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Der Karlstädter Gosbert Stark ist einer der letzten Kalligrafen Unterfrankens – er schafft auch Kirchenkunst

Kunst, Musik, Meditation

Für mich ist Kalligrafie auch eine sehr meditative Angelegenheit, in der ich mich total verlieren kann“, erzählt der Kalligraf Gosbert Stark aus Karlstadt. Er ist einer der letzten professionellen Kunsthandwerker in Unterfranken, die das Schönschreiben noch beherrschen. Und auch, wenn es immer weniger klassische Kalligrafen gibt, hat das schöne Schreiben doch nie an Bedeutung verloren, für die Kunst und auch für die Kirche. Gosbert Stark berichtet, wie sich die Kalligrafie heute entwickelt und welche Möglichkeiten es gibt, das Kunsthandwerk zu erhalten.

Angefangen hat Gosbert Stark als Grafikdesigner. In diesem Beruf versucht man, mithilfe von meist bildlichen Darstellungen Informationen zu vermitteln, etwa in der Werbung. Als Grafiker einer älteren Generation, hat der heutige Pensionär die Schönschrift für seinen Beruf noch teilweise lernen müssen: „Die Jüngeren brauchen das gar nicht mehr, dafür gibt es jetzt Computer.“ Doch trotz Computerzeitalter versuche man noch immer, computergenerierten Schriften etwas Frisches, Kreatives beizugeben, Schriften, wie sie Kalligrafen entwerfen.

Als Sohn eines Kunsthandwerkers, Kalligrafen und Kirchenmalers, war Gosbert Stark familiär vorbelastet, was das Entwerfen von Schriften anbelangt. Schon in seiner Schulzeit auf dem humanistischen Würzburger Wirsberg-Gymnasium habe er mit Schönschrift begonnen. Als Internatsschüler, auf der damals von Franziskanern geführten Schule, habe er außerdem einen engeren Bezug zur Religion, vor allem zu den Franziskanern aufgebaut, von denen ihn später auch einer trauen sollte.

Eigeninitiative

Sein professioneller Weg in die Kalligrafie habe aber erst nach der Schulzeit begonnen. 1998 habe er als Grafiker von einer Firma aus Iphofen einen Auftrag für handgeschriebene Überschriften bekommen: „Das war für mich die Initialzündung“, berichtet der Künstler. Er habe die passenden Überschriften gemacht, aber er merkte „da fehlt was.“ Er habe mehr aus seiner Schrift machen wollen und sei schließlich auf die Offenbacher Schreibwerkstatt Klingspor gestoßen. Hier machte er im Jahr 2000 seinen ersten Kalligrafie-Kurs und hat sich immer mehr Wissen und Können angeeignet. Mit der Zeit konnte er sogar selbst Kurse geben, etwa im Kloster Schwarzenberg, bei Scheinfeld im Erzbistum Bamberg.

Eine klassische Berufsausbildung zum Kalligrafen gebe es nicht, so Stark. Man brauche Kurse und den Austausch mit anderen Interessierten; und natürlich Übung. Irgendwann ist Gosbert Stark dann immer weniger Grafiker und mehr Kalligraf gewesen. Heute befasst er sich als Pensionär ausschließlich mit kalligrafischen Aufträgen.

Von Anfang bis Ende habe die kirchliche Kalligrafie eine wichtige Rolle in seiner Arbeit gespielt. Die kirchliche Kalligrafie sei in Europa die populärste Form: „Wer an Kalligrafie denkt, der denkt immer auch an alte Evangeliare und andere Kirchenkunst. Die Kalligrafie hat in der Kirche eine riesige Bandbreite, das ist eine uralte Tradition“, meint Stark. Kalligrafie sei in der Vergangenheit oft nur über die Kirche zur richtigen Kunst geworden. Dort wurde in Gold geschrieben, hier mit feinsten Farben, wie Lapislazuli. Hier wurden neue Stilformen erfunden oder alte Stilformen wiederentdeckt, wie die keltischen Knotenornamente, von denen sich auch Stark bis heute inspirieren lasse.

Kunst für die Kirche

Auch er selbst konnte in der Kirchenkunst schon einige besondere Stücke verwirklichen. Für die Kirche St. Sebastian in Karlstadt etwa hat er das Exsultet auf eine extra angefertigte Papierrolle von 50 Zentimetern Breite und über fünf Metern Länge geschrieben. In der Osternacht müsse das kunstvolle Exsultet oben von der Orgelempore verlesen werden, um sich ganz entfalten zu können. Nicht nur dieses – sein größtes – Werk, auch sein kleinstes Kunststück hat kirchlichen Ursprung. In ein winziges Buch von wenigen Zentimetern Breite und Höhe hat Stark das Weihnachtsevangelium geschrieben, in Deutsch und sogar auf Latein.

