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Zwölf Kulturbegleiter von „Halma“ eröffnen Menschen mit Demenz Zugänge zu Kultur

Kunstgenuss ohne Grenzen

Wie schön dieses Bildnis von Erich Heckel doch ist! Franz Eich staunt voller Bewunderung. Anfang der 50er Jahre ist der Bronzekopf entstanden. Damals war Eich selbst noch ein junger Mann von gerade mal 22 Jahren gewesen. Heute ist er 89. Und leidet an Demenz. Was man dem Würzburger auf den ersten Blick nicht ansieht. Zusammen mit seiner Schwester Therese Eich besucht er heute den Würzburger Kulturspeicher. Mit von der Partie ist Evelin Böttcher, Kulturbegleiterin des Vereins „Halma – Hilfen für alte Menschen im Alltag“.

Seit 2016 gibt es das Halma-Angebot „Kulturbegleiter“ für Menschen mit Demenz. Sabine Seipp, Leiterin der Halma-Fachstelle für pflegende Angehörige, treibt die Idee voran. „Kunst und Kultur sind für die Seele so wichtig wie Nahrung für den Körper“, sagt sie. Diesen Gedanken haben inzwischen zwölf ehrenamtliche Kulturbegleiter verinnerlicht. Alle wurden vor zwei Jahren für ihre Aufgabe bei Halma geschult. Für den Herbst dieses Jahres ist eine weitere Schulung geplant, damit in Zukunft noch mehr Leute Männer und Frauen mit Demenz zu Kulturveranstaltungen begleiten können.

„Nicht nur Menschen mit Demenz, sondern vor allem auch ihre Angehörigen profitieren von unserem Angebot“, erläutert Seipp. Viele Ehegatten, Kinder oder Geschwister von dementen Senioren trauten sich nicht mehr, in ein Konzert, eine Lesung oder eine Theatervorstellung zu gehen. Denn ihr Angehöriger, den sie zu Hause nicht alleine lassen wollen und daher mitnehmen, könnte ja währenddessen unruhig werden.

Das Recht, an Kultur teilzunehmen

Und das geschieht laut Seipp auch tatsächlich oft. „Bei Konzerten kann es vorkommen, dass ein Mensch mit Demenz aufsteht, mitsingt oder auch mitdirigiert.“ Solche Situationen fangen Kulturbegleiter ab. Zum Beispiel dadurch, dass sie den Senior liebevoll motivieren, kurz mit nach draußen zu gehen. Dass auch Personen, die an einer Demenz leiden, das Recht haben, an kulturellen Veranstaltungen teilzunehmen, dieser Gedanke zieht in Würzburg allmählich Kreise. Die Organisation Halma bringt inzwischen regelmäßig ein Semesterprogramm mit entsprechenden Veranstaltungstipps heraus.

So gibt es beispielsweise immer wieder Entdeckungs- und Erinnerungstouren durch das Museum im Kulturspeicher. Auch die Würzburger Musikhochschule bietet regelmäßig Konzerte an, bei denen an Demenz Erkrankte ausdrücklich willkommen sind. Störungen werden von vornherein einkalkuliert und sind für niemanden ein Grund zur Aufregung.

„Musik liegt in der Luft“ heißt der nächste musikalisch-bewegte Nachmittag, der am 10. April in der Hochschule organisiert wird. Möglicherweise sind dann auch die Geschwister Eich wieder mit dabei. Sie und ihre Kulturbegleiterin Evelin Böttcher haben inzwischen schon einiges zusammen erlebt. Im Sommer des vergangenen Jahres zum Beispiel waren die drei in der Marienkappelle. „Da sind wir mindestens schon zwei Jahre nicht mehr gewesen“, erzählt die 85 Jahre alte Therese Eich.

Umgeben von der sakralen Kunst in der Kapelle, begann ihr Bruder in Erinnerungen zu schwelgen. „Ich war Bischofsfahrer“, erzählte er seiner Kulturbegleiterin. Sowohl Bischof Josef Stangl als auch Bischof Dr. Paul-Werner Scheele hat er chauffiert. Oft ging es zu Firmungen: „Nachdem der Bischof ausgestiegen war, hab’ ich den Bischofsstab zusammengeschraubt“, berichtet er.

