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„Sieben Kisten mit jüdischem Material”

Für rund 70 Jahren waren sie aus den Augen, und bald schon aus dem Sinn: sieben grob gezimmerte Holzkisten, die im Depot „Zeughauskeller” des Museums für Franken Würzburg vor zwei Jahren wieder ans Licht der Öffentlichkeit gelangten. Ihr Inhalt: 138 jüdische Ritualgegenstände – Tora-Schilde, Chanukka-Leuchter, Schabbat-Lampen, ein Tora-Schrank ... Noch bis zum 1. Mai sind diese Kostbarkeiten im Jüdischen Museum München in einer Ausstellung zu sehen. Der Titel: „Sieben Kisten mit jüdischem Material. Von Raub und Wiederentdeckung 1938 bis heute”. Die Exponate waren bei einer Provenienzermittlung der Landesstelle für nichtstaatliche Museen Bayern entdeckt worden.

44 der in den Kisten vorgefundenen Ritualgegenstände wurden dank eines Forschungsprojektes sieben unterfränkischen Synagogen zugeordnet. Zum größten Teil hatten die Nazis diese Stücke während des Pogroms am 9. und 10. November 1938 beschlagnahmt. Die Exponate stammen aus den Synagogen in Arnstein bei Karlstadt, Ebelsbach (Haßberge), Gochsheim (bei Schweinfurt), Würzburg-Heidingsfeld, Miltenberg, Schweinfurt und Würzburg. In der Regel waren es die auf den Ritualgegenständen verzeichneten Stifternamen, die Judaica-Experten und den Leiter des Jüdischen Museums München, Bernhard Purin, auf die richtige Fährte in punkto Herkunft brachten. Bereits kurz nach dem Raub waren die Stücke ins Fränkische Luitpoldmuseum in der Würzburger Maxstraße 4 (Straße zwischen Kardinal-Faulhaber-Platz und Hofstraße) gelangt. Hier existierte seit einigen Jahren schon eine Sammlung an jüdischen Gerätschaften, die immer wieder vergrößert wurde.

Verrußt und zerbeult

Teilweise in einem jämmerlichen Zustand hatten sich die Exponate gezeigt, die nach den Bergungsarbeiten wieder ans Tageslicht gelangten: angerußt vom Feuer der Würzburger Brandnacht vom 16. auf den 17. März 1945, zerbeult und teilweise zerquetscht von herabfallenden Gebäudeteilen. Es ist zu vermuten, dass Max Herrmann von Freeden, 1949 bis 1978 Direktor des Mainfränkischen Museums und ab Mai 1945 vom damaligen Oberbürgermeister Gustav Pinkenburg mit der Gründung eines Museums beauftragt, die Ritualgegenstände mit Helfern geborgen hat. Von Freeden hat das Museum gut gekannt: Bereits 1935 taucht der gebürtige Bremer als 22-jähriger Student im Fränkischen Luitpoldmuseum auf; später war er als Konservator am Landesdenkmalamt Würzburg tätig. „Der Großteil dieser 1938 beschlagnahmten Ritualgegenstände wurde 1947 auf Anordnung der US-Militärbehörden einer Rückstellungsorgansiation, der Jewish Restitution Successor Organsiation, übergeben”, heißt es im Vorwort zum Ausstellungskatalog, das die Museumsdirektoren Bernhard Purin vom Jüdischen Museum München und Dr. Erich Schneider vom Museum für Franken Würzburg gemeinsam verfasst haben.

Warum jedoch ein Teil der Objekte im Museum auf der Festung Marienberg verblieb, bleibt bis heute weitgehend ungeklärt. Festzustellen ist, dass von Freeden in den 50er, 60er Jahren immer wieder jüdische Ritualgegenstände aus lokaler Provenienz fürs Museum erwarb, beispielsweise den heute in der Schönbornhalle ausgestellte Tora-Schrein aus der Synago- ge Westheim bei Hammelburg.

Wiedersehen in Würzburg

In sieben Nurglasvitrinen mit dezenter Beleuchtung zeigt die Ausstellung in einem abgedunkelten Raum jene 44 lokalisierbaren Exponate. Die unbestimmbaren Stücke sind in einem 20 Meter langen Industrieregal ausgestellt. Das bevorzugte Material der Exponate ist Silber, aber auch Messing und Kupfer findet sich hier. Bei den Textilien sind es Seidentaft und Seidendamast, ebenso Leinen.

In der sehenswerten Ausstellung in München erhält jedes einzelne Exponat seine angestammte Würde zurück. Der Besucher wird angeregt, über das grausame Schicksal des Landjudentums in Unterfranken, im Speziellen in den sieben erwähnten Gemeinden mit ihren über 1600 Opfern, nachzudenken. Eine Wiederholung der Ausstellung wird es in Würzburg geben, und zwar ab 4. Juni im Museum für Franken Würzburg.    

Matthias Risser

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