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Frauenbund Bayern drängt auf ministeriumsü̈bergreifende Lösungen für Familien

Keine Luft mehr

Die vergangenen Monate verlangten aufgrund der Covid-19-Pandemie besonders Familien sehr viel ab: Home-Office, Kinderbetreuung und Home-Schooling. Besonders Frauen und Mü̈tter sollen flexibel, leistungsbereit und verlässlich in allen Bereichen sein, und das ohne Pause. Eine Zerreißprobe. Darum fordert der Katholische Deutsche Frauenbund Bayern (KDFB Bayern) dringend ein familien- und vor allem frauenentlastendes, ministeriumsü̈bergreifendes Gesamtkonzept. Die Diözesanvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbunds, Edeltraud Hann, fordert zeitnahe Entscheidungen.

Frau Hann, rutschen wir wieder in ein altes, ein klassisches Rollenbild der Frau ab?
Ich sehe schon, dass die Gesellschaft gerade eine Rolle rückwärts macht. Die Corona-Pandemie hat leider viele Frauen wieder in das Rollenbild gezwungen, das wir für längst überholt hielten.

Warum ist das so?
Wir sehen es ganz aktuell in den eigenen Reihen. Die Doppelbelastung mit Beruf, Haushalt und Kindern bleibt gerade mehrheitlich an den Frauen hängen. Home-Office, in das viele Frauen geschickt wurden, mit den ganzen Herausforderungen zu bewältigen, gleichzeitig die Kinder im Home-Schooling betreuen und mit ihnen lernen, ganz oder teilweise die sozialen Kontakte ersetzen, vielleicht noch die alten Eltern pflegen und das unter Coronaschutzmaßnahmen, ist schon eine Riesenherausforderung für die Familien und besonders für die Frauen. Viele Männer können ihren Job oft nicht von zu Hause aus erledigen und sind den ganzen Tag weg und können nicht unterstützen, selbst wenn sie es wollten.

Ein weiterer Anstieg der Fallzahlen durch den Virus hat besonders auch Familien erneut zu Einschränkungen gezwungen, die Belastungen sind wieder angestiegen. Was fordert der Landesverband des KDFB konkret?
Auf der Landesdelegiertenversammlung Anfang Oktober haben die Delegierten ein Papier verabschiedet, in dem von den politisch Verantwortlichen ein Konzept für eine Gesamtlösung gefordert wird. Unter anderem: ein verlässliches, einheitliches und verständliches Konzept für Distanzunterricht und Betreuungsalternativen; Informationen und Beratung über Unterstützungsleistungen für alle Familien sowie verstärkte staatliche Anreize für Arbeitgeber­Innen zur familienunterstützenden Gestaltung der Arbeits­plätze.

In welchem zeitlichen Rahmen sollte(n) diese Forderung(en) umgesetzt werden?
Die Politik hatte seit Beginn der Pandemie und des ersten Lockdowns jetzt ein gutes halbes Jahr Zeit, nach Lösungen zu suchen und diese auch umzusetzen. Jetzt sofort sollen und müssen die Forderungen des Frauenbundes umgesetzt werden, bevor bei diesem neuerlichen Lockdown die Familien und besonders die Frauen wieder auf der Verliererseite stehen. Die Pandemie ist jetzt und die Urlaubstage der meisten Eltern werden schon aufgebraucht sein. 

Was hat sich seit dem Frühjahr getan oder verändert? Hat sich vielleicht etwas verbessert?
Im Frauenbund konnten wir beobachten, dass bei den Frauen und Familien die Kreativität wächst. Sei es bei verschiedenen Gottesdienstformen, wie Andachten im Freien, kleine Wallfahrten und immer unter Beachtung des entsprechenden Hygienekonzeptes. Auch wir vom Diözesanverband haben ein Wallfahrtsheft für Daheim zusammengestellt, da unsere jährliche Diöze- sanwallfahrt nicht stattfinden konnte. Viele Zweigvereine haben dies in ihren Orten genutzt. In Bergrheinfeld haben Ehrenamtliche für die Schule Plexiglaskabinen gebaut, so dass die Kinder auch ohne Maske geschützt sind. Aber ich meine, es ist auch kälter geworden in unserer Gesellschaft, keine Umarmungen mehr, das Lächeln unter der Maske sieht niemand, Nachbarn werden bespitzelt und denunziert, wenn sie mit zu vielen Gästen feiern.

