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Kreuz

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Betrachtung zum Sonntagsevanglium – Fest der Taufe des Herrn

Sich festhalten an der Himmelsstimme

Aus Liebe hat Gott seinen Sohn in die Welt gesandt. Aus Liebe hat er auch dich und mich ins Leben gerufen. Darauf möchte ich vertrauen.

Evangelium

In jener Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden und du kommst zu mir? Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen. Da gab Johannes nach. Als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf. Und siehe, da öffnete sich der Himmel und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.    
Matthäus 3,13–17

Es gibt Worte in der Bibel, die mich besonders ansprechen und immer wieder treffen, ein ganzes Leben lang. Ein solches Wort höre ich im aktuellen Evangelium: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“

Sie werden gleich einwenden: „Das sagt die Stimme des Himmels zu Jesus, der sich von Johannes im Jordan taufen lässt!“ – Da gebe ich Ihnen recht. Das sagt die Stimme tatsächlich zunächst zu Jesus bei seiner Taufe im Jordan. Andrerseits sagt Gott – davon bin ich ganz fest überzeugt! – auch zu mir: „Du bist mein geliebter Sohn.“ Und das sagt Er nicht nur zu mir, sondern zu jedem von uns. Auch zu Ihnen, die diese Worte gerade lesen: „Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter. An dir habe ich Gefallen gefunden.“

Seit meiner Geburt und durch die Taufe bestätigt, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, sagt dieser Gott zu mir: „Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter.“

Sie werden mit Recht einwenden: „Wo spüre ich das?“ Zum Beispiel in der Krankheit, im Trauerfall, beim Tod meines Kindes, dem Auseinanderbrechen einer Beziehung, bei finanziellen Problemen ...? Oder wo spüre ich das in der großen Welt, zum Beispiel angesichts des Zweiten Weltkriegs, der momentanen Katas­trophen und weltweiten Krisen? Das ist auch richtig. Die Warum-Frage kann und darf ich stellen. Ich höre sie oft täglich, vor allem in der Klinik.

Und dennoch, da bin ich fest davon überzeugt, sagt die Stimme des Himmels auch in dieser Situation: „Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter, an dir habe ich Gefallen gefunden.“

Ein Widerspruch? Manchmal scheint es so. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Jesus selbst wird dieses Gebet auf Golgatha in den Mund gelegt vor seinem Leiden und Sterben. Außerdem: Er wird in einem Stall geboren, muss nach Ägypten fliehen, wird ans Kreuz geschlagen und getötet – mit 33 Jahren, aber: Er wird auferstehen. Das ist die Botschaft der Bibel. Die Botschaft des Lebens – in dieser Welt und erst recht in einer anderen, größeren Welt.

Auferstehung im Kleinen wie im Großen gibt es immer wieder, schon auf dieser Welt. Und auf die große Auferstehung gehen wir alle zu – früher oder später. Ich versuche zu glauben, was mir manchmal mehr, manchmal weniger gelingt.

„Warum bin ich überhaupt auf dieser Welt?“ Sehe ich nur das Schlechte, das Negative, oder auch das Gute, das Schöne? Beides sehe und erlebe ich. Manchmal mehr, manchmal weniger. Bei all dem hilft mir das Bibelwort: „Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter, an dir habe ich Gefallen gefunden.“

Ich weiß sehr viel – und manchmal sehr wenig bis gar nichts. Aber ich weiß und kenne die Zusage, dass mich Gott unendlich und bedingungslos liebt. Daran halte ich mich fest – an der Stimme des Himmels. Also kann mich nichts von Gottes Liebe trennen. Also vertraue ich dem, der mich ins Leben gerufen hat durch die Liebe von zwei Menschen. Der mir schon durch den Propheten Jesaja zusagt: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Mein bist du. Fürchte dich nicht.“ Und der mir im Evangelium sagt: „Du bist mein geliebter Sohn.“

Aus Liebe hat Gott seinen Sohn in die Welt gesandt. Aus Liebe hat er auch dich und mich ins Leben gerufen. Darauf möchte ich vertrauen. Von einem der bekanntesten Theologen des letzten Jahrhunderts, Karl Rahner, stammt der Satz: „Glauben heißt, die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang aushalten.“ Das will ich versuchen. Ein Leben lang.

Gottfried Amendt
(„gottfried.amendt@bistum-wuerzburg.de“) ist Pfarrer am Klinikum Würzburg Mitte (KWM), Standort Missioklinik

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