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      Studierende der Universität Würzburg haben sich mit antijüdischen Vorurteilen auseinandergesetzt

      Mit der App „Actionbound“ gegen Judenfeindlichkeit

      Was hat das Heißgetränk „Pharisäer“ mit der biblischen Gruppierung zu tun? Ruft das Bibelzitat „Auge für Auge, Zahn für Zahn“ zu Rachetaten auf? Und wovon ist die Rede, wenn etwas nicht „koscher“ ist? Studierende der katholischen Theologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg sind antijüdischen Stereotypen im Alltag auf die Spur gekommen. Die Ergebnisse haben sie zu sogenannten Bounds verarbeitet.

      Bounds sind eine Art digitale Schnitzeljagd und vergleichbar mit dem besser bekannten Geocaching. Vier solcher Rallys haben Studierende in Würzburg entwickelt. In einem Seminar im Sommersemester 2021 haben sie sich mit antijüdischen Stereotypen zum Judentum auseinandergesetzt. Die untersuchten Vorurteile sind Namen, Formulierungen und Traditionen, die im Laufe der Zeit der Bibel entnommen und missbraucht worden sind. Entstanden sind die vier Themenfelder: 1) Du wirst zu einer jüdischen Beschneidung eingeladen... und jetzt?! 2) Auge um Auge? 3) Wer waren die Pharisäer? 4) Mahlzeit! Jüdische Speisegebote.

      Kooperation zwischen Uni und Diözese

      Alle Interessierten können die vier Bildungsrouten in der App Actionbound finden und spielen. Denn ein Ziel des Seminars war es, die wissenschaftlichen Ergebnisse für ein breites, nicht-fachliches Publikum zugänglich zu machen und so mit antijüdischen Vorurteilen aufzuräumen. Die einzelnen Bounds führen durch die Würzburger Innenstadt. Allerdings lassen sich die einzelnen Wegstrecken auch überspringen, sodass es sich bequem von zu Hause spielen lässt. Während des Spiels gibt es immer wieder kleine Rätsel zu lösen.

      Verantwortlich für die Lehrveranstaltung war Prof. Dr. Barbara Schmitz, Inhaberin des Lehrstuhls für Altes Testament und Biblisch-Orientalische Sprachen in Kooperation mit Oliver Ripperger, Leiter der diözesanen AV-Medienzentrale, und Dr. Dietmar Kretz, Studienleiter der Akademie Domschule. Anlass sei das Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ gewesen. „Wir haben uns die Frage gestellt, wie eine moderne Erinnerungskultur aussehen kann“, erklärt Barbara Schmitz die ungewöhnliche Form ihres Seminars. Dietmar Kretz ergänzt: „Oliver Ripperger und ich haben bereits einige Erfahrung mit solchen Bounds gemacht. Sie sind kein klassisches, aber ein gutes und vor allem nachhaltiges Bildungsformat.“

      Klischees und komplexe Technik

      Zunächst hätten sich alle Studierenden in Gruppen aufgeteilt, erzählt die Studentin und Teilnehmerin Lea Brenner. Jede Gruppe habe dann ein Klischee beleuchtet und die Ergebnisse im Plenum vorgestellt. Anschließend sei es direkt um die technische Umsetzung gegangen. Ihre Kommilitonin Susanne Bullin wirft ein, dass sie inhaltlich zu tief eingestiegen seien. Dadurch sei eine Fülle an Wissen entstanden, das zu komplex und zu umfangreich für solche Spiele gewesen sei. „Das ließ sich so alles gar nicht umsetzen.“ Umso wichtiger sei es gewesen, die Zielgruppe deutlich vor Augen zu haben und die Inhalte entsprechend zuzuschneiden. Es sei eine Herausforderung gewesen, das angeeignete Wissen so weiterzuverarbeiten, dass es prägnant und leicht verständlich sei.

      Zusätzlich habe insbesondere die technische Umsetzung einige Nerven gekostet. „Manchmal musste ich Dinge dreimal hochladen, weil es nicht funktionierte“, merkt man Susanne Bullin den vergangenen Frust an. Mitstudent Markus Wissel ergänzt: „Die Einbettung in Actionbound war eigentlich gut machbar. Aufwändig war vor allem die Produktion.“

      Höhere Sensibilität für Antijudaismus

      Dennoch ziehen die drei Studierenden ein positives Gesamtfazit. Lea Brenner benennt vor allem die intensive Auseinandersetzung mit der Thematik als lohnenswert. Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung sei das praktische und technische Arbeiten eine positive Abwechslung gewesen. Das gebe es im universitären Kontext sonst eher selten, freut sich Markus Wissel. Eine höhere Sensibilität für antijüdische Stereotype nimmt Susanne Bullin wahr. „Es ist erschreckend schwierig, wirklich vorurteilsfrei zu kommunizieren.“ Lea Brenner vermutet, dass antijüdische Bilder häufig eher unbewusst genutzt würden. Aber gerade deshalb sei Aufklärung umso wichtiger.

      Die Pharisäer zum Beispiel sind eine jüdische Gruppierung, die sich streng an die Gesetze der Tora hielten. Bereits innerhalb des Neuen Testamentes und insbesondere im Laufe der Zeit entstand das Bild der scheinheiligen Heuchler. Das negative Bild der Pharisäer diente dem entstehenden Christentum zur Abgrenzung. Das namensgleiche Kaffeegetränk mit Rum ist der Legende nach auf einer Tauffeier entstanden. Die Feiergesellschaft wollte trotz des strengen und abstinenten Pastors auf das Kind anstoßen. So wurde der Rum im Kaffee versteckt. Als der Pastor die List erkannte, soll er „Oh, ihr Pharisäer!“ ausgerufen haben. Somit ist also ein antijüdisches Bild die Grundlage des alkoholhaltigen Kaffeegetränks.

      Alexandra Thätner

      Die App „Actionbound“ bietet multimediale Erlebnistouren – sogenannte Bounds. Die findet man über eine Stichwort- oder Namenssuche, das Scannen eines QR-Codes oder die Suche nahegelegener Bounds in einer Karte. Jede Person mit einem Profil kann Bounds erstellen. Es entstehen interaktive Schnitzeljagden, Bildungsrouten oder Multimedia-Führungen. Die AV-Medienzentrale des Bistums hat bereits einige Bounds angelegt. Hier geht es zum Bound: „Du wirst zu einer jüdischen Beschneidung eingeladen ... und jetzt?!

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