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Blume auf Weg

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Eine Osteraktion: Sitzplätze statt Kreuzwegstationen

Schule, Stühle und starke Motive

Ein Stuhl – was für ein Glück. Wer sich schlapp fühlt, ist froh, sich mal hinsetzen zu können. Stühle taugen aber zu noch mehr. Sie können Symbol sein für den Kreuzweg und die Auferstehung Jesu. Deshalb stehen seit Aschermittwoch in der Würzburger St.-Ursula-Schule acht Sitzgelegenheiten – Holzstühle und Papierthrone – an sieben Stationen.

Eine Station wartet gleich mit zwei Stühlen auf. Einer davon rot und gemustert, der andere blau und bemalt mit Fischen. Ein mit Schleifenband am blauen Stuhl befestigter Zettel verrät die Bedeutung der Station: „Simon aus Zyrene hilft Jesus das Kreuz zu tragen.“ So wird schnell klar: Die Stühle stehen für Kreuzwegstationen. Trotzdem ist damit noch nicht alles geklärt. Sechs Schülerinnen aus der sechsten Klasse, die im Halbkreis vor den zwei Stühlen stehen, schildern ihre Gedanken dazu.

Rot und Blau

„Der Fisch ist ein christliches Symbol. Der blaue Stuhl könnte also Jesus sein. Es gibt ja auch die Geschichte, in der Jesus übers Wasser geht“, sagt Lin (11). Marisa (11) schließt sich an und identifiziert den roten Stuhl mit Simon – „weil er ein großes Herz hat und Jesus hilft“. Sarah (12) dagegen fühlt sich durch das Rot an Feuer und Blut erinnert – vielleicht ist der Rote doch Jesus. Nelly (11) erklärt, warum auch aus ihrer Sicht Simon der Blaue ist: „Simon ist ein armer Bauer, er hat nicht viel Geld, ist also ein Fisch unter vielen.“

Die Stühle laden dazu ein, über ihre Bedeutung nachzudenken. Gleichzeitig gibt es an den sieben Stationen vorgegebene Themen – etwa Verurteilen, Bloßstellen, Würde des Menschen, Leere oder neues Leben.

Angefertigt wurden die Sitzgelegenheiten von behinderten Menschen, die in der Kunstwerkstatt „Alte Waschküch‘“ des St. Josefs-Stifts in Eisingen arbeiten. Die Künstler verleihen ihre Erzeugnisse, Interessenten können sie auch kaufen. Auf Initiative des Schulseelsorgers der St. Ursula-Schule, Dr. Matthias Leineweber, kamen die Stühle für die Fastenzeit an die Schule. Neben bemalten Holzstühlen sind stattliche Throne darunter, die aus Spezialpapier gefertigt sind.

Anders sein

Wie viel Rücksicht nehmen wir auf Behinderte? Diese Frage greifen mehrere Stationen auf. „Wie oft verurteilen wir Menschen, die anders sind, Ausländer, Arbeitslose, Behinderte?“, lautet eine Impulsfrage auf dem Zettel an der Station „Verurteilen“. Die Station „Die Würde des Menschen“ erinnert an die Ermordung Behinderter in der Zeit des Nationalsozialismus, und die Station „Sich nicht aufrichten können“ unterstreicht, dass gebeugte Menschen ihren Platz bei Gott haben. Die Stühle transportieren ethische Botschaften. Bei den Sechstklässerinnen sind diese Botschaften angekommen. „Geistig und körperlich Behinderte können etwas Besonderes herstellen. Das sieht man an den Stühlen“, erklärt Jule (11). „Manchmal verurteilt man andere und will nichts mit ihnen zu tun haben, weil sie anders sind“, ergänzt Lin. Es fällt auf, dass die Mädchen einander wie selbstverständlich ausreden lassen. Ohne Zank handeln sie aus, wer wann zum Fotografieren Platz nehmen darf.

Dieses Miteinander ist im Sinne von Religionslehrerin Mechthild Hentzschel. Sie und ihre Lehrerkollegen haben die Texte der Stationen erstellt – Impulse, Gebete und Bibel­zitate.

Fächerübergreifend

„Unser religiöser Anspruch soll nicht nur in Religion weitergegeben werden, sondern unsere Werte als christliche Schule sollen auch in anderen Fachbereichen zur Sprache kommen“, erläutert Hentzschel. So beteiligten sich an den Stationstexten Lehrkräfte, die unterschiedliche Fächer unterrichten. Wobei der Besuch des Meditationswegs mit den Schülerinnen dann im Religionsunterricht stattfand. Hentzschel spricht vom Meditationsweg, nicht vom Kreuzweg, obwohl sich die Stuhl-Stationen bewusst an diesem orientieren. „Viele wissen ja nicht mehr, was der Kreuzweg ist. Auch an unserer Schule.“

Gelber Punkt

Jedenfalls über die Auferstehung Jesu wissen die Sechstklässerinnen Bescheid, die bei Hentzschel in den Unterricht gehen. Sarah betrachtet den „leeren Stuhl“, dessen Sitzfläche mit farbigen Kreisen verziert ist, und erklärt: „Jesus wurde an Ostern gekreuzigt und ist auferstanden. Das Grab ist leer. Der gelbe Punkt in der Mitte sagt den Jüngern: Sie können fröhlich sein und glücklich, auch wenn es nicht mehr so ist wie vorher.“

Ulrich Bausewein

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