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Der ehemalige Pfarrer Wolfgang Wackerbauer hat bewegte Jahre hinter sich. Mit einem Projekt gibt er etwas von dem weiter, was er selbst an Gutem empfangen hat

Mit Lebendigkeit und Liebe

Obwohl er schon seit 16 Jahren nicht mehr in Deutschland lebt, dürfte sein Name noch vielen im Bistum Würzburg ein Begriff sein. 2003 verließ Wolfgang Wackerbauer seine Heimat in Richtung Peru, gab für die Liebe zu einer Frau sein Priesteramt auf und blieb doch ein glaubwürdiger Verkünder der Frohen Botschaft. Jetzt möchte er mit seinem neuen Projekt PRAMSU 66 wieder junge Menschen für Toleranz und Nächstenliebe begeistern.

Wolfgang Wackerbauer hat als Seelsorger bleibende Glaubens-Spuren im Bistum Würzburg hinterlassen. 1953 in Frammersbach (Dekanat Lohr) geboren und 1978 zum Priester geweiht, wirkte er als Priester und Religionslehrer in Würzburg und Schweinfurt, war Dekanatsjugendseelsorger, Schönstattanhänger und rief beliebte Pilgertage nach Rom, Assisi und Vierzehnheiligen ins Leben.

Mit seiner Lebendigkeit und Wahrhaftigkeit, seiner Liebe zur Musik und Begeisterungsfähigkeit inspirierte er unzählige Jugendliche, Gott in ihrem Leben neu zu entdecken. Zugleich kämpfte der umtriebige Seelsorger mit Zweifeln und sehnte sich immer wieder nach Zärtlichkeit und Liebe. „Letztlich hatte ich dieses für mich so vitale Thema bei meinem Zölibats-Versprechen unterschätzt“, berichtet Wackerbauer im Rückblick. „Ich habe jahrelang versucht, es zu halten, aber mein Herz hatte andere Pläne und so bin ich am Ende doch an der Seite einer Frau gelandet.“

Musik und Bücher

Im November 2002 hatte sich der Priester für eine fünfjährige Auszeit nach Peru verabschiedet und verliebte sich im Juli 2004 in die Peruanerin Susana. Obwohl dies den Bruch mit dem Priesteramt bedeutete, ist er heute glücklich, dass es so gekommen ist: „Das Ausscheiden aus dem priesterlichen Dienst war die schwerste Entscheidung meines Lebens“, sagt Wackerbauer, der sich in Peru nur noch Amadeus (lat.: der von Gott Geliebte), nennt. Doch die Liebe zu Susana und den gemeinsamen Kindern José-Patrick (13 Jahre) und Maria José (11 Jahre) seien es wert. Im Oktober 2005 stellte Wackerbauer den Antrag auf Laisierung (Dispens), der erst im Juli 2014 vom Vatikan positiv beschieden wurde. Erst zu diesem Zeitpunkt war dann der Weg für eine kirchliche Hochzeit frei. Das Paar heiratete schließlich im Mai 2017 in Frammersbach.

Den Lebensunterhalt für die Familie bestritt Wackerbauer mit Musikstunden, musikalischen Auftritten und Büchern, in denen er immer wieder Zeugnis von der Frohen Botschaft ablegte. Sehr dankbar ist er auch für die Hilfe seiner deutschen Familie und guter Freunde. Vor einigen Jahren wurde er außerdem von der Diözese Würzburg in den Kreis der Missionare aufgenommen. Auch wenn ihm das Wort Missionar nicht so wirklich gefällt, trifft das die Sache recht gut: „Ich sehe mich als Weggefährte und Pilger der Liebe, der mit anderen pilgert und sich dabei über den je eigenen Weg austauscht, um sich gegenseitig zu bereichern“.

Botschaft Gottes

Mit seinem neuen Projekt will Wackerbauer nun vieles von dem weitergeben, was er selbst in seinem Leben empfangen hat. „Eines meiner Prinzipien war immer, das, was mir geschenkt wurde, anderen großzügig weiterzugeben“, erzählt Wackerbauer. Aus diesem Grund will er das im Sommer 2017 erworbene Haus künftig mit jungen Freiwilligen aus Deutschland und Europa teilen, die in Peru einen sozialen Einsatz absolvieren wollen. Getragen fühlt er sich dabei von der „Gewissheit, dass hinter allem, was mir geschieht, die Botschaft Gottes steht, der hinter meinem Leben steht und es beständig zum Guten hinleiten will“.

Das Projekt mit dem Titel „PRAMSU 66“ – die Buchstaben stehen für „Projekt Amadeus & Susana“, die Zahl spielt auf Wackerbauers nächsten Geburtstag an – ist für den Familienvater wie „eine große neue Tür, die sich öffnet“, in der sich viele seiner Lebenslinien bündeln; so könne er in der Begleitung der Freiwilligen, in Peru Voluntarios genannt, seine jahrzehntelange Erfahrung aus Jugendarbeit und Schule einbringen.

