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Marienfiguren

Bildergalerie – ein Blick zurück

Zum 80. von Bischof em. Friedhelm Hofmann hat das Sonntagsblatt ins Archiv geschaut.

    Zum 80. von Bischof em. Friedhelm Hofmann hat das Sonntagsblatt ins Archiv...

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    Kommentar von Ulrich Bausewein

    Neugeboren und verwundbar

    „Du hast den Farbfilm vergessen“. So heißt ein alter ostdeutscher Schlager, der kürzlich zu hohen Ehren kam.

    Angela Merkel wünschte sich das Lied zu ihrer Verabschiedung als Kanzlerin beim Großen Zapfenstreich der Bundeswehr. „Du hast den Farbfilm vergessen“ ist ein scheinbar unsinniger Song. Er erzählt, wie eine Frau ihrem Liebsten bittere Vorwürfe macht. Dieser hatte doch glatt den Farbfilm für den Fotoapparat zu Hause liegen lassen, und daher bleiben beiden vom gemeinsamen Urlaub nur Schwarzweißbilder. Große häusliche Krise wegen eines kleinen Versehens.

    Doch in dem Lied steckt eine tiefere Botschaft. Der Alltag in der DDR wurde von vielen als grau und trist empfunden, so dass ein Urlaub Farbe in ihr Leben brachte. Ein vergessener Farbfilm konnte da wie eine Katas­trophe erscheinen. Bekanntlich gibt es in unserer Welt Szenen, die selbst der hochwertigste Farbfilm nicht freundlich abbilden könnte: volle Intensivstationen, von Fluten weggeschwemmte Häuser, triumphierende Taliban in Afghanistan. Das Weltgeschehen zeigt uns: Wir Menschen sind verwundbar und mit uns unsere Wohnungen, Wertordnungen und der Planet Erde insgesamt.

    Was das mit Weihnachten zu tun hat? Christen bekennen an diesem Fest, dass Gott zum Menschsein Ja gesagt hat – und damit auch zur menschlichen Verwundbarkeit. So stellen Christen Gott an Weihnachten als neugeborenes Kind dar, als besonders hilfloses und abhängiges Geschöpf. Das Kind in der Krippe steht für unsere eigene Verwundbarkeit. Diese verschwindet an Weihnachten nicht. Wir leben mit der Gewissheit, dass Glück zerbrechlich ist. Weihnachten fordert uns auf, diese Verwundbarkeit anzunehmen. Ein Farbfilm in unserem Kopf kann uns dabei helfen – trotz aller schlimmen Szenen in der Welt. Ein Farbfilm im Kopf macht Mut und bleibt auch nicht zu Hause liegen. Glaubende können diesen Film benennen: Vertrauen in Gottes Güte.

    Ulrich Bausewein