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Im März können sich Neugierige beim zweiten Kirchenbarcamp einbringen

Freie Bahn für freie Meinung

Sich austauschen, Dinge, die nerven, beim Namen nennen, hinterfragen, Ideen spinnen – all das ist bei einem sogenannten Kirchenbarcamp möglich. Der ungewöhnliche Begriff steht für eine neue Form von Konferenz. Anders als bei herkömmlichen Tagungen schlagen die Teilnehmer, bevor es losgeht, selbst Themen vor. Am 27. November 2020 hatte erstmals in Würzburg ein ökumenisches Online-Kirchenbarcamp stattgefunden. Die zweite Auflage ist für den 19. März um 18 Uhr geplant.

Es war dem Maßnahmenkatalog zur Eindämmung der Corona-Pandemie geschuldet, dass sich die Teilnehmer des ersten Kirchenbarcamps virtuell trafen. „Eigentlich hatten wir die Veranstaltung analog geplant“, erzählt Martin Kempen, der das Barcamp mitveranstaltet hat. Sich von Angesicht zu Angesicht gegenüberzusitzen, ist natürlich viel schöner, als lauter kleine Bildchen am Computer zu sehen. „Und doch war das Online-Barcamp besser, als alles abzusagen“, so der Pastoralpsychologe. Diese Meinung teilten viele. Viel mehr als letztlich gedacht: „Wir hatten keine große Werbung gemacht, dennoch nahmen um die 70 Menschen teil.“

Teilnehmer entscheiden

Darüber, ob ein Thema akzeptiert wird oder nicht, entscheiden beim Barcamp die Teilnehmer selbst. Martin Kempen erklärt, wie das funktioniert: „Wer eine Themenidee hat, stellt zunächst sich selbst mit seinem Namen und drei Stichworten vor, danach ist 30 Sekunden Zeit, das Thema darzulegen.“ Das nennt sich „Pitch“. Die Teilnehmer werden danach gefragt, wie groß das Interesse am Thema ist: „Das Ergebnis wird simultan eingeblendet.“ Am Ende werden, je nach Resonanz, so viele Themen ausgewählt, wie Foren geplant sind. Beim ersten Würzburger Kirchenbarcamp ging die Sache zufällig auf: „Wir hatten zwölf Foren geplant und genau zwölf Themenvorschläge.“

Allmählich, stöhnen immer mehr Leute, vergeht einem die ganze Lust am Digitalen, weil dermaßen viel online stattfindet. Private Kommunikation. Homeoffice. Weiterbildung. „Es gibt für dieses Phänomen sogar einen neuen Fachbegriff, nämlich ‚Zoom fatigue‘“, bestätigt Kempen. Dennoch: „Nichts zu machen, ist einfach die schlechtere Alternative.“ Darum soll es ein zweites Kirchenbarcamp online geben. Die Teilnahme sei ja ganz und gar freiwillig. Überhaupt: Die große Freiheit macht den Reiz des Formats aus. Jeder ist mit jedem per du. Jeder kann sich frei für Themen entscheiden. Jeder kann frei seine Meinung äußern. Und jeder kann jederzeit eine Pause einlegen.

Erwartungen an die Kirche

Hat die Kirche ihr Ohr noch am Puls der Zeit? Braucht es sie noch im 21. Jahrhundert? Wenn ja, wofür soll sie da sein? Welche Erwartungen werden an Christen gestellt? Um solche Fragen ging es bei einem der zwölf Foren im November, das Bildungsreferent Andreas Bergmann vom Tagungszentrum Schmerlenbach mit begleitet hat. Christliche Gemeinschaften, so ein Ergebnis der online geführten Diskussion, können einen Kontrapunkt zur grassierenden Oberflächlichkeit setzen. Außerdem bleibt die christliche Botschaft eine wichtige Motivation, um sich im Kleinen wie im Großen für Frieden und ein respektvolles Miteinander einzusetzen.

Jeder darf mitmachen

Die Kombination von durchdachter Organisation im Vorfeld und spontaner Gestaltung während der Veranstaltung begeisterte die Teilnehmer am ersten Kirchenbarcamp. Vor allem eine Rückmeldung ging Martin Kempen unter die Haut: „Wir fragten, was wir beim nächsten Mal besser machen könnten, worauf ein Teilnehmer meinte: ,Nichts, Hauptsache ihr macht es wieder!'“ So was ist selten. Gibt es doch fast immer was zu bekritteln. Gerade, wenn etwas brandneu ist. Wie leicht passieren da kleine Pannen. Vor allem, was die Technik anbelangt. Klitzekleine Missgeschicke passierten denn auch beim ersten Barcamp, waren aber überhaupt nicht schlimm.

Es gehört ein gewisses Quantum Mut dazu, sich auf ein Online-Kirchenbarcamp einzulassen, wenn man selbst nicht gerade ein Technik-Nerd ist. Außer diesem Mut gibt es jedoch keinerlei Teilnahmevoraussetzungen. Abgesehen natürlich von der Bereitschaft, fair mit anderen zu diskutieren. Zur Teilnahme am zweiten Barcamp sind laut Kempen wieder Menschen aller Couleur eingeladen, die Lust haben, sich auf Diskussionen zum weiten Themenfeld „Kirche“ einzulassen. Die Teilnehmer müssen nicht kirchlich gebunden sein. Auch Kirchenkritiker sind willkommen: „Und am Ende der jeweils dreiviertelstündigen Diskussionen muss es auch keinen Konsens geben.“

Häppchen gibt es nicht

Viele Wissenshungrige lieben es, auf Konferenzen zu gehen, weil sie da jedes Mal interessante Menschen kennen lernen. Oft am Rande der Veranstaltung. In der Kaffeepause. Oder zum Ausklang bei Häppchen und Wein. Ist dies denn auch bei einer Online-Konferenz möglich? Martin Kempen nickt. Zwar bietet der virtuelle Raum nicht so viele spontane Begegnungsmöglichkeiten wie ein reales Kongresszentrum. Doch es kam auch beim ersten Kirchenbarcamp zum persönlichen Austausch: „Denn jenseits der Foren kann man über einen privaten Chat andere Teilnehmer kontaktieren.“

Martin Kempen selbst sieht es als eine reizvolle Aufgabe an, Kirchenbarcamps zu organisieren – online oder offline. Das tut er allerdings nicht alleine. Viele helfen zusammen, damit sich die Idee „Kirchenbarcamp“, die es andernorts schon länger gibt, auch in Würzburg durchsetzt. Dazu gehören die Diözese Würzburg, der Würzburger Caritasverband, das Kloster Oberzell, die Erlöserschwestern und die CityChurch. Außerdem wurde und wird das neue Format vom Zentrum für digitale Innovationen Mainfranken sowie der „Wuerzburg Web Week“ inspiriert. Zugang zum nächsten Barcamp gibt es über das Konferenzsystem „BigBlueButton“.

Pat Christ

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