Um Raum für die Voluntarios zu schaffen, hat die Familie mit Hilfe der finanziellen Unterstützung vieler Freunde und Weggefährten ihr Wohnhaus erweitert und vier neue Zimmer geschaffen.

Projektorganisation

Damit das Projekt auch organisatorisch auf festen Beinen steht, hat Wackerbauer Kontakt zum Referat „Mission, Entwicklung, Frieden“ im Bistum Würzburg aufgenommen. Dort war man froh über die Initiative: „Solche Leute – und zwar ganz egal ob Priester oder laisiert – brauchen wir“, sagt Diözesanreferent Alexander Sitter, der als Kooperationspartner am Weltfreiwilligendienst des BDKJ der Diözese beteiligt ist. Sitter vermittelte Wackerbauer weiter zum Verein „Main-Spessart für Peru“, eine von vielen kleineren Partnerorganisationen, die als Schnittstelle zwischen Freiwilligen und Einsatzort fungieren.

Die 2005 gegründete Gruppe hat sich auf die Fahnen geschrieben, benachteiligte Kinder und Jugendliche in Peru zu unterstützen. „In Tinki betreuen wir gemeinsam mit der Abtei Münsterschwarzach ein Gesundheitsprojekt, in Huara unterstützen wir ein Bildungsprojekt für Straßenkinder“, berichtet die zweite Vereinsvorsitzende Katrin Fuchs. Außerdem hat der Verein über mehrere Jahre hinweg Jugendliche als Freiwillige nach Peru vermittelt. Auf der Suche nach einem neuen Partner vor Ort war Wolfgang Wackerbauers Projekt passend. „Sowohl die Jugendlichen als auch die Einsatzländer profitieren enorm von einem solchen Aufenthalt“, sagt Fuchs. Außerdem trage man zu Völkerverständigung und Toleranz bei.

Ende 2019 werden die ersten beiden Freiwilligen für jeweils fünf Monate nach Peru reisen. Die Kosten müssen von den Voluntarios (noch) selbst getragen werden; sobald PRAMSU 66 in das „weltwärts“-Projekt eingegliedert wurde, werden die Kosten dann übernommen. Spanischkenntnisse sind hilfreich, aber nicht zwingend notwendig. Sehr viel wichtiger sind für Wackerbauer die Offenheit gegenüber Neuem, Ehrlichkeit, Dialogbereitschaft und Einsatzfreudigkeit im Blick auf eine bessere Welt. „Da ich ein Allround-Musiker bin, wäre ich natürlich froh, wenn die jungen Leute gerne singen, ein Instrument spielen und vielleicht hier ein weiteres lernen.“

Mitarbeit in der Schule

All dies erleichtert auch die Mitarbeit in der nahegelegenen Sonderschule in Trägerschaft der Diözese Trujillo. „Die Arbeit, die die Jugendlichen dort erwartet, ist anspruchsvoll und anstrengend, aber die Mühe lohnt sich: Wenn die Kinder merken, dass sich ihnen jemand ehrlich öffnet, dann blühen sie auf“, weiß Wackerbauer aus Erfahrung.

Zwei bis drei Voluntarios können im Wohnhaus der Familie im Stadtteil La Esperanza im Außenbezirk der Großstadt Trujillo wohnen. „Die Menschen leben hier einfach, gehören aber auch nicht mehr zu den ganz Armen, die weiter draußen an den Rändern der Stadt zu finden sind“, berichtet Wackerbauer. Verlockend dürfte sicherlich auch die Nähe zum Pazifik und zur Surfer-Hochburg Huanchaco sein. Zugleich ist man in einer guten Stunde mitten in der Sierra, zum Beispiel bei der „Virgen de la Puerta“, einem Marienheiligtum, in Otuzco. Je nach Gusto können sich die jungen Leute ins Familienleben einbringen oder selbst Ausflüge unternehmen. „Selbstverständlich achten wir darauf, dass sie dabei nicht in gefährliche Situationen geraten“, verspricht Wackerbauer.    

Anja Legge

Interesse am Freiwilligeneinsatz in Peru? Infos gibt es hier: BDKJ Würzburg, Kilianeum – Haus der Jugend, Ottostraße 1, 97070 Würzburg, Telefon: 0931/ 386-63141, E-Mail „bdkj@bistum- wuerzburg.de“, Internet „www.bdkj-wuerzburg.de“; Main-Spessart für Peru e. V., E-Mail „msp.peru@gmx.de“, Internet „www.msp-fuer-peru.de“.

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