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      Gedanken zum Sonntagsevangelium – 26. Sonntag im Jahreskreis

      Kirche für alle Durstigen

      Was gilt denn jetzt? „Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns“, wie es hier im Evangelium bei Markus Kapitel 9, Vers 40 heißt? Oder „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich“, wie wir es bei Lukas Kapitel 11, Vers 23 lesen?

      Evangelium

      In jener Zeit sagte Johannes, einer der Zwölf, zu Jesus: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt. Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen eine Machttat vollbringt, kann so leicht schlecht von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört – Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen. Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde. Wenn dir deine Hand Ärgernis gibt, dann hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer. Und wenn dir dein Fuß Ärgernis gibt, dann hau ihn ab; es ist besser für dich, lahm in das Leben zu gelangen, als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden. Und wenn dir dein Auge Ärgernis gibt, dann reiß es aus; es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes zu kommen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.
      Markus 9,38–43.45.47–48

      Allerdings finden wir auch das erste Zitat aus Markus im Lukasevangelium wieder (Lukas 9,50 in leicht abgewandelter Form mit der Anrede ‚euch‘ anstelle von ‚uns‘). Lukas glättet diesen Widerspruch also nicht und lässt beides nebeneinander stehen. Da scheint eine Spaltung unter den Jesusanhängern doch fast vorprogrammiert.

      Natürlich wissen wir nicht, wie die Originalworte Jesu lauteten. Womöglich konnte sich Lukas auch nicht so genau entscheiden, welchen Jesus er zeichnen sollte. Vielleicht hat er tatsächlich beides gesagt, in unterschiedlichen Kontexten. Es ist auch für uns nicht immer so einfach, genau einen einzigen Standpunkt zu vertreten. Wie oft schwankt meine Meinung, wenn ich neue Fakten höre. Wenn es neue Erfahrungen gibt oder der Kontext ein anderer ist, dann kann es passieren, dass ich umschwenke und heute etwas anderes vertrete als gestern.

      Zu Recht wird von Politikern, Kirchenleuten, ja von jedem gefordert, dass man sich auf die gesprochenen Worte verlassen können muss. Ein Fähnlein im Wind nützt niemandem etwas. Und gleichzeitig möchte ich auch behaupten, dass es gut ist, sich eine gewisse Flexibilität zu bewahren. Mit sturem Festhalten an Positionen erreiche ich vielleicht nur das Gegenteil dessen, was ich will. Wenn ich eine Mauer aufgebaut habe, dann lässt sich diese nicht mehr verrücken und eine vielleicht notwendige Kurskorrektur ist nicht mehr möglich.

      In den folgenden Versen lesen wir vom Abtrennen von Körperteilen, wenn sie zum Bösen verführen. War Jesus radikal? Dies können wir (zumindest in unserer heutigen Wahrnehmung) nicht wörtlich nehmen. Selbstverstümmelung kann nicht das Ziel sein, damit ist niemandem gedient. Manche Textauslegungen weisen darauf hin, dass wir dies als Plädoyer für eine „gereinigte“ Kirche deuten könnten. Von „gesundschrumpfen“ ist manchmal die Rede, damit es wieder zu einer geheiligten Kirche kommen kann, einem wahren Kern derer, die wirklich glauben und von denen eine positive Ausstrahlung ausgehen kann.

      Und auch dazu sehe ich einen Widerspruch in der Bibel selbst. Am Ende des Markus-Evangeliums (Mk 16,15) gibt Jesus den Auftrag: „Geht hinaus in die ganze Welt“, macht es öffentlich, was euch Hoffnung schenkt, bringt die Frohe Botschaft zu allen. Nicht nur zu den vermeintlich „richtig Glaubenden“, die unsere Sonntagsgottesdienste besuchen.

      Was gilt denn jetzt?
      Es wird vielfach diskutiert, wie Kirche wieder zu einem funktionierenden Werkzeug werden kann, bei verringerten Ressourcen und größer werdenden Herausforderungen: im Synodalen Weg, in unserem Bistum, unter den Hauptamtlichen, in jeder einzelnen Gemeinde.

      Ich wünschte, ich wüsste es, welchen Beitrag ich leisten soll und kann. Mir bleibt nur, klein anzufangen und zumindest einen Becher Wasser zu reichen. Über 90 Prozent der Kirchensteuerzahler erhalten bei uns keine oder kaum „Serviceleistungen“. Ich glaube nicht, dass sie keinen Durst haben. Müssten wir nicht auch und gerade mit ihnen versuchen, Jesus Christus und seine Botschaft zu entdecken und zu entschlüsseln?

      Katrin Fuchs („kat-rin.fuchs@bistum- wuerzburg.de“) ist Pastoralreferentin in der Pfarreiengemeinschaft Erlenbach-­Triefenstein und im Pastoralen Raum Marktheidenfeld.

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