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Die Ergebnisse eines Projekts können als Vorbild für Kindergärten im Bistum dienen

Sind Kindergärten pastorale Orte?

Wie wird sich Kirche verändern? Sind Kitas Orte kirchlichen Lebens und gelebten Glaubens? Kann sich Glauben in Kitas neu entwickeln? Um solche und ähnliche Fragen drehte sich das Projekt „Kindertageseinrichtungen als pastorale Orte“, das im November 2016 im Rahmen des diözesanen Prozesses „Pastoral der Zukunft“ gestartet wurde. Beim (vorläufigen) Projektabschluss ging es um Erfahrungen aus den vergangenen drei Jahren, aber auch um Perspektiven für die Zukunft.

Insgesamt 18 Kindertageseinrichtungen in katholischer Trägerschaft aus dem gesamten Bistum hatte Projektleiterin und Caritas-Fachberaterin Petra Eitzenberger zur Teilnahme an diesem wegweisenden Projekt motiviert. Gemeinsam mit ihrem pastoralen Umfeld und ausgehend von den unterschiedlichsten Voraussetzungen haben sie Wünsche und Ziele erarbeitet, konkrete Aktionen durchgeführt und so die besondere Qualität katholischer Kitas herausgearbeitet. Die Früchte der dreijährigen Arbeit wurden nun in einem Fachtag zusammengefasst, der vom Leiter des Caritas-Fachbereichs „Bildung und Veranstaltungen“ Michael Biermaier moderiert wurde.

Positive Erfahrungen

Gleich zu Beginn erinnerte Domkapitular Clemens Bieber daran, welchen Auftrag Kitas haben, nämlich „Kindern den Blick zu weiten für die Welt“, „ihre individuellen Begabungen zu entfalten“ und „ihnen eine guten Weg in der Welt und zu Gott zu zeigen im Vertrauen, dass Gott bei ihnen ist“. In einer zunehmend pluralen und säkularisierten Welt sprach Bieber gerade kirchlichen Kitas eine zentrale Rolle zu: „Sie sind Helfer bei einer unsicheren Überfahrt und Orte der Begegnung von Kirche mit den Menschen.“

Gebannt lauschten die rund 90 Teilnehmer dann den Erfahrungen einzelner Projektteilnehmer hinsichtlich Voraussetzungen, Erwartungen, Zielen und konkreter Umsetzungsmaßnahmen. Joseph Pohli aus Gerolzhofen etwa erlebte die Kita als Knotenpunkt im pastoralen Raum und hob das spürbare Bemühen aller hervor, „die Einrichtung voranzubringen und gemeinsam etwas zu bewirken“. Denn: „Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen“, so Pohli. Elke Wolz-Nagl aus Gaukönigshofen zeigte auf, wie sich die einzelnen Team-Mitglieder im Projektverlauf neu und anders kennen gelernt haben. So wie man für die Kinder Momente der Gottbegegnung schaffen wolle, nehme man sich dort auch künftig immer wieder Zeit für sich selbst. Karolin Bott aus Mömbris empfand den Austausch mit den vielen verschiedenen Beteiligten – Eltern, Träger, Mitarbeiter, Pfarrer und Pfarrgemeinderat – als „ungeheuer bereichernd und spannend“. Dabei sei auch klar geworden: Es geht gar nicht um die großen Aktionen, sondern um Transparenz und Haltung sowie eine intensivierte Vernetzung mit anderen Stellen. Sabine Herold aus Brünn stellte konkrete Aktivitäten in Kooperation mit der Pfarrgemeinde vor, zum Beispiel den Besuch der Kinder bei einer Krippenspielprobe der Gemeinde, die Gestaltung eines Senioren-Nachmittags, gemeinsame Familiengottesdienste, eine Oma-Opa-Osternestsuche oder eine Sternwallfahrt. Dabei registrierte sie ein „wunderbares Miteinander, viele positive Rückmeldungen, Spaß, Begeisterung und viele emotional bewegende Momente“. Von Vernetzungsarbeit mit Schule, Eltern, politischer Gemeinde, Gruppen, Kreisen sowie Pfarrei berichteten schließlich Ellen Kallenbach aus Himmelstadt und Tina Ehrenfeld aus Karlstadt – ein Beispiel war hier die Erarbeitung eines gemeinsamen Wertekatalogs, der die Kinder über die Jahre begleitet.

