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      Auf Exerzitien in den Weinbergen rund um Würzburg

      Kraft tanken für den Alltag

      Ein sonniger Herbsttag im Oktober, Mittagszeit. Auf der Terrasse vor dem Würzburger Käppele singen acht Frauen und ein junger Mann ein Marienlied während einer kurzen Andacht – ein nicht ganz alltägliches Bild. Trotz ihrer Rucksäcke sind die, die da singen, keine reinen Wanderer. Während sich am Käppele eine Hochzeitsgesellschaft versammelt blickt Dorothea Eberlein mit der Gruppe auf die Domstadt hinab. Sie führt heute die Teilnehmer der Weinbergsexerzitien durch den Tag.

      Die Teilnehmer sind nicht nur aus Würzburg und Umgebung, sondern sogar aus der Oberpfalz angereist, um die mehrtägigen Exerzitien mit­zumachen. Die bietet das Exerzitienhaus Himmelspforten schon seit einigen Jahren an. Der geistliche Leiter des Hauses, Domvikar Paul Weismantel, führt die Tradition seines Vorgängers fort, hatte es doch schon unter dem emeritierten Domvikar Burkhard Rosenzweig die etwas anderen Exerzitien gegeben.

      Impulse geben

      Heute führt Dorothea Eberlein die Gruppe. Weismantel begleitet die Teilnehmer zwar ebenfalls auf ihrem Exerzitienweg, doch heute hat er einen Termin. Und so gibt Eberlein, die bei den Weinbergsexerzieten eigentlich weniger für den geistlichen als vielmehr für den Weinbau-Inhalt zuständig ist, an diesem Tag alleine die Impulse. Sie ist seit fünf Jahren zertifizierte Pilgerbegleiterin. „Der Grund für diese Zertifizierung war, dass ich seit meiner Zertifizierung als Gästeführerin ,Weinerlebnis Franken‘ im Jahr 2010 regelmäßig in den verschiedensten Weinbergen unterwegs bin. Dabei habe ich die Abhängigkeit der Winzer, oder allgemein der Menschen, von der Natur und damit von Gott als Schöpfer extrem deutlich wahrgenommen“, erzählt Eberlein. „Die Demut und Dankbarkeit, die ich dabei empfinde, wollte ich ebenso weitergeben wie die große Ruhe und Gelassenheit, die man vor allem nach Phasen des Schweigens erleben darf.“ Deshalb entschied sie, sich als Pilgerbegleiterin zertifizieren zu lassen.

      Das Anliegen der Weinbergsexerzitien ist die Vermittlung von Impulsen, für das Nachdenken über sich selbst und die eigene Lebenssituation – und eventuell für Richtungsänderungen. So beschreibt es Eberlein. An diesem sonnigen, nicht zu warmen Samstag haben die Teilnehmer schon eine längere Wegstrecke absolviert: Von Sankt Burkard sind sie zur Festung Marienberg und dann zum Würzburger Käppele gewandert. Bereits an den ersten beiden Exerzitientagen waren vier bis fünf Stunden Gehzeit angesagt. Nach der Morgenmesse erkundeten sie jeden Tag unterschiedliche Weinberge rund um Würzburg. Der erste Tag trug das Motto „Aufbruch: Psalm 18, Vers 20“. Da standen der Steinberg und der Pfaffenberg auf dem Programm. Unter der Überschrift „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben: Johannes 15, Vers 5“ ging es am zweiten Exerzitientag nach Heidingsfeld und Randersacker, zu den Weinbergen der Weingüter Göbel und König. Dabei durfte, neben dem Einblick in die Winzerarbeit, ein „Pilgerschoppen“ nicht fehlen. Auch Genuss gehört zu diesen Exerzitien.

      Neu anpflanzen im Klimawandel?

      Heute lautet das Motto „Klimawandel: im (Zusammen)Leben/im Weinbau“. Die Gruppe macht sich vom Käppele aus wieder auf den Weg. Vorbei an Nikolaus- und Schützenhof sowie etlichen Ausflüglern marschiert man zum neu angelegten Weinberg des Bürgerspitals. Dort ist beim Blick auf den Süden Würzburgs kurz Pause angesagt. Eberlein nutzt die Gelegenheit, um über Maßnahmen angesichts des Klimawandels in den Weinbergen zu informieren. Sie berichtet, dass die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau mit Sitz in Veitshöchheim prüfe, ob kleine Zisternen in den Weinbergen eine Lösung sein könnten. „Gegen den Wassermangel“, erklärt sie. „Dort wird das Wasser in Zeiten starken Regens gesammelt“.

