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Kommentar von Ulrich Bausewein

Mit dem Wildwuchs leben

Scheitern ist im Leben so alltäglich wie Wildwuchs im Wald. Ein Ziel nicht zu erreichen oder einem Anspruch nicht zu genügen, ist eine zutiefst menschliche Erfahrung. Doch der Umgang mit Scheitern ist oft schambelastet.

In unserer Gesellschaft sei Scheitern ein Tabu, sagte vor einiger Zeit die Psychotherapeutin Irmtraud Tarr der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Weil beim Scheitern immer die Schuldfrage im Hintergrund stehe, nach dem Motto: „Du hattest alle Möglichkeiten, und trotzdem hast du es vermasselt.“

Einfach zu lösen ist dieses Problem nicht, selbst wenn man die Bibel aufschlägt. Im Evangelium begegnet uns Jesus, der beim Fasten in der Wüste vom Bösen in Versuchung geführt wird. Auffallend ist, dass Jesus nicht scheitert. Er behält die Oberhand und schmettert den Versucher ab. In der Wüste siegt Jesus über das Böse, wie er an Ostern über den Tod siegen wird.

Jesus – ein Siegertyp? Nein, bei genauem Hinsehen ist das Leben Jesu nicht frei von Scheitern. Die Evangelien berichten öfter von Ablehnungen oder Anfeindungen, die Jesus entgegenschlagen. Ganz zu schweigen von seinem Leiden bis hin zur Kreuzigung. Auch Jesus steht
manchmal gescheitert da.

Aber: Jesus scheitert nicht, weil er irgendetwas vermasselt hätte. Die Scham, die Menschen den Umgang mit ihrem Scheitern erschwert, ist seinem Leben fremd. Kein Wunder: Die Evangelien zeigen Jesus als Mensch mit göttlicher Vollmacht. Das unterscheidet ihn. Für ihn gilt ein überirdischer Maßstab.

Und was gilt für uns? Beim Umgang mit dem Wildwuchs im eigenen Leben können helfen: Ehrlichkeit, die Bereitschaft, um Entschuldigung zu bitten, und die Begegnung mit Menschen, die Scham und Scheitern erlebt haben – und dazu stehen können. Letzten Endes sollten wir uns unsere Schiffbrüche verzeihen können, rät die Psychotherapeutin Tarr. Können wir das nicht, messen wir uns vielleicht mit einem überirdischen Maßstab.

Ulrich Bausewein

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