jährige Franzi: „Was wir auf jeden Fall beim Singen gelernt haben, ist, auf den Punkt konzentriert zu sein.“ Das helfe schon auch mal bei Prüfungen in der Schule. Und wie ist das für die Eltern, wenn die Kinder in den Domchören singen? „Solange sie noch klein sind, müssen die Kinder zu den Proben und Gottesdiensten gebracht werden“, gibt Christiane H. zu bedenken, die zurzeit zwei singende Kinder hat. Sobald sie das dann alleine bewältigen könnten, halte sich der Aufwand in Grenzen. „Zu beachten ist auch, dass sie ja eine kostenlose Gesangsausbildung auf sehr hohem Niveau erhalten. Dafür ist es im Gegenzug Verpflichtung, in den Gottesdiensten zu singen.“ Das gelte vor allem für die großen Konventämter an Weihnachten, Ostern, Pfingsten. „Das muss in der Urlaubsplanung berücksichtigt werden.“ Aber, meint sie entschieden, „die Freude unserer Kinder am Singen und die gute Gemeinschaft in ihren jeweiligen Chorgruppen, die tollen Konzerte, die wir genießen dürfen – die gleichen diese kleinen Nachteile aus“. Die Gesangsausbildung an sich ist dabei kostenlos; einzig die Konzertkleidung müssen die Eltern finanzieren, und gelegentlich einen Beitrag für Konzertreisen oder Chorfreizeiten leisten. Gut angelegtes Geld: auf ihren Reisen, die in den letzten Jahren beispielsweise nach Frankreich, England, Russland, Kanada und in die USA führten, sammeln die Kinder und Jugendlichen wunderbare Eindrücke. „Ich glaube, davon werde ich auch noch meinen Enkeln erzählen“, sagt Franzi dazu lachend.

Lernen fürs Leben

Aber solche Events sind nicht das einzige, was Domkapellmeister Schmid und Domkantor Rüth ihren Sängerinnen und Sängern mitgeben möchten. Vielmehr betont letzterer: „Bei aller Schnelllebigkeit und oftmals auch Oberflächlichkeit unserer Zeit möchte ich den jungen Menschen die Erfahrung schenken, dass es sich immer lohnt, in der Musik unter die Oberfläche zu schauen, neugierig zu sein und Lust am Forschen zu haben.“ An Dingen dranzubleiben, nicht gleich aufzugeben, sei etwas, was man in einem Chor unbedingt lernen könne. Und dass viele der Chormitglieder schon als Kinder angefangen haben und nach ihrer Zeit in den Jugendchören auch im Domchor weiter singen, rührt ihn sehr. „Das zeugt von großem Vertrauen, für das ich unfassbar dankbar bin, und es zeigt, dass wir diesen Menschen weit über die Musik hinaus offenbar etwas mit auf ihren Weg geben dürfen“, freut sich der selbst noch recht jugendliche Domkantor – und schließt: „Ich bin froh und dankbar, dabei Wegbegleiter sein zu können.“   

Andrea Braun

Informationen

Die neuen Vorchorgruppen starten am Montag, 7. Oktober, in den Räumen der Dommusik über dem Kreuzgang. Erstklässer: 15 bis 15.45 Uhr, Zweit– und Drittklässler: 16 bis 17 Uhr. Kinder ab 10 Jahren, die gerne singen, sind als Quereinsteiger im Nachwuchs– oder Aufbauchor willkommen. Das Eltern-Kind-Singen beginnt am Freitag, 20. September, ab 9.45 Uhr (in verschiedenen Altersklassen: 5 Monate bis 3 Jahre). Die Musikalische Früherziehung startet am Dienstag, 17. September um 14.30 Uhr für Vierjährige, um 15.45 Uhr für Fünfjährige. Weitere Informationen unter „www.wuerzburger-dommusik.de“ oder ­Telefon 0931/386-62271.

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