Offenheit und Wertschätzung

Einig war man sich über das, was katholische Kindertageseinrichtungen auszeichnet: ein Geist der Offenheit und Wertschätzung, das christliche Profil sowie eine Atmosphäre des Willkommenseins und der Beheimatung. Damit wurde auch klar: „Kindergärten sind Orte, in denen Glaube gelebt wird, und sie sind mehr denn je eine der letzten Verbindungen von Kirche und Familien“, so Projektleiterin Petra Eitzenberger. Aus den vielen positiven Rückmeldungen nahm sie die Erkenntnis mit, wie wichtig es ist, im Team das Fundament der Arbeit zu stärken, einen neuen Blick zu ermöglichen und so das eigene pastorale Profil zu schärfen. Vielen Mitarbeitern sei im Laufe des Projekts erst klar geworden, „wie viele wichtige Dinge sie bereits tun und welchen Wert diese Dinge haben.“

Obwohl sehr individuelle Konzepte mit unterschiedlichsten Voraussetzungen, Bedürfnissen, Wünschen und Ressourcen vorgestellt wurden, bieten die Ergebnisse Anregungen für zahlreiche andere Kindergärten im Bistum. Entsprechend groß war auch das Interesse der Besucher an den bunt gestalteten Plakatwänden mit verschiedenen Initiativen und Veranstaltungen. Beate Engelhard und Daniela Schweitzer vom Marienverein in Würzburg beispielsweise holten sich Anregungen für gut umsetzbare Unternehmungen wie ein gemeinsames Morgengebet mit den Eltern. „Wir wollen von den Erfahrungen anderer profitieren und Nächstenliebe im Kindergarten ganz konkret leben.“

Für wertvolle Impulse aus der Forschung und so manches ehrliche Bild aus der Praxis sorgte Prof. Dr. Ralf Haderlein von der Hochschule Koblenz, der das Projekt wissenschaftlich begleitet hat. Im Mittelpunkt seines Vortrags stand die Frage, ob Kitas ein Ort von Kirche sind. Ausgehend von den zahlreichen Herausforderungen, vor denen Kitas heute stehen, registrierte Haderlein, dass das Profil katholischer Kitas zugunsten des Pluralismus oft so weit zurückgefahren werde, dass es nicht mehr erkennbar ist. Und das, obwohl die Kita, die „das Kind in seiner Ganzheit, mit allen Ecken und Kanten, allen Begabungen und Facetten“ aufnimmt, für die ganz konkrete Umsetzung von Caritas, also letztlich der Liebe Gottes sorge.

Glaubwürdigkeit

Für Haderlein sind Kitas pastorale Orte, „weil sie sich der Gesellschaft verpflichtet wissen, sich um das Wohl des Einzelnen sorgen und zugleich die Gemeinschaft im Blick haben, weil sie mit anderen Netzwerke wertvoller Hilfen bilden, das Evangelium glaubwürdig bezeugen und dazu beitragen, dass Leben gelingen kann“. „Wir haben alles, wir müssen es nur wiederentdecken“, ermutigte Haderlein. „Kitas haben die große Chance, von Gott zu erzählen.“ Dabei müsse der Glaube aber stets authentisch sein: „Nur wenn ich glaubwürdig von meinem Glauben berichte, kann ich ihn weitergeben.“ Damit komme Kitas ein klarer gesellschaftlicher und kirchlicher Auftrag zu: „Sie sind Kristallisationspunkte für Kinder und Familien, Lern- und Lebensorte, aber vor allem Orte der ersten Begegnung von Familien mit dem Glauben. Als erste Visitenkarte von Kirche haben sie eine enorme und vielleicht die letzte Chance der Gemeindeentwicklung“, so Haderlein.

Insofern war man sich am Ende des Tages einig, dass damit kein Schluss- sondern ein Doppelpunkt gesetzt wurde, denn: „Das Projekt ist nie abgeschlossen, es geht auch künftig weiter“.     

Anja Legge

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