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Die Kirchenmusik wird in Corona-Zeiten kreativ

Orgelspiel mit Handschuhen

Musik, Gemeinschaft, Freude, Begegnung im Chor – kurz: Dommusik, wie sie sein sollte – das alles fehlt uns und unseren Sängern momentan enorm“, seufzt Domkapellmeister Christian Schmid. Denn wie die meisten anderen Bereiche der Gesellschaft ist wegen der Corona-Pandemie natürlich auch die Kirchenmusik stark zurückgefahren. So haben die Sänger der Domchöre seit Mitte März nicht mehr gemeinsam geprobt – ebenso, wie fast alle anderen Chöre und Ensembles im Bistum. Wie ist die Situation, wie geht es all den Kirchenmusikern, den Profis und Amateuren dabei?

„Wir sind insofern eingeschränkt, als chorisch wegen der Aerosole zur Zeit kaum etwas geht, auch mit kleinen Ensembles ist es schwierig“, erklärt Gregor Frede, der als Diözesanmusikdirektor für die Hygienepläne der musikalischen Ensembles im Bistum verantwortlich ist, und sie nach jeder Neuerung in den Vorgaben der Landesregierung und der Verwaltungsberufsgenossenschaft aktualisieren muss. „Chorproben sollten bevorzugt im Freien unter Einhaltung der Abstandsregeln (zwei bis drei Metern im Kreis, pro Person sechs Quadratmeter Freiraum) stattfinden“, steht da etwa im jüngsten Hygieneplan für Proben und Aufführungen kirchlicher Chöre – und analog in dem für die Bläserensembles.

Oder „In jeder Probe/Zusammenkunft werden die Kontaktdaten und die Sitzposition aller Anwesenden protokolliert, um gegebenenfalls spätere Infektionsketten nachzuverfolgen“, und „Der Abstand zwisschen Chorleiter*innen und den Chorsänger*innen muss wenigstens 4m betragen“. Dazu darf eine Probe maximal eine Stunde dauern, alle 20 Minuten muss zehn Minuten gelüftet werden – und vor der Probe müssen sich alle die Hände waschen.

Was für ein Aufwand!

Schon dieser Auszug aus den Regelungen – so sinnvoll sie im Hinblick auf eine Ansteckung natürlich sind – macht schnell klar: Chor- oder Ensembleproben sind im Moment eigentlich nicht möglich, denn welcher Chor mit auch nur 40 Sängern kann schon mit 240 Qudratmetern Probenfläche aufwarten? Und welcher Posaunenchor kann es sich leisten, den nötigen Aufwand an Desinfektion und so weiter zu bestreiten? Und selbst, wenn eine Probe in einer großen Kirche rein theoretisch stattfinden könnte, gestaltet sich ob der Verteilung der Sänger die Kommunikation mit dem Chorleiter rein stimmtechnisch relativ schwierig.

Und in welcher Kirche gibt es genügend Waschbecken? Selbst am Dom, der im Bistum wohl über die luxuriöseste Chorinfrastruktur verfügt, gibt es also noch keine normalen Chorproben. Seit Mitte Juni singen immerhin wieder kleine Vokalensembles im Gottesdienst, aber, erklärt Domkapellmeister Schmid: „In unseren Chorsälen können wir auch in kleiner Besetzung nicht proben, dazu sind sie zu klein“. So werde die Literatur also in Stimmbildung und Einzelstudium vorbereitet und erst eine Stunde vor dem Gottesdienst gemeinsam im Dom geprobt.

Einzelstimmbildung möglich

Immerhin: Diese Einzelstimmbildung, die lange nur online lief, kann in den großen Chorsälen stattfinden: „Wir haben ein strenges Hygienekonzept erstellt, es gilt Abstandsregeln einzuhalten die Räume werden nach jedem Schüler durchgelüftet – zusätzlich zu unserer modernen Klimaanlage“, zählt der Domkapellmeister auf. So sei die Gefahr durch Aerosole minimiert – obwohl es natürlich auch unter den Sängern mehr und weniger Ängstliche gebe.

„Wir sind ein ziemlich repräsentativer Querschnitt durch die Bevölkerung. Natürlich gibt es von allem etwas“. Alle wüssten um die Gefahren und täten das Nötige, um eine weitere Verbreitung des Virus einzudämmen“, berichtet er von seinen Ensembles. Die meisten Nachrichten, die er von Sängern momentan bekomme, bezögen sich dennoch darauf, wie sehr sie das Singen vermissten. Zu Beginn der Pandemie seien außerdem viele enttäuschte Reaktionen auf das ausgefallene Konzert Mitte März gekommen. „Inzwischen sind es vor allem Nachfragen den Herbst betreffend, wo wir wieder auf einen regelmäßigen Probenbetrieb hoffen – zur Not auch eingeschränkt –, aber auch ganz persönliche Nachrichten, wie es uns mit der Situation privat geht. Natürlich freut uns das sehr!“ Doch immerhin: Ganz ohne Musik musste und muss keine Gemeinde auskommen. „Mit den Orgeln sind wir nicht eingeschränkt“, freut sich Frede, zu dessen Aufgaben auch die Organisation der Organisten im Bistum gehört –  die auf ihren Emporen ja selten Abstandsprobleme haben.  

