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Bischof Bernardo Johannes Bahlmann

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Zum Interview:
Willi Dürrnagel veranstaltet Führungen über die Friedhöfe der Domstadt

Friedhofsgeschichten

Willi Dürrnagel veranstaltet Führungen über die Friedhöfe der Domstadt
Auf dem Würzburger Hauptfriedhof kennt Willi Dürrnagel sich aus. Er weiß, wo der Theologe Hermann Schell oder die Schriftstellerin Emy Gordon bestattet wurden, und die Grabplatte des Orthopäden Bernhard Heine findet er auf Anhieb. Zudem bemerkt er nicht selten, wenn Gräber plötzlich verschwunden sind, weil meist entfernte Angehörige sie nicht weiterführen. Und das, obwohl der Friedhof zwischen Martin-Luther-, Beethoven- und Siligmüllerstraße immerhin 22 000 Gräber umfasst.
 
Stadtgeschichte als Hobby
Die Würzburger Friedhöfe sind letzte Ruhestätte für die Bürger der Domstadt. Sie bieten aber auch eine ganze Reihe von Namen verdienter Menschen, die ein Teil der Stadtgeschichte sind. Eben diese Geschichte fasziniert Dürrnagel. Sie ist sein Hobby – wahrscheinlich sogar mehr als das. Er sammelt, was ihm in die Finger kommt: Alte Postkarten und Fotos, Zeitungsausschnitte und vor allem jede Menge Bücher. Mehr als 14 000 sind nach und nach zusammen gekommen. Immer wieder nutzen Studenten Dürrnagels persönliches Archiv für Fach- oder Doktorarbeiten.
Doch nicht nur sie profitieren vom Hobby des Würzburger Stadtrates. Seit 1995 führt er Jahr für Jahr Gruppen interessierter Bürger über Haupt-, Wald-, Stadtteil- und israelitischen Friedhof. 20 bis 50 Teilnehmer sind jedes Mal dabei, bei Führungen über den israelitischen Friedhof sogar rund 160. „Ich möchte sie an Personen erinnern, die nicht vergessen werden sollten“, erklärt Dürrnagel. Er erzählt von den Menschen, die sich hinter den Namen auf den Grabsteinen verbergen, berichtet von deren beruflichen und privaten Erlebnissen und zeigt Bilder der Verstorbenen. Damit er selbst nichts vergisst, hat er immer einen Packen Papier dabei: Computerausdrucke, fein säuberlich in Klarsichthüllen verpackt, wichtige Textpassagen sind gelb markiert. Einiges berichtet Dürrnagel auswendig, einiges liest er ab. Schließlich hat der Friedhofkenner mittlerweile 2304 Biografien in seinem Computer gespeichert. Dazu ist er von Grab zu Grab gegangen, hat die Namen notiert und anschließend recherchiert. „An die Informationen über die verschiedenen Personen zu kommen, ist verhältnismäßig zeitraubend“, sagt er. Fast acht Seiten voller Daten, Fakten und Zitate hat Dürrnagel beispielsweise über Hermann Schell, den Professoren der Theologischen Fakultät an der Universität Würzburg, zusammengetragen. Nicht nur, dass die Büste am Grabmal von Schells Verehrer Ferdinand Seeböck stammt.
 
Theologe Hermann Schell
In den Unterlagen heißt es außerdem: „Der zu seiner Zeit hoch geschätzte und heftig bekämpfte Würzburger Theologe Hermann Schell ist vor allem als Verfechter einer Erneuerung der katholischen Kirche und Theologie sowie als Schöpfer einer originellen Gottes- und Trinitätslehre in das Bewusstsein der Nachwelt eingegangen.“ Und dass ein fast endloser Leichenzug Schells Sarg 1906 zum Grab begleitete, erzählt Dürrnagel auch.
Bevor er während der Friedhofsführungen aber auf die einzelnen Personen eingeht, berichtet er von der Geschichte der Friedhöfe. Die lagen nämlich nicht immer dort, wo sie sich heute befinden, sondern lange Zeit direkt neben den Kirchen. Und auch im Innenraum der Gotteshäuser wurden Verstorbene beigesetzt. Erst am 3. Juni 1806 segnete der Pfarrer von Stift Haug den Hauptfriedhof, der wegen Überfüllung im Laufe der Jahre immer wieder erweitert werden musste.
Manchmal weisen die Teilnehmer der Führungen Dürrnagel auf Details aus dem Leben der Verstorbenen hin. „Das war doch der ...“ oder „Hat die nicht ...“ sagen sie. Viel öfter aber hören sie einfach nur zu. Sie lassen sich erzählen, wie der Orthopäde Dr. Bernhard Heine das so genannte Osteotom erfunden hat – eine Knochensäge, die sämtliche Knochenschnitte ohne Hammer und Meisel ermöglichte. Oder aber, wie Emy Gordon 1904 in Würzburg den Katholischen Frauenbund gründete und das Blatt „Die Praktische Hausfrau“ leitete. Und nicht selten staunen die Teilnehmer der Führungen dann darüber, welch wichtige Menschen auf dem Würzburger Hauptfriedhof begraben sind. Die Biografien aller dieser Menschen hat Willi Dürrnagel noch nicht in seinem Computer erfasst. Aber er arbeitet daran.

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