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Hochfest der Frankenapostel – Gedanken zum Sonntagsevangelium

Selig schon jetzt

Seligsein ist kein Verdienst, sondern ein Zustand, ein Raum, in dem wir uns schon befinden, bevor wir irgendetwas tun, weil unser Ursprung aus Gott kommt, aus der Seligkeit.

Evangelium
In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf den Berg. Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm. Und er öffnete seinen Mund, er lehrte sie und sprach: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig die Sanft­mütigen; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen. Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.     Matthäus 5,1–12a

Stellen Sie sich vor, jemand sagt zu Ihnen: „Selig bist du“ – und nur das. Nicht, weil du irgendetwas tust, weil du irgendetwas vorzuweisen hast, weil du moralisch gut bist oder gerecht, nein, einfach nur, weil du bist, wie du bist. Deshalb bist du selig.

Seligsein ist kein Verdienst, sondern ein Zustand, ein Raum, in dem wir uns schon befinden, bevor wir irgendetwas tun, weil unser Ursprung aus Gott kommt, aus der Seligkeit. Deshalb sind wir selig. Das ist ein anderer Zugang zu den Seligpreisungen. Und wenn wir von diesem Gedanken überzeugt sind, können wir auch im Sinne der Bergpredigt gerecht sein und friedfertig, sanftmütig, und ein reines Herz haben.

Die Seligpreisungen haben also zunächst nichts mit Leistung zu tun, sondern mit unserem Zustand von Anfang an. Unser Handeln ist eine Antwort darauf, dass wir uns dieses Zustands bewusst geworden sind. Eine Aufgabe und Herausforderung für unser Leben. Wie anders wäre unser Verhältnis zu uns selbst und zu unseren Mitmenschen, würden wir erkennen, dass wir alle aus Gott kommen und seine geliebten Kinder sind.

Die erste Seligpreisung, die ich an dieser Stelle herausgreifen möchte, lautet: „Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.“

Ich nehme an, dass Jesus nicht wirtschaftliche Armut gemeint hat. Er selbst war ja „des Zimmermanns Sohn“. Wir dürfen davon ausgehen, dass dieser angesehene Beruf die Existenz einer ganzen Familie gut sichern konnte. Auch die meisten von uns haben Essen, ein Dach über dem Kopf, Zugang zu Bildung und dem Gesundheitssystem und so weiter. Etwas anderes dürfte gemeint sein.

Armsein vor Gott heißt so viel wie Bedürftigsein nach Gott, es meint, die Nähe und die Verbindung zu Gott im Leben zu brauchen. Dass die Seele erkennt, wie sehr sie Gott nötig hat, seiner bedürftig ist. Hunger zu haben nach Gott. Dass Gott uns erfüllt und nicht irgendein Besitz. Besitz kann die Seele nicht satt machen. Armsein vor Gott bedeutet, sein Herz nicht an materielle Dinge zu hängen. Die Vorstellung, viel Besitz erzeuge Glück, kann besetzen und zudecken, und es entstehen zuweilen Traurigkeit und Leere, manchmal Sinnlosigkeit. Wer hingegen innerlich frei ist, dem gehört das Himmelreich und der hat jetzt schon Zugang zur Seligkeit, dem ewigen Leben.

In der zweiten Seligpreisung, die wir betrachten, sagt Jesus: „Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen.“

Diese Worte machten mir schon in der Jugend zu schaffen. Denn mir war schnell klar, dass es Menschen nicht möglich ist, ein reines Herz zu haben – im Sinne von: keine Fehler zu begehen oder perfekt zu sein. Das kann nicht gemeint sein. Ein reines Herz zu haben bedeutet, dass unsere Motive gereinigt werden. Es geht nicht so sehr darum, welches Ziel wir mit unserem Tun erreichen, sondern um die Absicht, die dahintersteht.

Dass wir zum Beispiel Verantwortung für uns übernehmen und nicht anderen die Schuld für unsere jeweilige Situation zuschieben. Dass wir bei uns selber ansetzen, bevor wir etwas von anderen verlangen. Das würde viel Frieden in die Welt bringen. Einfach nur zuerst das tun, was ich von anderen verlange. Ein Weg, um unser Herz zu weiten und Gott zu schauen.

So wünsche ich Ihnen, dass Sie eine Ahnung davon bekommen: Sie sind schon selig, weil Sie aus Gott kommen. Dadurch kann Ihr Herz weit werden und alles andere kommt wie von selbst.

Seien Sie gesegnet.

Erwin Sickinger („e.sickinger@sickinger-training.de“) ist Diplom-Theologe. Er arbeitet als Trainer, Coach und Buchautor und lebt in Erlenbach am Main.

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