Es sind viele Aspekte, die in die Entlastung von Familien mit ­hinein spielen; welcher Punkt hat für Sie regional Priorität?
Die Frauen zu stärken, dafür setzt sich der Frauenbund schon seit seiner Gründung ein. Wichtig ist, dass Familienarbeit mehr wertgeschätzt wird und die Lebensentwürfe der Familien Akzeptanz finden. Da finde ich, dass so langsam ein Umdenken stattfindet.

Welche Unterstützung gibt es in der Diözese bereits für Familien?
Ich weiß, dass es Familienstützpunkte in der Diözese gibt, die Caritas als Anlaufstelle bei Problemen mit verschiedenen Schwerpunkten, zum Beispiel Erziehungsberatung, Suchtberatung. Das Gewaltpotenzial gegenüber Frauen und Kindern und auch der Alkoholkonsum hat ja in der Pandemie extrem zugenommen. Auch der Frauenbund hat für Frauen in Not ein Budget und für Extremsituationen gibt es die Frauenhäuser (die leider immer noch gebraucht werden und das gerade mehr denn je).

Werden VertreterInnen der Fami­lienseite und der Gleichstellungs­stellen Ihrer Meinung nach genug in Beratungen auf Ministeriumsebenen miteinbezogen?
Ich glaube nicht, dass daran gedacht wird, diese Stellen anzufragen. Hier haben wir vom Diözesanverband im Sommer einen Brief an Ministerpräsident Markus Söder geschrieben, in dem wir die Forderungen der Landesarbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsstellen besonders für die Frauen unterstützen.

Was raten Sie Familien, Müttern, Vätern – wie können sie den ­Belastungen, die ja momentan zeitnah auftreten, entgegenwirken?
Sich ein privates Netzwerk aufbauen, Notfallpläne ausarbeiten, einen Einkaufsservice installieren.

Wo bekommen Frauen Rat und ­Unterstützung, wenn ihnen alles zu viel wird?
In den Zweigvereinen vor Ort unterstützen sich Frauen oft gegenseitig, die Eltern-Kind Gruppen sind eine gute Anlaufstelle, die Caritas Beratung vor Ort kann eine Hilfe sein, die Gleichstellungsbeauftragte der Städte und Gemeinden bieten sicher auch Hilfe an, auch das Müttergenesungswerk kann mit einer Mutter-Kind-Kur unterstützend wirken.       

 Interview: Judith Bornemann

Rat und Hilfe

Zweigvereine des Katholischen Deutschen Frauenbundes unter: „www.frauenbund-wuerzburg.de/kdfb-in-ihrer-nähe/regionen-zweigvereine“.
Viele Familienstützpunkte befinden sich in kirchlicher Trägerschaft. Einrichtungen in Ihrer Nähe unter: „www.familienbildung.bayern.de“.
Auch bei der Telefonseelsorge findet man aktuell Unterstützung und das rund um die Uhr: „www.telefonseelsorge-wuerzburg.de“, Telefon: 0800/1110333, Bundesweites Kinder- und Jugendtelefon: 0800/1110111 und 0800/1110222.
Darüber hinaus finden sich Hilfs­angebote bei der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, Herrnstr. 53, 90763 Fürth, Telefon: 0911/97714 -0, E-Mail: „bke@bke.de“ und im Internet: „www.bke.de“.
Hilfen für Familien: „www.caritas-wuerzburg.de/hilfe-beratung/familie/familienpaten“.
Nachbarschaftshilfe: „www.caritas-wuerzburg.de/hilfe-beratung/familie/nachbarschafts­hilfe“.   

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