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Sonnenlicht und Wolken

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    Gedanken zum Evangelium – Christkönigssonntag

    Getauft auf den König

    Begreifen wir das Leben in der Regel nur im Rückblick? Manchmal brauche ich Wochen, Monate, Jahre, ein ganzes Lebens lang, bis ich verstehe und erkenne. Das Christ­königsfest lädt uns dazu ein, einen Blick in den Spiegel zu wagen, mit der Frage: Wo stehe ich? Wie war mein letztes Jahr mit Christus, „meinem“ König? War es reich an Frieden und Liebe? War es reich an Leid und Schwere? Habe ich etwas von meiner geschenkten, ins Herz gelegten Königswürde erfahren?

    Evangelium

    In jener Zeit verlachten die führenden Männer des Volkes Jesus und sagten: Andere hat er gerettet, nun soll er sich selbst retten, wenn er der Christus Gottes ist, der Erwählte. Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin, reichten ihm Essig und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann rette dich selbst! Über ihm war eine Aufschrift angebracht: Das ist der König der Juden. Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Christus? Dann rette dich selbst und auch uns! Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst! Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.    

    Lukas 23,35b–43

    Ich bin eine Königin! Ich bin eine Königin!“ Die kleine Klara läuft mit einer Krone auf dem Kopf durch die Wohnung und ruft es allen laut und deutlich zu: „Ich bin eine Königin!“ „Ist ja schon gut“, antwortet ihre Mutter und schaut sie fragend an. „Oma hat mir gesagt, seit meiner Taufe bin ich eine echte Königin.“

    Was für eine schöne Geschichte zum Christkönigsfest! Auf Christus, den König, getauft und gesalbt zu sein, ist eine wesentliche Aussage im Taufritual für jeden Menschen. Der Schrifttext aus dem Lukasevangelium zum Christkönigssonntag nimmt uns mit in eine ganz anders gefärbte, eine todernste, brutale und tragische Situation: Jesus – der König – stirbt am Kreuz.

    Lukas beschreibt die letzten Stunden, Minuten des Lebens Jesu. Die einen machen sich lustig über Jesus, andere quälen ihn. Einer der Mitgekreuzigten bittet Jesus um Hilfe: „Denk an mich.“ Von den anderen, die auch dabei waren, wird hier nicht weiter gesprochen. Manche waren sprachlos, fassungslos, entsetzt. Andere liefen davon, aus Angst, oder weil sie diese Tragödie nicht ertragen konnten. Ich weiß nicht, was ich getan hätte – wäre ich geblieben? Das Fest dieses Sonntags mutet uns diese Spannung zwischen Leben und Tod zu. Es schließt den Kreislauf des Kirchen- und Lebensjahres ab. Es lässt uns zurück und nach vorne schauen.

    Begreifen wir das Leben in der Regel nur im Rückblick? Manchmal brauche ich Wochen, Monate, Jahre, ein ganzes Lebens lang, bis ich verstehe und erkenne. Das Christ­königsfest lädt uns dazu ein, einen Blick in den Spiegel zu wagen, mit der Frage: Wo stehe ich? Wie war mein letztes Jahr mit Christus, „meinem“ König? War es reich an Frieden und Liebe? War es reich an Leid und Schwere? Habe ich etwas von meiner geschenkten, ins Herz gelegten Königswürde erfahren?

    Jesus hat sich nie als Herrscher oder Machtmensch gezeigt. Sein Königreich ist nicht von dieser Welt und gleichzeitig ist es mitten unter uns. So wie Jesus in den Schriften des Neuen Testaments beschrieben ist, geht es ihm um das Reich Gottes bei den Menschen, in den Menschen. Es ist der Ort, in dem die Liebe regiert, das Miteinander und Füreinander. Es steht und lebt aus dem Fundament: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Die Liebe ist das Eingangstor in dieses Gottesreich. So wie Jesus den Verurteilten neben sich am Kreuz mitnimmt ins Paradies.

    Ich lade Sie zu einer Übung ein: Schauen Sie in den Spiegel und betrachten Sie sich liebevoll mit den Worten: „Schön, dich zu sehen. Es ist gut, das es dich gibt.“ Dieser kleine Augen-Blick ist eine Chance, sich selbst und dann auch die Menschen, die mit uns unterwegs sind, lieben zu lernen. Ich sage nicht, dass es einfach ist, sich selbst zu lieben. Wie schwer dies ist, erfahren wir täglich in den menschenunwürdigen und hasserfüllten Botschaften um uns herum.

    Der Königsweg im Sinne Jesu wäre: Ich wertschätze und achte mich selbst. Der Schritt zum Nächsten ist dann nur noch klein. Die Königswürde hat uns Christus bei der Taufe schon längst ins Herz gelegt. Das Christkönigsfest ist eine Erinnerung und Aufforderung zum Liebenlernen. Gehen Sie einmal ein paar Schritte mit Christus im Herzen, mit den Worten: „Ich bin ein König! – Ich bin eine Königin!“

    Ursula Summa (ursula.summa@gmx.de) ist Geistliche Begleiterin und Gemeindereferentin im Ruhestand. Sie war zuletzt in der Kur- und Rehaseelsorge tätig.