Einmal musste Eich den Bischof nachts um ein Uhr von einer Konferenz in München nach Hause fahren: „Wir kamen bis Feucht bei Nürnberg, dann hatten wir kein Öl mehr“, erinnert er sich.

Intensive Schulung der Begleiter

Alle Kulturbegleiter werden gründlich für ihre Aufgabe trainiert. „Bei den Schulungen geht es zum Beispiel darum, wie man sich auf einen Museumsbesuch vorbereitet“, erläutert Seipp. Wie kommt man am besten zu der Kultureinrichtung? Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln? Oder mit dem Taxi?

Verfügt das Museum oder das Theater über behindertengerechte Parkplätze und Toiletten? Gibt es genug Sitzmöglichkeiten? Wie laufen die Vorgänge an der Kasse ab? Wo kann man etwas zu essen oder trinken bekommen? Diese Informationen zu haben, ist sehr wichtig, damit dann vor Ort alles gut klappt. Für Franz Eich war der heutige Besuch im Kulturspeicher ein Hochgenuss. Der betagte Senior hatte einst in Kunst geschwelgt, erzählt seine Schwester Therese: „Mein Bruder war zur Zeit des Vatikanischen Konzils, also von 1962 bis 1965, in jedem dieser vier Jahre für jeweils vier Monate in Rom.“ Auch Literatur war dem Geschwisterpaar immer wichtig. Vor allem für Therese Eich, frühere Leiterin des Burkardushauses, die lange in der Katholischen Büchereiarbeit engagiert war.

Evelin Böttcher begleitet nicht nur die Geschwister Eich zu kulturellen Vearnstaltungen. Unvergessen ist ihr die Begleitung eines an Demenz erkrankten Herrn, der früher leidenschaftlich gern malte.

Endlich wieder Bilder malen

Daran konnte er sich allerdings nicht mehr erinnern. Er nahm auch keinen Pinsel mehr zur Hand. Böttcher brachte ihm schließlich Malutensilien vorbei: „Eines Tages fing er tatsächlich wieder an, zu malen.“ Er gab ihr die Werke zur Aufbewahrung: „Passen Sie gut darauf auf!“

Bis Mitte Februar war Böttcher noch berufstätig. Deshalb konnte sie nicht allzu viele an Demenz Erkrankte begleiten. „Doch in Zukunft habe ich dafür mehr Zeit“, sagt die 65-Jährige. Ihr Ehrenamt erlebt sie als beglückend, denn es beschert ihr wunderbare Begegnungen. Als besonders berührend hat sie eine Postkutschenfahrt von Bad Kissingen nach Bad Brückenau in Erinnerung. Dabei begleitete sie ein Ehepaar. Die Frau war an Demenz erkrankt. „Nach der Kutschfahrt gingen wir zusammen zum Bahnhof“, erzählt Böttcher. Plötzlich rief die Frau ihren Mann beim Vornamen: „Das war erstaunlich, denn sie hatte das seit vielen Monaten nicht mehr gemacht.“

Unterstützung könnte besser sein

Sabine Seipp vom Halma-Projekt „Demenz und Kultur“ wünscht sich sehr, dass sich noch mehr Museen, Theater und Konzertsäle ausdrücklich für Menschen mit Demenz öffnen. Wichtig wären darüber hinaus Finanzmittel, um das in der Diözese einmalige Projekt weiter am Leben zu erhalten und auszu­bauen. Es braucht Geld, um weitere Ehrenamtliche zu schulen, eine Projektstelle zu unterhalten und Semesterprogramme, Poster und Flyer drucken zu können. Seipp ist gerade dabei, Geldgeber zu suchen. Auch Spenden für das Projekt seien höchst willkommen.     

Pat Christ

Kontakt:

HALMA – Hilfe für alte Menschen im Alltag e.V., Bahnhofstraße 11, 97070 Würzburg, Telefon 0931/20781420; E-Mail „info@halmawuerzburg.de“; Sprechzeiten: Montag und Mittwoch von 8 bis 12 Uhr.

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