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Gedanken zum Sonntagsevangelium – 18. Sonntag im Jahreskreis

Für sich und andere sorgen

Wonach hungern wir Menschen, damals wie heute? Das ist die tiefere Frage hinter der Geschichte von der Brotvermehrung. Es geht um unseren Hunger nach einem erfüllten, satten Leben.

Evangelium

In jener Zeit, als Jesus hörte, dass Johannes enthauptet worden war, zog er sich allein von dort mit dem Boot in eine ein­same Gegend zurück. Aber die Volksscharen hörten davon und folgten ihm zu Fuß aus den Städten nach. Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen und heilte ihre Kranken. Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen! Jesus aber antwortete: Sie brauchen nicht wegzu­gehen. Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische hier. Er antwortete: Bringt sie mir her! Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten und alle aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrig gebliebenen Brotstücke ein, zwölf Körbe voll. Es waren etwa fünftausend Männer, die gegessen hatten, dazu noch Frauen und Kinder.    

Matthäus 14,13–21

Die Leute hatten offensichtlich nicht damit gerechnet, dass der Tag so lang werden würde. Sonst hätten sie mitgedacht und sicher ein Lunchpaket gepackt, wie man das heute nennt. Es war ja ein abgelegener Ort, zu dem sie sich – noch dazu so spontan – aufgemacht hatten, um Jesus zu treffen. Und so möchten die Jünger das Volk abends ganz gern zurückschicken, bevor sich das berühmte Loch im Bauch meldet.

Wonach hungern wir Menschen, damals wie heute? Das ist die tiefere Frage hinter der Geschichte. Da geht es natürlich nicht darum, was uns schmeckt oder ob wir regel­mäßig etwas essen. Es geht um unseren Hunger nach einem erfüllten, satten Leben. Haben wir immer genügend Proviant dabei, wenn wir uns an abgelegenen Orten unserer Seele wiederfinden? Welche geistigen Speisen nähren uns? Wie können wir unser inneres Loch füllen, wenn es sich in Fragen nach dem Sinn unseres Seins zeigt?

Gehen wir bei Matthäus ein paar Zeilen zurück, erfahren wir: Jesus ist von der Nachricht über Johannes‘ Hinrichtung (Mt 14,3–12) so geschockt, dass er sich erst einmal wieder zurückziehen muss in die Einsamkeit. Bloß weg hier, mag er sich in seinem Schmerz gedacht haben. Er musste sich sammeln, um nach dem brutalen Verlust nicht in ein Loch zu fallen.

Aber viel Zeit bleibt ihm nicht, die Menschen lassen ihm gar keine Ruhe, und auch die Jünger sind schon nachgekommen. Jeder hungert irgendwie nach irgendwas: nach Nahrung an sich, aber eben auch nach Aufmerksamkeit, Heilung, Zuwendung. Jesus ist auf allen Ebenen gefordert. Wie so oft packt ihn das Mitgefühl für diejenigen, die so viel Mangel spüren.

Dauernd will jemand was von mir! – Vielleicht kennen Sie so ein Gefühl in Situationen mit Partnern, Kindern, Eltern, Freunden, Arbeits­kollegen. Es braucht viel innere Ausgeglichenheit, um in der eigenen Kraft zu bleiben und nicht selbst zu kurz zu kommen mit den eigenen Bedürfnissen. Jesus hatte diese Ausgeglichenheit – aber oft erst dann wieder, wenn er sich eine Weile zurückgezogen hatte. Immer Vollgas geben, das kann auch er nicht. Das macht ihn sehr, sehr menschlich.

Wir nennen so etwas heute Psychohygiene. Das meint die eigene Verantwortung, uns über das rein Alltägliche hinaus selbst gut zu versorgen, quasi den Proviant zu packen für unseren Lebensweg. Jesus wusste sich im Rückzug, in Stille und Gebet von Gott tiefer genährt, gerade in Zeiten, in denen er sehr emotional war. So gesättigt mit göttlicher Kraft konnte er von seiner Fülle auch anderen geben. Und aus fünf Broten und zwei Fischen wird ein Übermaß an Zuwendung und Nahrung.

Schauen wir noch, wie es weitergeht: Ein paar Zeilen später lesen wir, dass es dann auch Jesus an der Zeit fand, die Fünftausend nach Hause zu schicken. Er stieg auf einen Berg, um für sich allein zu beten (Mt 14,22f). Es reicht wieder, er nimmt sich die Ruhe, die er braucht.

Sollten wir es nicht genauso machen? Die Sache mit dem Gut-für-sich-selbst-Sorgen ist keine ausgelutschte Floskel. Es ist lebenswichtig, die Balance zu finden zwischen unseren Aufgaben und dem Bedürfnis nach Rückzug, damit wir lernen, zu spüren, was unsere tiefere Nahrungsquelle ist.

Susanne Wahler-Göbel („katsumoto.swg@gmx.de“) ist freiberufliche Theologin und Körpertherapeutin in Bad Kissingen.

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