Hinweis

Ihre Browserversion wird leider nicht mehr unterstüzt. Dies kann dazu führen, dass Webseiten nicht mehr fehlerfrei dargestellt werden und stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Wir empfehlen Ihnen, Ihren Browser zu aktualisieren oder einen der folgenden Browser zu verwenden:

Schwimmbecken

Auf der Suche nach Sommerlektüre?

Das Sonntagsblatt bietet tollen Lesestoff.
Entdecken Sie unsere Abos!

    Das Sonntagsblatt bietet tollen Lesestoff.
    Entdecken Sie unsere Abos!

      Mehr
      Interview mit dem Theologen und Banker Helge Wulsdorf über nachhaltiges Wirtschaften

      Es ist noch Luft nach oben

      Der Markt für faire und grüne Finanzprodukte boomt. Aber was genau steckt dahinter – und welche Rolle spielen die Kirchen dabei? Dazu äußert sich im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur der Bankkaufmann und promovierte Theologe Helge Wulsdorf. Er leitet seit 2003 den Bereich „Nachhaltige Geldanlagen” bei der Bank für Kirche und Caritas in Paderborn. Der 53-Jährige gehörte zum Beraterkreis bei der Erstellung der ersten Auflage der Orientierungshilfe.

      Herr Wulsdorf, inzwischen werben viele Banken und Finanzinstitute mit nachhaltigen Geldanlagen. Aber ist dieses Prinzip überhaupt realisierbar angesichts der immer enger miteinander verflochtenen globalen Geld- und Warenströme?

      Nachhaltigkeit ist sowohl in der Real- wie in der Finanzwirtschaft angekommen. Die Intention, guten Gewissens Geld anzulegen, ist nicht nur ein frommer Wunsch, sondern tatsächlich möglich. Weil wir uns beispielsweise über Datenbanken ein Bild davon machen können, wie nachhaltig Unternehmen wirtschaften.

      Woher weiß der Kunde, dass sein Geld ethisch-nachhaltig angelegt wird?

      Die auf Nachhaltigkeit spezialisierten Banken veröffentlichen ihre ethisch-nachhaltigen Anlagekriterien im Internet und legen offen, wie sie beispielsweise ihre Aktien- oder Rentenfonds nachhaltig managen. Die sogenannten ESG-Kriterien helfen dabei, das Investment unter den Gesichtspunkten von Nachhaltigkeit und Ethik zu beurteilen. Dabei steht „E” für „Environment”, also Umwelt, „S” für „Social”, also gesellschaftliche Aspekte, und „G” für „Corporate Governance”, also verantwortungsbewusste Unternehmensführung.

      Das klingt recht allgemein. Auf welche Kriterien legen kirchliche Anleger besonderen Wert?

      Es gibt sicher klassische katholische Kriterien, die Investitionen ausschließen, die Abtreibung oder Verhütungsmittel wie die Pille danach zulassen, von embryonaler Stammzellforschung oder dem Klonen menschlichen Erbguts profitieren, oder von Staaten, die die Todesstrafe praktizieren oder Unternehmen, die geächtete Waffen produzieren. Wichtig ist aber: Beim ethisch-nachhaltigen Investieren gehen die Kirchen keinen Sonderweg. Die Geldanlagen spiegeln über kirchliche Kriterien hinaus internationale Standards wider, was etwa die Einhaltung von Menschen- und Arbeitsrechten sowie den Klima- und Umweltschutz anbelangt.

      Legen kirchliche Anleger die Kriterien enger aus?

      Sie haben sich dazu sogar eigentlich verpflichtet. Schon in ihrem gemeinsamen Sozialwort betonten die evangelische und die katholische Kirche 1997, dass die Kirchen an ihr Handeln strengere Maß­stäbe anlegen, weil sie als moralische Institutionen höheren Ansprüchen genügen wollen.

      Können Sie ein Beispiel nennen?

      Mit seiner Enzyklika „Laudato Si” hat Papst Franziskus die Bewahrung der Schöpfung ganz vorn auf die Agenda gesetzt. Das ist mehr als nur Umweltschutz – und sollte sich auch in den Anlagestrategien katholischer Einrichtungen und Institutionen niederschlagen.