      Um der Trockenheit zu begegnen, könne man jedoch auch neue Rebsorten anpflanzen. Das lasse sich auf menschliche Beziehungen übertragen. Habe man eine gute Rebsorte, Silvaner etwa, oder eben eine gute Beziehung, sei eine neue Anpflanzung nicht nötig: „Der Silvaner kommt bis jetzt mit dem Klimawandel prima zurecht“, sagt Eberlein. Man muss den Weinstock aber pflegen. In Beziehungen bedeutet das, mit dem Anderen zu reden, auch wenn etwas einmal nicht so gut laufe.

      Doch nicht jede Beziehung lässt sich erhalten. Mitunter müsse man im persönlichen Bereich eine Beziehung beenden, in eine neue Richtung aufbrechen – übertragen auf den Weinbau: eine neue Rebsorte anpflanzen, so Eberlein. „Dann ist aber wieder die große Frage: Welche Rebsorte pflanze ich an?“ In der Natur seien das aktuell Rebsorten, die mehr Wärme brauchen – Stichwort Klimawandel –, bei den Rotweinen Merlot oder Cabernet Sauvignon, im Weißweinbereich vor allem Chardonnay. Merlot und Chardonnay sind, laut Eberlein, die Rebsorten, die weltweit am häufigsten angepflanzt werden.

      Gestärkt im Alltag

      Die Neuanpflanzung eines Weinbergs ist allerdings ein Risiko. Man müsse viel Geld investieren und es dauere drei Jahre bis ein neuer Rebstock erstmals trage. Erst im fünften Jahr bringe er den vollen Ertrag, sagt Eberlein. „Es ist eine Entscheidung, die man wohl überlegt treffen muss. Aber so ist das auch im echten Leben mit neuen Beziehungen.“ Die Gruppe hört ihr aufmerksam zu.

      Fast alle Weingüter, die in Würzburg derzeit neue Weinberge anlegten, entschieden sich für den Silvaner, da er sich sehr gut verkaufe, erläutert die Weinkennerin. „Der Silvaner aus Franken ist so etwas wie ein Markenzeichen. Der ist auch wirklich gut, und wir sind froh, dass wir diese Rebsorte haben, die für Franken steht“, sagt sie.

      Anschließend steigt die Gruppe durch die kühle Annaschlucht zum Steinbachtal hinab. Vorbei an Joggern, Wanderern und Fahrradfahrern geht es zur Straßenbahnhaltestelle Steinbachtal und von dort mit der Tram zum Rathaus. Das Ziel? Natürlich die Alte Mainbrücke im Herzen Würzburgs. Auf der bei Weinfreundinnen und -freunden beliebten Sehenswürdigkeit der Domstadt gönnt man sich nach der Wanderung eine wohlverdiente Belohnung: einen Würzburger Silvaner, den Dorothea Eberlein mitgebracht hat. Die Exerzitienteilnehmer genießen die strahlende Herbstsonne und den Blick auf den Fluss, die Festung und das Käppele. Im Hintergrund: die monumentale Skulptur des heiligen Josef mit dem Jesuskind.

      „Ich bin der Weinstock“

      „Ich habe einige Dinge in meinem Leben mit anderen Augen betrachten können, dank der Impulse und der Schweigezeiten. Jetzt kann ich gestärkt in den Alltag gehen und versuchen, ihn neu zu ordnen“, resümiert ein Teilnehmer am Ende der Exerzitien. Teilnehmerin Manuela Neubert zieht für sich folgende Bilanz: „,Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.‘ Oft gelesen und gehört, haben diese Worte in den letzten Tagen eine ganz neue Kraft entfaltet. Wir haben gesehen, wie mühsam und aufwändig die Arbeit im Weinberg ist, wie köstlich aber die Frucht, die hervorgebracht wird“, fasst sie zusammen.

      Auch wenn die Arbeit im Weinberg des Herrn manches Mal mühevoll und nicht immer ertragreich sei, lohne sich doch die Anstrengung. „Wie köstlich und wunderbar sind doch die Früchte, die im Weinberg des Herrn wachsen und gedeihen können“, fasst Neubert ihre Erfahrung in Worte. Offenbar haben die Impulse von Dorothea Eberlein und Paul Weismantel Wirkung entfaltet. Dazu sind Exerzitien da.

      Stefan W. Römmelt

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