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Familienfreundliches Radeln am Main entlang

Immer an seiner Seite

Ein sommerlicher Tag bei 26 Grad und leichtem Wind. Genau das Richtige, um zwei Etappen des Mainradweges zu erkunden. Der Main ist einer der größten Flüsse Deutschlands. Er hat zwei Quellflüsse, den Weißen Main, der im Fichtel­gebirge entspringt, und den Roten Main mit seiner ­Quelle in der Fränkischen Schweiz. Nach 527 Kilometern mündet der Main schließlich in den Rhein.

Gestartet wird am Morgen in Schweinfurt, am Museum Schäfer. Die Altstadt im Rücken fahren wir über die ­große Kreuzung und direkt rechts runter an den Main, auf die Promenade. Autofrei gelangen wir so schon nach kurzer Zeit heraus aus der Stadt, linksseitig begleitet vom ruhigen Wasser des Mains. Der Radweg führt dort entlang an einem ehemaligen Lagerweg entlang, der an den Orten der damaligen Werkslager für Zwangsarbeiter vorbeiführt und von der Initiative „Gegen das Vergessen“ mit erklärenden Tafeln versehen wurde. Nachdenklich geht die Tour weiter auf asphaltiertem Weg, immer den Hinweisschildern nach. Leider ist der Sommerwind stärker geworden und wir müssen gegen ihn anstrampeln.

Der Main-Radweg ist in angenehme Tagesetappen zwischen 25 und 50 Kilometern eingeteilt; so kann man dem Fluss in Etappen von den Quellen bis zur Mündung folgen. Die Strecke bietet auch zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten. Damit ist der Main durchaus etwas Besonderes: denn nur selten können Radler einen Flussradweg von der Quelle bis zur Mündung befahren. Hier geht das von der mehr als 900 Meter hoch gelegenen Weißmainquelle im Fichtelgebirge oder der Rotmainquelle, die auf gut 550 Metern Höhe im Fränkischen Jura liegt.

Wir haben uns die Etappe von Schweinfurt nach Volkach ausgesucht, die im Radwanderführer als Kategorie „leicht“ eingestuft wird. Rund 30 Kilometer, für die mit zweieinhalb Stunden veranschlagt sind: Mit Gegenwind brauchen wir etwas länger. Hinter Bergrheinfeld ändert sich das Landschaftsbild. Stromtrassen und Weizenfelder liegen nun hinter uns. Auch die zwei Kühltürme von Grafenrheinfeld, die uns auf der linken Seite eine Weile begleitet haben, sind nicht mehr zu sehen. Dafür kommt uns der Main wieder näher, wie er es noch häufig tun wird. Kein Wunder: Bei Gut Dächheim, gleich nach Garstadt, beginnt laut Radwanderführer das „Weinreich“; auf den nächsten rund 250 Kilometern werden Wein- und Obstanbau den Main-Radweg beinahe ständig begleiten.

Der Höhepunkt dieser Etappe erwartet uns in Wipfeld: das Überqueren des Main mit der Fähre. Viele Male am Tag setzt sie Fußgänger, Radler und PKW über den Fluss. Wir kommen gerade richtig, als die Fähre die Anlegestelle in Wipfeld ansteuert. Einen Euro kostet die Überfahrt für uns Radler, den Mundschutz brauchen wir nicht, denn es ist genug Abstand zwischen den wenigen Personen auf der Fähre. Jetzt tut der Sommerwind gut; es ist wärmer geworden und wir genießen den kurzen Moment der Überfahrt zum Ausruhen. Die Wipfelder Fähre ist, wie die Fähren in Obereisenheim und Fahr, ein Relikt aus einer Zeit, als es nur wenige Brücken über den Main gab. Heute sind die Fähren Teil des Tourismuskonzepts – und, wie wir finden, eine nette Abwechslung, die sicher auch Kinder begeistern dürfte.

Süße Kirschen

Nun führt uns der Radweg schnurgerade an einer recht ruhigen Straße entlang an Stammheim vorbei. Nein, nicht ganz. Hier entdecken wir ein handgeschriebenes Schild – „Kirschen zu verkaufen, 200 m rechts“. Ich muss nicht groß überlegen. Ich möchte Kirschen. Und eine kleine Pause. Mit einem Beutel voller herrlicher Herzkirschen machen wir es uns auf einer Bank am Anleger von Stammheim bequem. Beine baumeln lassen, Kirschen essen, den Blick auf den Main mit vorbei sausenden Sportbooten genießen – großartig. Nach Volkach ist es nicht mehr allzu weit, es folgt ein herrliches Stück des Main-Radweges, vielleicht das schönste auf dieser Etappe. Andere Radler sehen es wohl ähnlich, denn nun wird der Radweg merklich voller und wir haben reichlich Gegenverkehr. Trotzdem genießen wir radelnd die Landschaft am ruhigen Main, der sich hier wieder einmal gelassen direkt nebendran schlängelt.

Einen knappen Kilometer vor Volkach liegt mitten in den Weinbergen die Wallfahrtskapelle „Maria im Weingarten“. Tilman Riemenschneider schuf 1521 bis 1524 die berühmte Mariendarstellung mit Kind im Chorgewölbe. Wer also noch einige Meter hochradeln kann, sollte der Wallfahrtskapelle eine Besuch abstatten und den Blick von oben genießen.

