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Gedanken zum Sonntagsevangelium – Sechster Sonntag der Osterzeit

Liebe – mit Gottes Augen

Jesus beschreibt die Bewegung dieser Liebe, die von Gott ausgeht, von der er selber getragen wird und die er seinen Jüngerinnen und Jüngern weiterschenkt, damit auch sie von ihr getragen werden. Und wer sich als getragen von Liebe erfährt, will diese Erfahrung auch anderen weiterschenken.

Evangelium

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. Dies trage ich euch auf: dass ihr einander liebt.

Johannes 15,9–17

„Es gibt soziale Ressourcen, die durch den Gebrauch wachsen und nicht weniger werden wie fossile Ressourcen.“ Mit diesem Satz fasst der Soziologe Hartmut Rosa eine seiner Erfahrungen aus der Zeit der Corona-Pandemie und der erzwungenen Beziehungsverknappung zusammen. Zu diesen Ressourcen zählt Rosa das Vertrauen und die soziale Energie, also die Energie, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und Beziehungen zu pflegen.

Von einer solchen sozialen Ressource, die sich durch ihren Gebrauch vermehrt, spricht auch Jesus. Diese Ressource ist die Liebe, die im und aus dem Beziehungsgeschehen von Gott, Jesus und seinen Jüngerinnen und Jüngern entsteht und die dieses Beziehungsgeschehen prägt und trägt.

Jesus beschreibt die Bewegung dieser Liebe, die von Gott ausgeht, von der er selber getragen wird und die er seinen Jüngerinnen und Jüngern weiterschenkt, damit auch sie von ihr getragen werden. Und wer sich als getragen von Liebe erfährt, will diese Erfahrung auch anderen weiterschenken. Wer aber diese Liebe an andere weitergibt, der gibt damit diese Liebe auch wieder an Gott zurück, von dem die Liebesbewegung ausgeht: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder, für eine meiner geringsten Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40b). Jesus lädt uns ein, dass wir ein Teil dieser Liebesbewegung werden, die wächst, wenn wir sie gebrauchen, und die als soziale Ressource so dringend notwendig ist.

Liebe aber funktioniert nicht auf Befehl. Niemand kann die Liebe eines anderen Menschen erzwingen und niemand kann gezwungen werden, einen anderen Menschen zu lieben. Liebe ist nur dann Liebe, wenn sie in Freiheit geschieht. Deshalb kann sich das Beziehungsgeschehen zwischen Gott, Jesus und den Jüngerinnen und Jüngern nicht auf der Basis von Befehl und Gehorsam, von Herr und Knechten entfalten. Dieses Geschehen braucht als Grundlage die Freundschaft zwischen Gott und Mensch.

„Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.“ Das ist eben nicht im Sinne einer Bedingung gemeint: „Dann – und nur dann – seid ihr meine Freunde ...“, sondern das nimmt uns hinein in das Kraftfeld der Liebe und der Freundschaft mit Gott und mit Jesus. „Ihr seid meine Freunde und deshalb könnt ihr tun und tut ihr, was ich euch auftrage.“

Was das konkret heißen kann, kann ein Satz von Fjodor Dostojewski verdeutlichen: „Einen Menschen lieben heißt: ihn so sehen, wie Gott ihn gemeint hat.“ Gott sieht in jedem Menschen das Wertvolle, Lebendige, Hoffnungsvolle, die in uns verborgenen Möglichkeiten. Er schenkt uns Ansehen ohne Vorbedingungen – als Freunde und Freundinnen. Wenn ich das in meinem Leben spüre, dann kann und werde ich auch die Menschen um mich herum mit anderen Augen sehen: mit den Augen Gottes.

Stellen wir uns das doch einmal vor: Wir sehen ineinander nicht zuerst die Fehler, sondern zuerst die Möglichkeiten, die jeweils in den Anderen stecken. Wir trauen uns gegenseitig zu, das Gute zu wollen. Wir begegnen uns gegenseitig mit dem Respekt, der jedem Menschen als Freund und Freundin Gottes zukommt.

So gehen wir in Zukunft miteinander um: in der Familie, im Dorf, am Arbeitsplatz, in der Politik und vor allem auch in der Kirche. „Es gibt soziale Ressourcen, die durch den Gebrauch wachsen und nicht weniger werden wie fossile Ressourcen.“ Die Liebe gehört dazu.

Diakon Peter Hartlaub („peter.hartlaub@bistum-wuerzburg.de“) ist Diözesanpräses der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung und Leiter der Betriebsseelsorge im Bistum Würzburg.

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