Seine Haupttätigkeit seien aber nicht die kirchlichen Kunstwerke an sich, sondern vielmehr die Weitergabe der Kunst in kirchlichen Einrichtungen – durch Kurse. Als einer der wenigen Kalligrafen in Unterfranken sei er viel gefragt, sagt er. 2018 habe er von 52 Wochenenden im Jahr, 28 auf Kursen verbracht, beispielseise im Kloster Schwarzenberg und im Tagungszentrum Schmerlenbach.

Kurse wie diese seien unumgänglich, um das Handwerk der Kalligrafie in die Moderne zu retten, erzählt der Diplom-Grafiker. Viel Arbeit werde einem heute von Maschinen abgenommen. Unzählige Schriftsätze seien in Datenbanken eingetragen und könnten jederzeit abgerufen und abgedruckt werden, ganz ohne Handschrift. Die Kalligrafie klassischer Schriften sehe er vom Aussterben bedroht, auch weil viele Leute nicht mehr mit der Hand schreiben.

Da ist Hoffnung

Hoffnung machen Gosbert Stark aber Trends wie das „Lettering“, auf Deutsch etwa „Buchstaben-Zeichnen“. Hier könne man zumindest lernen, Buchstaben künstlerisch zu gestalten. Man schreibe aber sehr viel freier, als in der klassischen Kalligrafie, in der man sich eben auch an vorgegebene Schriften halte. Mit Kursen, wie Stark sie selbst in Bildungshäusern hält, könne man auf solchen Trends aufbauen und die Kalligrafie wieder ins Bewwusstsein der Leute bringen.

Das Interesse an seinen Kursen sei mit der Zeit auch gewachsen: „Es gab schon immer eine Klientel, das sich mit Schrift befasst hat. Durch das Aufkommen der Computer-Technologie ist das dann zunächst verkümmert. Über Keimzellen wie die Schreibwerkstatt Klingspor in Offenbach wurde die Kalligrafie aber erhalten. Von hier aus sind Leute wie ich gekommen, die selbst Kurse geben, an Volkshochschulen und Bildungshäusern.“ Einige seiner Schüler seien heute selbst Kalligrafen, etwa Thomas Ziegler aus Margetshöchheim, der bei Stark Kurse besucht hat: „Irgendwann hat er eine Mappe mitgebracht und mir gezeigt, dass er angefangen hat, in einem bestimmten Format die Psalmen aufzuschreiben, das sind immerhin um die 190 glaube ich. Das ist ein Werk, vor dem ich höchste Achtung habe. Damit ist man Jahre beschäftigt, das ist fantastisch.“

Besonderes erhalten

Er selbst sei dabei als Lehrer natürlich nicht das Maß aller Dinge. Talentierten Schülern empfehle er andere Kurse, um ihren kalligrafischen Horizont zu erweitern: „Um weiterzukommen, muss man auch etwas anderes sehen; dafür ist die Kalligrafie zu vielseitig.“ Das gehe mit uralten Schriften los, etwa von den Phöniziern oder der Keilschrift, und gehe über die Griechen bis zur kirchlichen Kalligrafie oder zu modernen Interpretationen, wie sie etwa der irische Kalligraf Dennis Brown darstelle. Mit diesem verbinde ihn eine langjährige Fachfreundschaft. Brown sei ein Kalligraf von Weltbedeutung, der demnächst auch ins Haus Schmerlenbach kommen werde. Über internationale Vernetzung und stetige Weitergabe von Wissen hofft Stark, die Kalligrafie für kommende Generationen zu erhalten. Kirchliche Kunst und die kirchlichen Häuser seien prägend für dieses Ansinnen.

Für ihn sei klar, dass die Besonderheit der Kalligrafie bestehen bleiben müsse: „Kalligrafie wird gerne verglichen mit Musik. Gottfried Gott, ein ehemaliger Professor in Hildesheim, war Musiker und hat ein Buch geschrieben ,Kalligrafische Symphonien‘. Bei Musik und Kalligrafie geht es um das Zusammenspiel von Formen. Um Harmonie und Rhythmus.“ Für Stark ist Kalligrafie eine Art Meditation: „Manchmal schreibe ich einfach etwas um mich zu konzentrieren oder mich runterzubringen. Das ist für mich die beste Möglichkeit zu mir zu kommen.“

Raphael Schlimbach

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