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Jede Woche Freude bereiten mit dem Sonntagsblatt

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Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenclau († 1719) finanzierte eine Kolossalstatue für die Lateranbasilika

In Rom verewigt

An den 300. Todestag des Würzburger Fürstbischofs Johann Philipp von Greiffenclau, der am 3. August 1719 in seiner Residenz auf dem Marienberg verstorben ist, hat das Sonntagsblatt unlängst erinnert. Bekannt ist, dass der geistliche Fürst aus einem ­rheinischen Adelsgeschlecht in seiner „Hauptstadt“ zahlreiche Bauprojekte initiierte – darunter städtebaulich bedeutsame wie die Westfassade von Neumünster, den Fürstenbau des Juliusspitals und die Pfarrkirche St. Peter und Paul.

Weniger bekannt dürfte sein, dass sich der in seiner Leichenpredigt als überaus fromm beschriebene Fürst auch in der „Ewigen Stadt“ verewigt hat: mit einer monumentalen, 4,25 Metern großen Statue seines zweiten Namenspatrons, des Apostels Philippus.

Der „Erinnerungsort”, dessen Weihetag alljährlich am 9. November begangen wird, könnte kaum prominenter sein: Die von Greiffenclau finanzierte, um 1705 bei dem 1725 in Rom gestorbenen Barockbildhauer Giuseppe Mazzuoli Il Vecchio in Auftrag gegebene und wohl 1712 vollendete Marmorstatue gehört zu den zwölf Kolossalstatuen der Apostel im Langhaus der Lateranbasilika, der Kirche des Papsts als Bischof von Rom. Die Plastiken auf beiden Seiten des Hauptschiffes bilden laut Kunsthistoriker Frank Martin „ein(en) Skulpturenzyklus (…), der zum Großartigsten zählt, was die römische Skulptur zwischen Gianlorenzo Bernini und Antonio Canova hervorgebracht hat.“

Denkmal der Tugend

Der Impuls für die „Füllung” der jahrzehntelang leeren Nischen war von Papst Clemens XI. ausgegangen, der das Ergebnis vom Greiffenclaus „Sponsoring”  in einem auf den 8. Dezember 1703 datierten Breve als „ewiges Denkmal deiner Tugend und deiner Bindung an Gott (…) in der durch die Verehrung der ganzen Erde hochberühmten Kirche” würdigte.

Der Fürstbischof, der bis Ende 1705 mehr als 4000 Scudi für die Statue seines Namenspatrons spendete, befand sich in bester Gesellschaft: Zu den Sponsoren des Apostelzyklus gehörten unter anderem König Pedro II. von Portugal, der Salzburger Fürsterzbischof Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein, Herzog Karl von Lothringen und Papst Clemens XI. selbst. Die dramatisch-bewegten Figuren scheinen in einem „Theatrum sacrum“, einem im Barock beliebten „Heiligen Theater” hervorzutreten.

Römischer Barock

Die Gewandstatue des Philippus ist stark von Mazzuolis Vorbild Gianlorenzo Bernini, dem führenden Bildhauer des römischen Barock, beeinflusst. Die Attribute spielen auf den legendarischen Sieg des Philippus über einen todbringenden Drachen und seinen historisch nicht belegten Tod am Kreuz an: Mit der linken Hand hält der bärtige Apostel ein Kreuz mit kurzen Querarmen, das er in den Leib eines Drachens stößt, auf dessen Kopf er seinen linken Fuß gesetzt hat. Philippus, der mit gesenktem Kopf den von ihm besiegten Drachen betrachtet, hat den Oberkörper nach vorne geneigt, den rechten Arm ausgestreckt und die rechte Hand mit einer sprechenden Geste geöffnet.

Nicht bedeckt vom kurzen Untergewand sind die rechte Schulter, der linke Unterarm und die Beine des Apostels, dessen locker um die Schultern gelegter Mantel über dem rechten Arm und dem linken Oberschenkel liegt. Der Mantel schwingt in einem wie vom Wind bewegten Zipfel aus. Ein Vergleich des 1705 entstandenen, für Greiffenclau geschaffenen und jetzt im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg verwahrten, 79 Zentimeter großen Marmorbozzetto mit der wohl sieben Jahre später vollendeten Kolossalstatue zeigt, dass sich der Bildhauer weitestgehend an den Entwurf gehalten hat.

An Mazzuolis Philippus orientierten sich in der Folgezeit zahlreiche Bildhauer wie Egid Quirin Asam und Johann Joachim Kändler. Auch in Würzburg machte der von Greiffenclau gesponsorte Philippus Schule: „Das Präsentationsmodell wirkte in Würzburg sowohl auf Johann Wolfgang von der Auwera (…), der 1740 die Schutzengelfigur am linken Seitenaltar der Hofkirche in Anlehnung an Mazzuolis Philippusstatuette gestaltete, als auch auf den jungen Johann Peter Wagner, der es um 1765/1770 in einer Tonstatuette kopierte”, berichtet Claudia Maué in dem Bestandkatalog der Bildwerke des 17. und 18. Jahrhunderts im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg.     

Stefan W. Römmelt

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