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Ein Buchprojekt zum „Wandel” in der Pfarrkirche von Schweinheim

„Hier sprudelt wacher Glaube”

Für Pfarrer Markus Krauth ist Pfingsten das wichtigste Fest im Kirchenjahr. „Es geht dabei um die Frage, ob ich heute als Christ in und aus dem Geist Jesu lebe oder nicht“, sagt er. Das Pfingstfest sei ein wichtiger Anstoß, um zu sehen, wo der Geist heute in und außerhalb der Kirche weht, um seine Bewegung aufzunehmen. Diese Haltung ist eine gute Sehhilfe für das Projekt, das in der Pfarrgemeinde Maria Geburt im Aschaffenburger Stadtteil Schweinheim vor fast 30 Jahren begann und dort bis heute Menschen bewegt, die einen zu Begeisterung, die anderen zu Distanzierung bis hin zur Ablehnung.

Anfang der 90er Jahren stand die Renovierung der Ende des 19. Jahrhunderts erbauten Pfarrkirche an. Pfarrer Krauth nahm damals mit dem österreichischen Künstler Leo Zogmayer Kontakt auf und begann mit ihm in einem Dialog von Theologie und Kunst den Neubau der Kirche ins Auge zu fassen. Ganz bewusst wollte er dieses Projekt nicht mit einem kirchlichen Künstler durchführen: Der Außenblick war ihm wichtig. Heute bezeichnet er die Zusammenarbeit mit Zogmayer als ungeheuer inspirierend. Die Umgestaltung begann, wie Krauth es nennt, mit einer „Enträumung“. Von der alten Einrichtung blieb am Ende nur die Orgel und das Kreuzrelief an der Wand. Die entstandene Leere wurde in minimalistischem Stil zeitgenössisch gestaltet. „Zogmayer hat damit ein völlig neues, spirituelles Konzept entworfen, das Raum und Liturgie bestens entspricht“, erklärt Krauth.

Klare Konturen

Hinter den Ideen steckt unter anderem das Bilderverbot aus dem Alten Testament. In Maria Geburt soll Kunst hinführen zu dem bildlosen, unfassbaren und unbegreiflichen Gott, der uns so auch im Alltag begegnet.

Wer die Kirche betritt, dem fallen die weißen Wände auf, die klaren Konturen, die farbigen Fenster, die viel Licht in den Raum lassen. Statt Kirchenbänke stehen heute Stühle in einem ovalen Kreis, der Altar bildet die Mitte. Von Anfang an gehörte das Wechselspiel zwischen Kunst und Liturgie zum Konzept.

Gemeinsam mit dem Liturgiekreis geht Krauth bis heute Wege, die Feier des Gottesdienstes möglichst so zu gestalten, dass sie der Qualität des Raumes und des Evangeliums entspricht. In der Folge wirkt der Gottesdienst für jemand, der erstmals in Maria Geburt zu Gast ist, etwas befremdlich. An Pfingsten beispielsweise legt sich der liturgische Dienst zu Beginn des Gottesdienstes auf den Boden und verhüllt sich in eine rote Decke. Aus der Verhüllung heraus wird die Anrufung des Geistes „Veni Sancte Spiritus“ angestimmt, die Gemeinde übernimmt den Gesang, der Dienst erhebt sich langsam, spannt das Tuch, schwingt es über den Altar und lässt es dann frei über dem Tisch fallen.

Spielräume ausreizen

Krauth sieht sich gemeinsam mit dem Liturgiekreis auf dem Weg, den das zweite Vatikanische Konzil vorgezeichnet hat. „Wir reizen die Spielräume des Konzils gut aus und gehen an manchen Stellen auch über die Grenzen des sogenannten Gültigen. Denn ohne Praxis, die voran geht, kann nichts Neues entstehen, die Tradition sich nicht erneuern“, erläutert der Priester. Schon bevor Papst Franziskus den Klerikalismus offiziell kritisierte, entwickelte sich nach Krauths Worten in Maria Geburt eine postklerikale – partizipative Gemeindeliturgie. Hier feiern alle als in der Taufe zu Priesterinnen und Priestern Gesalbte gemeinsam auf einer Ebene, Stufen braucht es nicht.