Gerade während der Zeit, als keine Gläubigen in die Kirchen durften, wurden die Kirchenmusiker im Bistum ihrem Ruf als Kreative aber auch außermusikalisch voll und ganz gerecht: „Wir haben ja überall in der Diözese Livestreams an‘s Laufen gebracht“, erzählt Frede. „Da haben ganz viele Enkel den Großeltern Tablets eingerichtet, auf denen sie sich mit einem Knopfdruck auf den Gottesdienst schalten können.” Das gehe auch jetzt noch weiter, obwohl die Gottesdienste wieder zugänglich seien.

Neue Gottesdienstformen

Einige der Kirchenmusiker hätten dabei auch ganz neue Gottesdienstformen ersonnen, ein bisschen Musik gemacht, den Diakon oder Pfarrer der Gemeinde dazu geholt – „und daraus entstanden neue Formen, Wortgottesdienste, die die Leute zuhause am Computer angeschaut haben“, erzählt Frede. Das habe vielen, gerade älteren Gläubigen auch die Angst vor dem Medium genommen.

Beim Präsenzgottesdienst allerdings habe man wegen der Corona-Einschränkungen als Kirchenmusiker gerade mit ziemlichen Umständen zu kämpfen, seufzt Frede, „weil man so zwischen Desinfektion und Handschuhen und Liedzetteln, die man nicht verteilen darf, einfach immer etwas falsch machen kann“. Auch der momentan sehr bescheidene Besuch mache die Sache manchmal diffizil: „Wir haben zur Zeit gerade in Kirchen, die ihre Bänke an der Wand haben, nur zehn Leute, und wenn die dann noch mit Mundschutz singen, hört der Organist gar nichts mehr.” Dann sei es schwer, den Gemeindegesang gut zu begleiten. Das größte Problem der Organisten war gleichwohl ein nichtmusikalisches: die Desinfektion der Instrumente. „Im Kollegenkreis haben wir schnell festgestellt, dass das bei den Spieltischen unmöglich ist“, erinnert sich Frede. Das 95-prozentige Isopropanol, das man dafür brauche, greife nämlich die Spieltische, die Tastenoberflächen an. Dazu hat ein Orgelspieltisch unzählige Kanten, Ritzen und Ecken – unmöglich, da jedes Virus zu erwischen. Was also tun?

Spiel mit Einmalhandschuhen

„Wir spielen einfach mit Einmalhandschuhen“, meint der Kirchenmusiker. „Wir haben das ein paar Tage lang ausprobiert. Und nachdem ich sonntags im Dom mal eine Triosonate damit gespielt habe, haben wir beschlossen, dass das jetzt allgemeiner Standard wird – und, wenn es sein muss, auch noch ein Mundschutz.” Wenn man nicht schwerste Sachen spiele, funktioniere das ganz gut, und es habe sich auch schon jenseits von Corona bewährt, schmunzelt der Diözesanmusikdirektor: „Wir haben Leute, die jetzt während der Corona-Zeit Masern oder Scharlach hatten – Krankheiten, bei denen Handschuhe und Mundschutz auch nicht falsch waren!“.

Auch Orgelunterricht und C-Kurs wurden im Bistum inzwischen wieder aufgenommen, mit Schutzmaske, Handschuhen und Abstand, erzählt Frede weiter. „Die Kinder haben ihren Spaß dabei, klar!“. Für die Lehrer sei ein Nachmittag hinter der Maske schon anstrengender – oder auch das Prozedere, wenn sie etwas zeigen möchten: „Schüler von der Orgelbank runter, zwei Meter weg, dann Lehrer auf die Bank, spielt etwas vor – und dann sagt der Schüler: du, Gregor, ich kann‘s aber von hier nicht sehen, das ist zu weit weg ...“ Das sei schwierig. Aber mit viel gutem Willen, auch von den Schülern, funktioniere es.

Motivierte Schüler

Und letztendlich könnten er und seine Kollegen der Situation doch auch etwas sehr Gutes abgewinnen: „Ich merke jetzt: Die Orgelschüler wollen einfach“, freut sich Frede. Die Kirchenmusiker hätten fast nur noch „schrecklich wissbegierige Schüler”, weil die so lange keinen Unterricht hatten: „Die sind momentan wie Schwämme, und man muss gar keinen Handstand mehr machen, um sie zu motivieren!“    

Andrea Braun

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