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      Erstmals findet im Bistum eine „Querwaldein-Exkursion“ zur schöpfungsfreundlichen Waldpflege statt

      Mit dem Hüter des Heiligenhölzchens unterwegs

      Wenn demnächst 15 Naturbegeisterte durch den Wald bei Güntersleben stapfen, sind die Dürresommer 2019 und 2020 schuld. Durch sie kam es bei Christof Gawronski, Umweltreferent der Diözese Würzburg, vermehrt zu Anfragen zum Forst. So besitzen zum Beispiel Kirchenstiftungen neben Gottes- und Pfarrhäusern meist auch Land, darunter nicht selten Waldstücke. Wie in Zukunft damit umgehen, wollten Kirchenverwaltungs-Mitglieder von Gawronski wissen. Der organisierte daraufhin eine „Querwaldein-Exkursion“ zur schöpfungsfreundlichen Waldpflege für Waldbesitzer, Waldverantwortliche in Kirchengemeinden und andere Naturinteressierte. Am 1. Juli geht es ins „Heiligenhölzchen“.

      „Schöner Name, nicht?“, sagt Karl-Georg Schönmüller. Der 55-jährige Forstingenieur und Leiter des Forstbetriebs der Stadt Würzburg unterstützt die katholische Kirchenstiftung Sankt Maternus in Güntersleben (Dekanat Würzburg rechts des Mains) als ehrenamtlicher Waldverantwortlicher. Das zehn Hektar große Waldstück mit fränkischem Laubwald heißt so, weil es sich als Stiftungswald schon lange in Kirchenbesitz befindet. Wenn Schönmüller über das Heiligenhölzchen spricht, hört man an der ruhigen Art wie er seltene Käfer, Feldahorn, Füchse und sogar kleine Mäuse aufzählt, bescheidenen Stolz auf dieses Stückchen Wald heraus. Für ihn ist es ein „Kleinod“.

      Der Stolz ist gerechtfertigt. 2016 hat der Günterslebener Kirchenwald den zweiten Platz beim Bayerischen Biodiversitätspreis des Umweltministeriums erreicht. Wie Vielfalt im Wald aussieht, dafür ist das Heiligenhölzchen Beispiel. Von seltenen Bäumen, lebensspendendem Totholz oder widerstandsfähigen Neupflanzungen wollen Schönmüller und Umweltreferent Christof Gawronski bei der Exkursion einen Eindruck vermitteln – und davon wie wichtig Vielfalt im Wald für die Schöpfungsbewahrung ist. Nachahmung durchaus erwünscht.

      Schöpfung verherrlicht Gott

      Gawronski hofft, dass die Teilnehmer, die selbst Wald besitzen oder verwalten, Anregungen mitnehmen, was sie aus ihrem Wald machen können – etwa bei der Aufforstung. Aber auch wer selbst keinen Wald gestalte, könne im Heiligenhölzchen sein „Auge schulen für die Besonderheiten und Schönheit der Wälder.“ Die Schöpfung verherrliche ja letztlich Gott, gibt der Pastoralreferent zu bedenken. Es gelte daher „den Lebensraum für möglichst viele Arten zu erhalten.“ In seiner Umwelt-Enzyklika „Laudato si“ habe Papst Franziskus klar gemacht: „Jedes Teil, das fehlt, ist wie aus einem Mosaik gebrochen“.

      Im Heiligenhölzchen bemühen sie sich, das Mosaik nicht zu zerbrechen. „Wir haben 20 Prozent seltene Baumarten“, berichtet Forstfachmann Schönmüller, zum Beispiel Elsbeere und Speierling. Auch Wildbirnen gibt es. Füchse, Dachse und Mäuse lieben die Früchte der „Säu-Birli“, wie sie in Güntersleben seit jeher heißen. Durchschnittlich liege der Anteil seltener Baumarten in Franken bei lediglich zwei Prozent, sagt der ehrenamtliche Waldverantwortliche.

      Schönmüller ist seinen Vorgängern dankbar, dass sie den Kirchenwald gut gepflegt haben. Seit 1991 kümmert er sich um ihn. Lange hat er in Güntersleben gelebt und irgendwann sagte der Pfarrer dann: „Du musst da jetzt mal ran.“ Dass Schönmüller vom Fach ist, ist ein Vorteil. Denn der Wald hat es – nicht nur in Unterfranken – momentan nicht leicht. Die Dürre macht den Bäumen zu schaffen. Unterhalb von 40 Zentimetern ist der Waldboden trocken, daran haben, laut Schönmüller, auch die Regenfälle der vergangenen Wochen nicht viel geändert. Die Vegetation brauche das Wasser sofort wieder auf, erklärt der Fachmann. Grundwasser bilde sich nur im Winter.

      Wie auf Trockenheit reagieren?