      Welche Marktmacht hat die katholische Kirche in Deutschland?

      Wenn man alle Bistümer und Einrichtungen zusammennimmt, ist sie nicht zu unterschätzen. Wie viel Kapital da ist und wie viel angelegt ist – das ist nicht zu verachten.

      Aber?

      Meist agiert jeder Träger für sich allein. Dabei ließen sich ethisches und nachhaltiges Wirtschaften unter christlichen Perspektiven besser umsetzen, wenn man sich zusammentun und etwa als Aktionäre gemeinsam Druck machen würde. Dazu bräuchte es unter anderem transparente gemeinsame Standards – also mittelfristig eine Leitlinie anstelle einer Orientierungshilfe.

      Und vielleicht eine engere Kooperation zwischen katholischer und evangelischer Kirche?

      Da passiert schon einiges. Aber es ist noch Luft nach oben. Die Evangelische Kirche in Deutschland hat einen Arbeitskreis kirchlicher Investoren. Auf katholischer Seite gibt so etwas nicht. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Verantwortlichen zu wenig im Blick haben, was ökumenisch alles möglich ist. Die Kirchenbanken sind da mitunter weiter als die Kirchen selbst, zum Beispiel mit der gemeinsamen Fondslinie „KCD für Kirche, Caritas und Diakonie” und gezielten Engagement-Aktivitäten, also dem Bestreben, aktiv Einfluss auf Unternehmen im Sinne von ethisch-nachhaltigem Handeln auszuüben.

      Wirtschaftet die Bank für Kirche und Caritas in Paderborn eigentlich komplett ethisch und nachhaltig?

      Das ist schon Kern unserer Geschäftspolitik. Wir haben uns selbst verpflichtet, ethisch-nachhaltige Maßstäbe einzuhalten – und diese legen wir als Filter auf unser gesamtes Anlagegeschäft. Allerdings: Auf dem Kapitalmarkt gibt es nicht nur schwarz und weiß. Geld zu haben und zu verwalten heißt auch, Verantwortung wahrzunehmen und auf Veränderungen hinzuarbeiten, wo es nicht so nachhaltig läuft, wie es möglich wäre.

      „Diese Wirtschaft tötet” lautet ein vielzitierter Ausspruch von Papst Franziskus. Wenn man die Sache so betrachtet, sind dann nicht ethisch-nachhaltige Investitionen eher eine Art Feigenblatt für Unternehmen und Banken, um sich ein besseres, ein „grüneres” Image zu geben und ansonsten so weitermachen zu können wie bisher – Stichwort „Greenwa­shing”?

      Der Papst hat zurecht Fehlentwicklungen in der Wirtschaft angeprangert. Was das Thema Nachhaltigkeit anbelangt, so sind sich inzwischen alle Player bis hin zur Regulierungsebene etwa bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin einig, dass wir Greenwashing einen Riegel vorschieben müssen. Es liegen zudem bereits einige EU-Verordnungen vor, die hier Abhilfe schaffen wollen. Vor Jahren konnte noch jeder das Label „nachhaltig” nutzen, ohne dass da näher hingeschaut wurde. Das geht inzwischen nicht mehr.

      Dem Papst scheint es aber um einen tiefgehenderen Umbau des Wirtschaftssystems zu gehen.

      Natürlich rettet das ethisch-nachhaltige Investment allein die Welt nicht. Aber ich glaube, dass die Unternehmen, die sich mit diesen Prinzipien identifizieren, für eine zukunftsfähige Form von Wirtschaft stehen, die dann eben nicht mehr „tötet”. Eine Wirtschaft, die aus der Nutzung fossiler Energien aussteigt, die Umwelt schont und menschenwürdiges Leben auf diesem Planeten auch in Zukunft möglich macht.

      Interview: Joachim Heinz (KNA)

      In der Printausgabe lesen Sie über Empfehlungen der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken zur ethisch-nachhaltigen Anlage kirchlicher Gelder. Eine Broschüre „Ethisch-nachhaltig investieren” kann auf der Internetseite des Zentralkomitees kostenfrei heruntergeladen werden.

      Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung