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Für Achtung und Toleranz

Wir müssen mehr tun, um gegen Antisemitismus vorzugehen. Dazu ist die ganze Gesellschaft auf allen Ebenen aufgerufen“,
sagte die frühere Landtagspräsidentin Barbara Stamm bei der Gedenkfeier anlässlich der 80. Wiederkehr der Reichspogromnacht in der Synagoge Memmelsdorf (Dekanat Haßberge). „Denn wir sind es den Opfern schuldig, die Erinnerung wachzuhalten!“   Die Feier, die von Karin Meyer-Jungclaussen am Akkordeon musikalisch begleitet wurde, stand unter dem Thema „Gedenken 2.0“. Kam es dem Träger- und Förderverein Synagoge Memmelsdorf/Ufr. bisher darauf an, das Gedenken an die Gräueltaten aufrecht zu erhalten, so zielt dessen Fragestellung nun auf die Zukunft ab. „Immer lauter werden die Stimmen, die das Gedenken in Frage stellen, die Ausgrenzung und Rassismus gut finden oder die die Juden für die Lage im Nahen Osten verantwortlich machen. Daher müssen wir uns jetzt fragen, wie unser Verein, die Gesellschaft und wir selbst darauf reagieren“, so Vorsitzende Iris Wild.  

„Beschämend”

„Wir gedenken heute der Opfer der Reichspogromnacht am 9. November 1938. Mit ihm nahm vor 80 Jahren das Böse und das Unfassbare für jedermann sichtbar seinen Lauf“, sagte Barbara Stamm in ihrer Ansprache. „Auch hier in Memmelsdorf wurden Mitglieder der jüdischen Gemeinde von SA-Männern gezwungen, alle beweglichen Gegenstände aus der Synagoge zu reißen und auf einem Feld vor dem Dorf zu verbrennen. Dass die Synagoge nicht in Brand gesteckt wurde, war nur der Nähe zu anderen Gebäuden geschuldet“, so die Rednerin, die die Ausschreitungen „als zentral gelenkt“ bezeichnete. „Dass viele Menschen den brutalen Exzessen stillen oder offenen Beifall zollten, war und ist beschämend!“ Erschreckend sei, dass antisemitische Äußerungen stark zunähmen, aggressiver würden und antisemitische Delikte anstiegen. Natürlich müsse man sich auch mit einem muslimischen oder arabischen Antisemitismus auseinandersetzen. Dabei müssten gerade die jungen Leute die Voraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben in gegenseitiger Achtung und Toleranz schaffen. Denn, wie es der Holocaust-Überlebende Primo Levi einmal gesagt habe: „Es ist geschehen – folglich kann es wieder geschehen: darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.“

Nicht abgrenzen

Landrat Wilhelm Schneider betonte, dass es für die Gräueltaten keinen Punkt des Vegessens gebe. „Lernen aus der Erinnerung heißt heute: dass wir uns nicht abgrenzen, sondern aufeinander zugehen, Barrieren abbauen und die Aufgabe gemeinsam meistern“, erklärte er. „Integration und Aufklärungsarbeit finden vor allem in Kindergärten, Schulen, Vereinen und Kirchengemeinden statt. Daher sollten wir unsere Erinnerungsarbeit auf diese Bereiche ausdehnen.“ Aktuell bemühe sich der Landkreis Haßberge mit der Gemeinde Untermerzbach die ehemalige Synagoge Gleusdorf zu einem Informationszentrum für Orts- und jüdische Geschichte umzubauen. Schneider lobte auch das Engagement der verstorbenen Historikerin Cordula Kappner, die mit Schülern des Gymnasiums Ebern die Wanderausstellung „Vergiss-mein-nicht“ erstellt hatte.   Der stellvertretende Vorsitzende des Träger- und Fördervereins, Herbert Becker, zeichnete ein erschreckendes Bild angesichts des zunehmenden antisemitischen Gedankenguts. „Wie soll ein Volk zu seinen dunklen Seiten stehen, wenn die verantwortlichen Einzelnen ihre Schuld verdrängen und verleugnen?“, fragte er. Gleichzeitig meinte er, dass sich an die Erfahrungen mit Flucht, Vertreibung und Verfolgung der Mitbürger aus anderen Kulturkreisen „andocken“ und mit den „für uns so selbstverständlichen Freiheitsrechten“ wuchern lassen könnte.   

18 Ermordete

Zuletzt verlas der Bürgermeister von Unternerzbach, Helmut Dietz, die Namen der letzten 18 jüdischen Mitbürger aus Memmelsdorf. Rabbinerin Antje Yael Deusel (Bamberg) stimmte in dem Gedenken an alle sechs Millionen Juden, die ermordet wurden, weil sie Juden waren, zwei Gebete an.   Ulrike Langer

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