Hinweis

Ihre Browserversion wird leider nicht mehr unterstüzt. Dies kann dazu führen, dass Webseiten nicht mehr fehlerfrei dargestellt werden und stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Wir empfehlen Ihnen, Ihren Browser zu aktualisieren oder einen der folgenden Browser zu verwenden:

Jede Woche Lesefreude

Das Sonntagsblatt als E-Paper:

Das Sonntagsblatt als E-Paper:

Mehr
Kommentar von Jerzy Staus

Sehnsucht nach Karl-Heinz Köpcke

Erinnert sich noch jemand an Karl-Heinz Köpcke?

Köpcke war 28 Jahre lang Nachrichtensprecher der Tagesschau, eine gefühlte Ewigkeit. Er war die Seriosität, Neutralität und Korrektheit in Person und bekam trotz dieses antiseptischen Auftretens waschkörbeweise Liebesbriefe. In einer Viertelstunde las er sehr viele Meldungen vor. Am Ende hatte der Zuschauer den Eindruck, über alles Bescheid zu wissen, was am Tage auf der Welt von Interesse war.

Und heute? Die Tagesschau existiert noch immer – aber sie ist jetzt ganz anders. Es gibt viel weniger Themen, aber die werden zäh und langwierig ausgewalzt. Wenn man sich ein Glas Wasser holt und ins Zimmer zurückkommt, geht es immer noch um das Gleiche, und das ist vielleicht gar nicht mal so wichtig. Ist denn heute sonst nichts passiert auf der Welt, fragt man sich manchmal.

In jeder Sendung gibt es jetzt auch einen Werbeblock. Früher undenkbar. Er beginnt mit dem Satz „Weitere Informationen finden Sie auf ‚tagesschau.de‘“ – eine Nullaussage wie „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie ...“ oder „Ihre Privatsphäre ist uns wichtig, bestätigen Sie ...“. Da hört jeder sofort weg. Mit der Neutralität ist auch nicht mehr viel los. Wenn über Staatschefs anderer Länder berichtet wird, bekommt man gleich mitgeteilt, ob diese Person gut oder schlecht ist. Wer das beurteilt, wird nicht gesagt. Die Chiffre für schlecht lautet „umstritten“. Umstritten sind Trump, Putin, Xi, Johnson, Erdogan, Kaczyński, Orbán, Bolsonaro, Kim, Lukaschenko und mittlerweile sogar Macron. Man fragt sich: Wer ist eigentlich nicht umstritten? Am Ende wohl lediglich unsere eigene Regierung. Und die muss mit all diesen Umstrittenen zusammenarbeiten, die sich kaum freuen werden, im deutschen Fernsehen schlecht beurteilt zu werden.

Bekommt man da nicht Sehnsucht nach Karl-Heinz Köpcke? – Brottrockene, glasklare Information, ohne jede Wertung. Eine Meinung sollte sich doch bitte jeder selber bilden. Das nennt man dann politische Willensbildung.    

Jerzy Staus

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung