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Wäsche waschen macht Arbeit. Zu Hause oft lästig, ist es für die Würzburger Vinzenz Wäscherei der Caritas eine Chance

Saubere Arbeit in der Vinzenz Wäscherei

Bülent Güney hat eine ­Fähigkeit, um die ihn ­sicher viele Hausfrauen und -männer beneiden werden. Ob Rotwein, Kaffee oder Soßenspritzer: Er weiß, wie man jeden Fleck aus der Kleidung bekommt. Darin ist er ein echter Profi; als diplomierter Textil-Chemiker, vor allem aber als Leiter der Wäscherei der Vinzenz Werke in Würzburg.

Mit diesem Spezialunternehmen findet sich unter dem Dach der Caritas-Einrichtungen gGmbH (CEG) eine Einrichtung, die auf den ersten Blick nur wenig mit ihrem Hauptgeschäft Altenhilfe zu tun haben scheint. Bei näherem Hinsehen zeigt sich aber sehr deutlich, warum auch die Wäscherei in der Gattingerstraße in Würzburg zu einem guten Leben im Alter vieler Menschen beiträgt.

Denn ein Großteil der Wäsche kommt aus den Häusern der CEG. Sie liefern vor allem Wäsche von Bewohnern und Dienstkleidung von Mitarbeitern. Denn anders, als in anderen Großwäschereien kümmert sich das Team von Bülent Güney fast ausschließlich um Kleidungsstücke und andere kleinteilige Wäsche wie Bodenwischerbezüge. Das ist ein besonders arbeitsintensives Angebot, das für andere Unternehmen wirtschaftlich nicht sinnvoll sei, erklärt Güney.

„Unreine Räume“ und „Reine Räume“

Er beginnt seine Führung gleich hinter der LKW-Rampe in einem der „unreinen Räume“. Die ganze Wäscherei ist zweigeteilt: Auf der „unreinen Seite“ kommt die Schmutzwäsche an, wird registriert, sortiert und in die Waschmaschinen geladen; auf der „reinen Seite“ wird die gewaschene Wäsche getrocknet, gebügelt, zusammengelegt und für den Rücktransport sortiert. Bis dahin hatten mindestens acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jedes Stück einmal in der Hand.

Die Wäscherei der Vinzenz Werke setzt bewusst auf eine arbeitsintensive Nische, da es hier nicht in erster Linie um den Profit geht, sondern um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Als inklusives Unternehmen beschäftigen die Vinzenz Werke gezielt Menschen, denen andere Arbeitgeber keine Chance einräumen. Das gelte für mehr als die Hälfte der Belegschaft, erklärt Güney. „Natürlich müssen wir auch konkurrenzfähig sein“, räumt Güney ein.

Augenmerk auf Personalführung

Da in seinem Team vieles etwas langsamer ablaufe als in anderen Betrieben, bedeute das eben, dass er besonderes Augenmerk auf Personalführung und -planung legen müsse. Aus seiner beruflichen Erfahrung weiß Güney, dass dieser Umgang mit dem Personal längst nicht überall gepflegt wird. „Ich weiß, wie hart es in der Industrie läuft“, sagt er heute. „Manchmal auch unmenschlich.“ Als er vor über einem Jahrzehnt zu den Vinzenz Werken kam, wollte er seine beruflichen Erfahrungen einbringen und ein Unternehmen aufbauen, in dem die Mitarbeiter zählen. Auch deshalb verzichtet er zum Beispiel auf die Effizienzsteigerung durch Maschinen. „Ich kann technisch rationalisieren ohne Ende. Aber ich muss doch an die Menschen denken.“ Güney hat eine klare Überzeugung: „Wir gehören schließlich zur Caritas, wir wollen etwas Gutes tun.“

Abhol- und Lieferservice

Und gut ist die Arbeit in der Wäscherei auch für die Kunden. Die Pflegeheime werden zweimal pro Woche vom hauseigenen Abhol- und Lieferservice angefahren. Dabei können auch besondere Ansprüche berücksichtigt werden. In den zurückliegenden Monaten mussten etwa immer wieder Wäschechargen als „infektiöse Wäsche“ gesondert behandelt werden. Für den eigentlichen Waschvorgang bedeute das zwar keinen großen Unterschied, wie Güney erklärt, wohl aber für die Handhabung der Wäsche. Für die Einrichtungen der CEG und anderer Träger ist es eine große Hilfe, wenn auch diese Arbeit genauso schnell und kompetent ausgeführt wird. Aktuell versucht die Vinzenz Wäscherei ihre Dienste auch unter Privatkunden bekannter zu machen. Auch hier gehören vor allem Seniorinnen und Senioren zur Zielgruppe, wie Güney erläutert. Vom Bademantel bis zur Wolldecke ­bietet Vinzenz ihnen einen umfassenden Waschservice an.

Bis zu 5000 Stück Wäsche täglich

Privat- und Firmenkunden zusammen sorgen so für täglich bis zu 5000 Wäschestücke. Um den Überblick zu behalten, ist die Wäscherei weitgehend digitalisiert. Sogar die riesigen Waschmaschinen und Trockner sind digital vernetzt. „Von hier aus können wir bei jeder Waschmaschine sehen, an welchem Punkt im Programm sie gerade ist“, erklärt Güney vor der Schalttafel im Waschmittellager. In riesigen Tonnen mit über 200 Kilogramm Fassungsvermögen werden die einzelnen Bestandteile gelagert. Die Waschmittel für unterschiedliche Anwendungszwecke werden hier im Haus eigens zusammengemischt, wie Güney erläutert. Auch hier hilft ihm seine Expertise als Textilchemiker. Über Rohrleitungen werden die Mittel direkt zu den bis zu 60 Kilogramm Wäsche fassenden Maschinen gepumpt. Und diese verfügen noch über eine weitere Besonderheit: Sie besitzen zwei Türen auf gegenüberliegenden Seiten, sodass auf der einen Seite Schmutzwäsche beladen und auf der anderen Seite saubere Wäsche entnommen und direkt in den Trockner geräumt werden kann.

Mit gutem gewissen in den Ruhestand

Zurück im Obergeschoss wird die saubere, trockene Wäsche noch gebügelt. Ein klassisches Bügeleisen kommt dabei nur selten zum Einsatz. Spezielle Maschinen bügeln Hemden oder Hosen mit viel Dampf und Getöse binnen weniger Sekunden. Viel Handarbeit ist anschließend allerdings wieder beim Sortieren und Zusammenlegen der Wäsche nötig. Hier packt auch Daniela Krauß kräftig mit an. Für sie hat Bülent Güney einen Plan: Nach seinem Wunsch soll sie seine Nachfolgerin werden. Im April will der langjährige Leiter der Vinzenz Wäscherei in den Ruhestand gehen. Der Besucher kann erahnen, dass er dann den Vinzenz Werken und seiner potenziellen Nachfolgerin ein bestelltes Haus hinterlässt. Mit der Selbst­sicherheit eines erfahrenen Mannes blickt Bülent Güney zufrieden auf die nahende Veränderung: „Ich gehe mit einem guten Gewissen in den Ruhestand.“     

Kilian Martin

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