Nicht jeder kann sich mit diesen neuen Wegen identifizieren und so haben sich die Gottesdienstteilnehmer im Laufe der Jahre von der klassischen Ortsgemeinde zu einer Personalgemeinde gewandelt, in der sich vor allem spirituell Suchende angesprochen fühlen. Dass für sie Raum, Liturgie und Gemeinde zu einer neuen spirituellen Heimat geworden ist, kann man dem Buch entnehmen, das jetzt zum 20. Jahrestag der Renovierung erschienen ist.

Texte zum Wandel

Es heißt „voll Gott“ und ist im Wesentlichen von diesen Menschen geschrieben worden. Alle Mitglieder der Pfarrgemeinde waren aufgerufen zu beschreiben, was sie am Wandel in Maria Geburt am meisten berührt. 58 Texte sind aus dieser Einladung in das Buch eingegangen. Sie reichen von kurzen Meditationen bis zu Beschreibungen von Prozessen zur Annäherung an Raum und Liturgie. Nicht immer war das Liebe auf dem ersten Blick. „Vieles, was hier geschieht, wird so neu gedacht, dass es herausfordert, kratzt, Widerstand weckt“, heißt es beispielsweise zu Beginn eines der Beiträge.

„Wildwasser”

Ein anderer Autor beschreibt seine spirituelle Begeisterung so: „Hier ist kein lauwarmes Blubberbad, das ist Wildwasser. Hier sprudelt wacher Glaube!“. Zwei größere Beiträge im Buch stammen vom Vorsitzenden des Zentralkomitees der Katholiken,Thomas Sternberg, und vom Wiener Religionswissenschaftler, Prof. Dr. Karl Baier. Besonders eindrucksvoll sind die farbenfrohen Fotografien, die überwiegend von Bernhard Lippke stammen. Sie bilden aus oft ungewöhnlichen Perspektiven das liturgische Geschehen ab, machen sowohl Bewegung als auch Ruhe sichtbar und zeigen ohne Worte, was da so anders ist in Maria Geburt. Der Titel „voll Gott“ soll eine Anspielung auf die Redewendung „voll gut“ sein, aber im tieferen Sinn auch das Beschreiben der erlebten Gegenwart Gottes: „Wir könnten es klassisch auch ‚gottvoll‘ nennen, denn wir erleben hier viele Wunder und Wandlungen in einem selbst und an der Gemeinde“, erklärt Krauth.

Das Buch ist bereits das dritte, das von der Pfarrgemeinde herausgegeben wird. Und man erkennt einen roten Faden: Im ersten Buch, das zur Eröffnung der Kirche erschien, wurde vor allem der Raum beschrieben, zum zehnjährigen Jubiläum stand die Liturgie und jetzt zum zwanzigjährigen Jubiläum die neue Gemeinde im Mittelpunkt. Auch wenn Krauth mit der momentanen Gestaltung von Raum und Liturgie sehr zufrieden ist, schließt er auch für die Zukunft Veränderungen nicht aus. Im Buch heißt es ja auch unter der Überschrift Pfingsten – ein Highlight: „Wenn sich Christen wirklich auf den Geist einlassen, dann werden sie kreativ.”    

Burkard Vogt

Das Buch „voll Gott“ ist im Verlag Schnell + Steiner, Regensburg erschienen. Es ist im Buchhandel erhältlich oder kann per Mail unter „gemeinde@maria-geburt.de” bestellt werden. Es kostet 19,50 Euro (Subskriptionspreis bis 8. September). Infos auch unter „www.maria-geburt.de”.

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