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Franz Josef Schramm animiert Pflegende zum Singen

Sich selbst zum Klingen bringen

Singen tut alten Menschen gut. Sie vergessen für Momente, was sie schmerzt oder traurig macht. Schöne Erinnerungen tauchen wieder auf. Doch nicht deshalb bringt Franz Josef Schramm Pflegefachkräften, Betreuungsassistenten und häuslich Pflegenden Volkslieder bei. „Sie sollen sich selbst etwas Gutes damit tun“, betont der Leiter der Beratungsstelle für Volksmusik in Eibelstadt (Dekanat Würzburg rechts des Mains).

Schramm bietet die Workshop-Reihe „Sich selbst zum Klingen bringen“ an, bei der er mit dem „Kompetenznetz Musik bewegt“ und dem Bayerischen Landesverein für Heimatpflege zusammenarbeitet. Haupt- und Ehrenamtliche aus Unter- und Mittelfranken können ihn zu sich einladen. Die zweieinhalb- bis dreistündige Veranstaltung kostet nichts. Heime oder Beratungsstellen brauchen nur einen Raum und mindestens acht Teilnehmer.

Auch wenn es in dem Seminar um die Pflegekräfte geht, profitieren auch die Pflegebedürftigen davon, wenn ihre Pflegerin ihren Alltag singend bewältigt. Da gibt es etwa die „Musikgeragogin“ – so nennt man eine Pädagogin für Ältere – , die zu einem Demenzkranken gerufen wurde, der nicht essen wollte. Die Fachkraft versuchte es nicht mit Überreden oder Schimpfen, sondern sie sang das Kreuzberg-Lied: „Komm mit mein Schatz,/ Nimm an meiner Seite Platz ...“ Da kam der Mann zu ihr und ließ sich von ihr das Essen eingeben. Volkslieder zu singen, verändere die Pflegesituation. Denn sie sind emotional und ausdrucksstark. „Wenn ich laut singe, vergesse ich das Schwere“, hat Schramm festgestellt. Das helfe, bedrückende Situationen besser zu bewältigen.

Singen gegen Burnout

Schramm hat das selbst erfahren. Die Nacht, in der sein Vater starb, verbrachte er singend an dessen Totenbett. Unter anderem sang der Katholik das religiöse Volkslied „Das menschliche Leben eilt schnelle dahin“ aus der Fränkischen Schweiz. Für Schramm sind Volkslieder „Klebstoff“ zwischen den Generationen. Wenig verbindet Menschen um die 80 mit den Jungen. Durch Lieder lassen sich Brücken schlagen. Je mehr Lieder ein Jüngerer kennt, umso besser kann er auf Musikvorlieben des Älteren eingehen. Drei oder vier Lieder reichen für den Anfang schon. Durch Singen komme man wieder in Einklang mit sich selbst. Genau das fehle oft den Pflegenden. Die kämpfen sich ab. Überfordern sich ständig. Verlieren ihre eigenen Bedürfnisse aus den Augen. Und werden am Ende depressiv. Singen hat hier präventiven Charakter. Der Pflegetag fängt anders an, wenn die Pflegerin ins Zimmer kommt, das Fenster aufstößt und dabei singt: „Schaut nur an den schönen Morgen / da vergehn euch alle Sorgen“.

250 Lieder auswendig

Das Lied von 1898 ist wie die meisten Schramm-Melodien über 100 Jahre alt. Gemeinsam ist allen ein tieferer Sinn, was sie vom Schlager unterscheide. Viele seien auch traurig. Liebeslieder haben meist kein Happy-End, etwa die „Ballade vom toten Bräutigam“. Dennoch kann es schön sein, solche Lieder zu singen. Schramm selbst kann rund 250 Lieder auswendig. Bereits in den 1980er Jahren kam er in Kontakt mit Volksliedern. Als Hauptschullehrer forderte er seine Schüler immer dann zum Singen auf, wenn es nicht mehr voranging. Seit 28 Jahren leitet er nun die Beratungsstelle für Volksmusik. Damit machte der 56-Jährige seine Leidenschaft zum Beruf. So gern er auch Lehrer war – Lieder zu sammeln, sie zu erforschen und, vor allem, Menschen durch Lieder „zum Klingen zu bringen“, macht ihm noch viel mehr Spaß.    

Pat Christ

Kontakt

Wer sich für den Workshop „Sich selbst zum Klingen bringen“ interessiert, kann sich unter Tel. 09303/9842950 oder E-Mail „fj.schramm@heimat-bayern.de“ an Franz Josef Schramm wenden.

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