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      Winzer Wolfram König aus Randersacker war vor 30 Jahren Vorreiter der Traubensegnung im Bistum Würzburg

      Gottes Segen für die Trauben

      „Nächstes Jahr in Randersacker!“ Mit diesen Worten hatte der Würzburger Historiker Otto Meyer 1990 den Randersackerer Winzer Wolfram König ermuntert, in Franken erstmals eine Weintraubensegnung auszurichten. König, heute Ehrenbürger der Gemeinde im Süden Würzburgs, hat Meyers Vorschlag schnell umgesetzt: Wie gewünscht fand bereits am 20. September 1991 – also vor 30 Jahren – in Randersacker (Dekanat Würzburg rechts des Mains) zum ersten Mal eine feierliche, vom Verein Weinbruderschaft Franken ausgerichtete Traubensegnung statt.

      Bereits im Mittelalter hatte es im Bistum Würzburg Traubensegnungen gegeben, wie Historiker Otto Meyer anhand eines Messbuchs rekonstruierte. Die galt es wiederzubeleben. Daher forderte er den Winzer aus Randersacker bei der Jahresabschlussfeier der Weinbruderschaft 1990 dazu auf.

      Wolfram König war das Segnen von Trauben indes nicht unbekannt. Der kirchlich engagierte Winzermeister hatte eine solche Feier schon im August 1980, am Tag des Weinbau-Heiligen Cyriacus, bei einem Urlaub in der Pfalz erlebt. „Da war ein Wallfahrtskirchlein mitten im Wald“, erinnert sich der heute 90-Jährige. Der Ablauf sei zwar ähnlich wie später in Franken gewesen, im Detail dann aber doch verschieden. So fänden die Segnungen der Weinbruderschaft Franken nicht nur im Rahmen von Messfeiern, sondern auch bei ökumenischen Andachten und Gottesdiensten statt, erklärt König.

      Erste Segnung in Randersacker

      Ein Blick in das Programmheft der ersten Randersackerer Traubensegnung von 1991 macht klar, worum es geht. Laut dem 2000 gestorbenen Historiker Meyer ist eine Formel für eine solche Segnung bereits 1481 nachweisbar, im Messbuch der Diözese Würzburg, dem sogenannten „Missale“, das Fürstbischof Rudolf von Scherenberg drucken ließ.

      Die erste Lesung aus dem Buch Deuteronomium stellte die Segnung 1991 in die Tradition des Alten Testaments. Das dort vorgeschriebene, jährliche Erstlingsopfer aller Feldfrüchte im Tempel erinnert an die Befreiung Israels aus Ägypten und die Eroberung des Landes Kanaan. Dass es sich um ein Freudenfest handelt, wird am Schluss klar: „Damit sollst du den Korb mit den Erstlingen vor Jahwe, deinem Gotte, zurücklassen, dich vor Jahwe, deinem Gotte, niederwerfen und dich samt deiner Familie, dem Leviten und dem Fremdling, der in deiner Mitte sich aufhält, an all dem Guten freuen, das dir Jahwe, dein Gott, gab.“ Alle sollen feiern – das ist für Wolfram König bis heute besonders wichtig.

      Weinbruderschaft Franken

      Und welches Evangelium hätte vor 30 Jahren passender sein können, als das 15. Kapitel von Johannes, in dem sich Jesus mit dem Weinstock vergleicht: „Ich bin der Weinstock, ihr die Rebzweige. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt reiche Frucht.“ Danach segnete Pfarrer Philipp Häußlein die Trauben: „Segne, Herr, diese neuen Trauben, die du, Herr, mit himmlischem Tau, mit Regen und in mildem und ruhigem Wetter zur Reife zu bringen dich gewürdiget hast und sie uns gabst zu unserem dankerfüllten Gebrauch im Namen unseres Herrn Jesus Christus.“

      1992 fand die Traubensegnung der Weinbruderschaft Franken dann in der Würzburger Seminarkirche St. Michael statt. Den Gottesdienst hielt der damalige Generalvikar Karl Hillenbrand, der neben Meyer und König an der Wiederbelebung dieser Segnung im Bistum mitwirkte. Er sagte: „Wir sind hier nicht aus nostalgischen Motiven oder gar folkloristischen Gründen. Ich deute die Segnung der ersten Trauben als Ausdruck einer tiefen Sehnsucht, menschliches Tun in Gott verwurzelt sein zu lassen.“

      Kurioser Brief

      Schmunzeln muss Winzermeister König, wenn er einen Brief aus dem Jahr 1993 in die Hand nimmt. Auf dem Umschlag steht: „H. H. Pfarrer Wolfram König“. Ein Versehen des Verfassers, des damaligen Pfarrers von Nordheim am Main, Benediktinerpater Aurelian Weiß? Nein. Vielmehr eine Anspielung auf Königs Engagement. So dankt Weiß in seinem Schreiben an den „Hochwürdigsten Herren“ – dafür steht das „H. H.“ – und „sehr geehrten Herrn Pfarrer König“ für die Übersendung von Unterlagen zur Traubensegnung.

      Dem umtriebigen Winzer ist es zu verdanken, dass 2018 der emeritierte Bischof Friedhelm Hofmann zur Traubensegnung nach Randersacker kam. Eingeladen hatte ihn König persönlich: „Als ich in Würzburg beim Fischerstechen war, saß Bischof Hofmann mit Barbara Stamm vor mir. Dann habe ich ihn gefragt, ob er nicht zur Traubensegnung kommt. Und der Bischof hat geantwortet: ,Rufen Sie am Montag meine Sekretärin an, die weiß, ob ich Zeit habe.‘“ Hatte er. Das hat nicht nur den Winzer sehr gefreut, sondern auch viele andere Randersackerer.

      Gottes Schöpfung als Geschenk

      Unlängst hat die Segnung der ersten Trauben 2021 der Weinbruderschaft Franken im Neumünster in Würzburg stattgefunden; ihr Ort wechselt. König war dabei. Prälat Günter Putz sagte: Der Wein verwandle das Leben zum Fest; die Menschen könnten ‚Ja‘ sagen zum Leben, weil Gott ,Ja‘ zu ihnen sage; der Segen sei Gottes ,Ja‘.

      Ähnlich positiv denkt Winzermeister Wolfram König: „Die ganze Schöpfung ist ein Geschenk an uns Menschen“. Für einen ganz besonderen Teil der Schöpfung danken sie in Randersacker auch heuer wieder mit der örtlichen Traubensegnung, bei einem Gottesdienst am 10. September in der Pfarrkirche St. Stephanus. „Alle Anwesenden sollen sich an den neuen Trauben freuen“, sagt König. Traubensegnungen gehören heute auch in anderen fränkischen Weinorten wieder zum Gemeindeleben. Daran hat Wolfram König entscheidenden Anteil.

      Stefan W. Römmelt

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