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Die Spitalkirche St. Jakobus in Karlstadt bleibt dank Kunstprojekten lebendig

„Moderne Engel sind gar nicht so leicht“

Ein Mal im Monat feiern die Karlstadter in der Spitalkirche St. Jakobus ein Totengedenken. Die kleine Kirche in Sichtweite zum Oberen Stadttor ist für die Gemeinde ein besonderer Ort der Erinnerung und der Trauer. Seit einigen Jahren unterstreichen Kunstprojekte diese besondere Funktion des Gotteshauses.

Für die Einheimischen ist die Spitalkirche St. Jakobus ein Ort des Trauerns und des Gedenkens. Als solcher sei ihr Erhalt für die Bürgerschaft eine Herzenssache, sagt der Vorsitzende der Kirchenstiftung, Manfred Goldkuhle. Um die Kirche immer wieder neu zu gestalten, ließen sich die Karschterm wie sie sich selbst nennen, einiges einfallen: „Für uns als Kirchenstiftung ist es wichtig, dass wir immer wieder neue Möglichkeiten finden, die Kirche in eine Funktion zu stellen. Das ist die Hauptsache. Sonst wäre sie ja ein Museum und das wollen wir ja nicht“, erklärt der ehemalige stellvertretende Bürgermeister von Karlstadt.

Gedenken, Trauern

Schon vor einigen Jahren begann man mit der Neugestaltung der Kirche. Gemeinsam mit der Bürgerschaft wurden Bäume aus dem Stadtwald als hölzerne Säulen aufgestellt. An diesen können die Karlstädter Gedenkplaketten für ihre Verstorbenen aufhängen. Solche Projekte sollen die Kirche in ihrem Sinn bestärken, erklärt Goldkuhle.

Die Idee des neuesten Projekts, zwei künstlerische Engelsfiguren, sei wie die Holzstämme, eigentlich schon ein paar Jahre alt. Wirklich Gestalt nahm ihre Realisierung erst unter Simon Mayer an, der seit sechs Jahren als Pfarrer in Karlstadt wirkt. Er sei es auch gewesen, der die moderne Ausgestaltung der Kirche rund um das Thema „Gedenken und Trauer” mit theologischem Inhalt gefüllt habe, erzählt Goldkuhle. „Das Programm der Kirche war eigentlich vorgegeben durch die historische künstlerische Ausstattung“, beginnt Mayer. An der linken Wand der Kirche sehe man ein großes, mittelalterliches Fresko von der Passion Christi: Leiden und Tod.

Davor auf einem Seitenaltar ist die Sebastiani-Marter dargestellt, ein weiteres Zeichen des Leidens. Die andere Seite der Kirche wird vom Engelskampf mit dem heiligen Michael geschmückt, der um die unsterblichen Seelen kämpfe. Daneben findet sich die Gottesmutter als „Ersterlöste“. Vorne rechts befindet sich der Allerheiligen-Altar, der die Ankunft der Heiligen im Himmel zum Thema hat. Auf dieser Seite zeige sich das ewige Leben, merkt Mayer an. In der Mitte hinter dem Hauptaltar steht ein Bildnis der Familie Jesu auf Wanderschaft, im Zeichen des „heiligen Wandels. Wir sind als Pilgernde unterwegs, auf dem Weg hin zum Ewigen Leben”, erklärt der Geistliche. So habe sich die Jakobuskirche als Ort des Trauerns und Gedenkens auch bildlich entwickelt, Tod, Wandel und Ewiges Leben.

Die Begleiter Jesu

Die Idee, diesen Bildern jetzt Engelsfiguren zur Seite zu stellen, habe sich aus der in Karlstadt wieder eingeführten Karfreitagsprozession ergeben, bei der ein gotischer Grabes-Jesus von der Pfarrkirche St. Andreas nach St. Jakobus gebracht werde. Klassisch werde der tote Heiland mit trauernden Engeln dargestellt, das habe man mit den neuen Engelsfiguren nun aufgreifen wollen, so Mayer. Eine moderne Darstellung habe man dabei von Anfang an geplant, erzählt der Pfarrer: „Diese Jesus-Figur aus dem 16. Jahrhundert kann man jetzt nicht mit etwas Nachgeschnitztem im gleichen Stil, begleiten, sondern wir wollten da etwas Modernes haben, was die Darstellung in die moderne Zeit hinüberbringt. Dabei haben wir aber auch festgestellt: Moderne Engel sind gar nicht so leicht.“

Ein Phänomen

Diese nicht ganz so leichte Aufgabe übernahm der ehemalige Karlstädter Kunstlehrer und heute freischaffende Künstler Wolfgang Merklein: „Ich habe in meiner Malerei schon eine ganze Serie von Engelbildern gemalt. Jeder von uns hat irgendwann in seinem Leben das Thema Engel an die Seite gestellt bekommen, ob das jetzt ein Schutzengel ist, ein trauernder Engel oder eine Erscheinung. Der Engel ist für mich immer ein Phänomen gewesen.“

Im Licht Präsent

Für die Jahrhunderte alte gotische Jesusfigur habe er sich, wie Pfarrer Mayer, eine moderne Engelsdarstellung vorgestellt. Die Flügel stellte Merklein aus Edelstahl her, da dieser vielseitig und vor allem im richtigen Licht gut zu präsentieren sei. Hilfe bekam Merklein vom 22 Jahre jungen Florian Lummel. Der gelernte Spengler und aktuelle BWL-Student aus dem Familienunternehmen Metall Lummel in Karlstadt, half beim Biegen der Flügel und auch bei der Herstellung der Engelskörper aus Aluminiumblech. „Es hat mir persönlich wahnsinnig Spaß gemacht, mit Herrn Merklein die Figuren umzusetzen, auch weil von der Kirche der Mut zum Unkonventionellen da war. Ein Bildnis aus Blech war für mich als Spengler natürlich ein besonders schönes Detail“, erzählt der Student.

Nichts Fertiges

Das fertige Projekt lässt sich nun in der Jakobskirche bewundern. Vielseitige Initiativen wie diese seien wichtig für den Erhalt der Kirche, erzählt Pfarrer Mayer: „Wir wollen hier nichts Fertiges, wir wollen etwas, dass sich entwickelt, das weitergeht.“ Viele Leute, vor allem Touristen kämen, um die Kunst in der Kirche zu sehen, was dem Bau oft wichtige Spenden für seinen Erhalt sichere, so Mayer weiter. Auch für die Karlstädter sei ihre Jakobuskirche etwas Besonderes: „Diese Kirche ist stark im Bewusstsein der Karlstädter. Das heißt, wenn wir hier irgendwas anstellen sagen viele Leute sofort, da machen wir mit. Das ist für mich ein schönes Zeichen, dass sich hiermit auch die Bürgerschaft identifiziert.“     

Raphael Schlimbach

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