      Wie soll man auf die zunehmende Trockenheit reagieren? Die Frage beschäftigt momentan viele, die für den Wald Verantwortung tragen – natürlich auch im Günterslebener Kirchenwald. Zwar haben sie dort keine Fichten, und daher kein Problem mit dem Borkenkäfer, wie Schönmüller berichtet. Doch auch ohne diesen „absoluten Problembaum“ hinsichtlich des Klimawandels herrschen im Heiligenhölzchen nicht nur paradiesische Zustände. Neben den seltenen Baumarten stehen dort vor allem Eichen und Buchen. Durch die Dürre in den vergangenen Jahren ist ein Großteil der über 150-jährigen, durch ihr hohes Alter ökologisch besonders wertvollen Buchen abgestorben. Vor allem die sehr empfindlichen Buchenblätter vertragen Hitze schlecht.

      Was also tun? Einheimische Bäume pflanzen, die besser mit Wasserknappheit und steigenden Temperaturen klar kommen. „Durstkünstler“ nennt Schönmüller Speierling, Els- oder Mehlbeere. Den Exkursionsteilnehmern will er zudem sein „Aschenputtel des Waldes“ zeigen. Damit meint er den Feldahorn, von dem es im Heiligenhölzchen einige gibt. In Franken kommt der Baum häufiger vor, im Rest Deutschlands kaum. Schönmüller findet, dass der Feldahorn unterschätzt wird: Er komme mit Trockenheit gut zurecht und habe die Dürrejahre gut überstanden; außerdem liefere er gutes und schönes Holz. Ein nicht ganz unwesentlicher Aspekt, da der Kirchenwald – bei aller schöpfungsfreundlichen Pflege – auch wirtschaftlich genutzt wird, etwa für Brennholz. Dabei achten sie in Güntersleben darauf, dass nicht mehr als 50 Prozent des jährlichen Holzzuwachses genutzt werden. Der Gewinn fließt zurück in den Wald.

      Enkeltauglicher Wald

      An manchen Stellen darf das Heiligenhölzchen aber auch einfach nur Wald sein, „vor sich hinwachsen“, wie Schönmüller sagt. Biotopbäume, in denen Fledermäuse, Spechte oder Hornissen Wohnung finden, gibt es im Heiligenhölzchen doppelt so viele wie andernwalds im Durchschnitt. Und auch die alten, dicken Buchen haben noch eine Aufgabe. „Im Sterben haben sie eine hohe Wirkung“, weiß der Fachmann. Die abgestorbenen Riesen dürfen stehen bleiben, damit Neues entsteht. Denn: „Totes Holz ist voller Leben“; zum Beispiel voller Käfer. Der seltene Hirschkäfer etwa brauche sechs Jahre für seine Entwicklung – und Mulm, also sich zersetzendes Holz. Fehlt Totholz im Wald, das auch für die Humusbildung und damit die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens wichtig ist, fehlt Vielfalt. Die sei wichtig für die Widerstandskraft des Waldes, so der Experte. Und bewahrt so letztlich die göttliche Schöpfung.

      Karl-Georg Schönmüller spricht vom „Werden und Vergehen“ im Wald. Er liebt die Elsbeerenblüte im Frühjahr und die Farben des Feldahorns im Herbst und setzt sich auch beim Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) für den Wald ein. „Schöpfungsverantwortung hat letztlich jeder vor Ort“, lautet seine Meinung. Man solle sie wahrnehmen und leben. Seinen Auftrag im Günterslebener Kirchenwald sieht er darin, die biologische Vielfalt zu erhalten und zu erhöhen. Darüber will er sich mit den Exkursionsteilnehmern austauschen.

      Pflanze er heute eine Eiche, sei die erst in 300 Jahren reif, erklärt der Hüter des Heiligenhölzchens. Im Wald sei es quasi schon immer um „Enkeltauglichkeit“ gegangen, darum die Schöpfung weiterzugeben. „Herr Schönmüller geht sehr aufmerksam und liebevoll durch diesen Wald“, hat Umweltreferent Christof Gawronski beobachtet. Bei der „Querwaldein- Exkursion“ kann man ihn dabei begleiten – und das eigene Wissen über den Wald und seine Schöpfungswunder erweitern.

      Anna-Lena Herbert

      Infos und Anmeldung
      Termin „Querwaldein-Exkursion“: 1. Juli, 18.30 bis 21 Uhr (in Kooperation mit Generationen-Zentrum Matthias Ehrenfried und Fortbildungsinstitut der Diözese); Teilnehmer: 15 (Waldbesitzer, Waldverantwortliche in Kirchengemeinden, andere Naturinteressierte); Kosten: keine; Anmeldung: Generationen-Zentrum Matthias Ehrenfried, Telefon 0931/386-68700, E-Mail: „info@generationen-zentrum.com“; Treffpunkt: Parkplatz am Eckberg (circa 500 Meter ab Ortsende Güntersleben in Richtung Thüngersheim).

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