Uns zieht es nach Volkach, ein äußerst beliebter Ort bei Mainradlern. Wir suchen uns direkt am Main ein Plätzchen in einem großen ausgedehnten Biergarten. Räder abstellen, Masken auf und anmelden und schon werden wir freundlich zu einem schattigen Plätzchen geführt. Leider vergesse ich angesichts der schönen Aussicht und des Getümmels am Mainufer mit Campern und Tagesausflüglern völlig, mein Fahrrad-Navi vom Lenker zu nehmen. Das erledigt für mich ein anderer und nimmt meinen Tourenmesser gleich mit. Sehr ärgerlich, denn nun kann ich unsere Tour nicht weiter aufzeichnen.

Nach der Mittagspause ist es noch immer sehr windig, das erschwert zwar die Weiterfahrt, kann uns aber die Laune nicht verderben. So starten wir zur zweiten Etappe auf dem Main-Radweg, die wir ausgesucht haben: von Volkach nach Kitzingen. Auch diese Tour ist als leichte Tour für Familien ausgewiesen. Sie ist 28 Kilometer lang und sollte ebenfalls rund zweieinhalb Stunden dauern. Der Start ist unterhalb der Mainbrücke in Volkach. Es geht zunächst für etwa einen Kilometer auf einen Schotterweg. Nach rund 1,5 Kilometern sollte man aufpassen, denn eine doppelte Beschilderung hat uns zunächst am Mainkanal weiter gelotst. Der Weg teilt sich zwischen Mainkanal und Mainschleifenradweg. Am Kanal entlang ist er geschottert; ein mit Kindern nicht ganz ungefährliches Unterfangen, da man direkt an der Wasserkante fährt. Diese Strecke kürzt den eigentlich Weg ab, führt aber ebenfalls nach Kitzingen. Wir nehmen den Weg in Richtung Sommerach/Nordheim/Hallburg und steigen kurz vom Rad ab, denn hier ist es eng und steil. Bis zur Straße, die Brücke überqueren, dann weitet sich der Radweg. Links geht es zur Hallburg, doch wir verzichten auf den Abstecher und bleiben zur Weiterfahrt auf der rechten Straßenseite. Rund fünf Kilometer sind es auf einem teilweise beschatteten, gut ausgebauten Radweg bis Nordheim.

Willkommen in den Weinorten

Die Route führt mitten durch den herrlichen Weinort mit seinen alten Winzerhäusern, von denen viele großartig restauriert wurden. Danach folgt Sommerach, ein nicht weniger reizvoller Weinort. Hier gönnen wir uns eine Pause im schattigen Hinterhof eines Gasthauses und strecken alle viere von uns. Inzwischen stecken uns doch einige Kilometer in den Beinen. Doch wer in Volkach startet, hat eine herrliche Etappe vor sich. Weinanbau und Streuobstwiesen bestimmen das Landschaftsbild. Von Sommerach geht es weiter nach Schwarzach. Früher führte der Weg an der Ortsverbindungsstraße entlang; für Radler nicht zu empfehlen, da dort kein Radweg ist. Besser und sicherer – besonders für Familien – ist der neu beschilderte Weg in Sommerach zum Mainkanal. Diesen überquert man und fährt rechts in Richtung Schwarzach, vorbei an Gerlachshausen. Dann geht es durch Schwarzach. Die Route führt am eindrucksvollen Kloster Münsterschwarzach vorbei, einem der bedeutendsten Benediktinerklöster in Deutschland. Nicht weit ist es bis nach Dettelbach; der Wallfahrtsort – durchaus auch einen Besuch wert – wurde als karolingische Siedlung bereits im Jahr 741 urkundlich erwähnt. 1148 wurde das Stadtrecht verliehen. Zum Wallfahrtsort wurde Dettelbach, nachdem um 1500 ein Bürger vor einem Gnadenbild erfolgreich um Genesung gebetet hatte. Man errichtete eine Kapelle und Dettelbach erfreute sich über einen Zustrom von Pilgern. Sehenswert sind neben dem Stadtbild das Rathaus aus dem Jahre 1512 und die Augustiner­kirche aus dem 15. Jahrhundert. Bemerkenswert: Von den einst 52 Türmen der Stadtmauer sind noch heute 36 erhalten.

Weiter führt uns der MainRadweg nach Mainstockheim – einem hübschen Straßendorf, das sich langgezogen zwischen dem Über­- schwemmungsgebiet des Mains und den Talhängen einfügt. Dort liegt direkt am Radweg ein ansprechender Wasserspielpatz, der Familien zu einer Rast einlädt. Wir folgen dem Radweg weiter nach Kitzingen, dem Ziel dieser Etappe. Ein ruhiges Stück der Wegstrecke, lediglich der Anblick und die Geräuschkulisse der A3-Autobahnbrücke über den Main vor Mainstockheim schmälert kurz die Radler-Ruhe. Bald danach erscheint die Silhouette von Kitzingen. Dort führt der Weg über die Alte Mainbrücke, Eingangstor zur Stadt und zugleich Ziellinie für diese Tour.     

Judith Bornemann

Infos

Weitere Infos im Internet unter „www.mainradweg. com“; „www.frankentourismus.de/radtouren“; ansonsten empfehlen sich diverse Radführer, beispielsweise Bruckmanns Radführer Mainradweg, 14,95 Euro;
ISBN 978-3-7654-4743-3.

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