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Erwartungen erfüllt

Zur Rücknahme des Katholischen Medienpreises: Nur zu gerne bekommen wir bestätigt, „was wir immer schon gesagt oder gemeint haben.“

„Verleihung mit Nachspiel“ ist ein Beitrag in dieser Sonntagsblatt-Ausgabe überschrieben. Es geht darum, dass einer der 2017 verliehenen Katholischen Medienpreise nachträglich wieder aberkannt wurde. Damit, dass sie sich von dem einstigen Preisträger, dem Spiegel-Journalisten Claas Relotius, hat täuschen lassen, befindet sich die Jury des Katholischen Medienpreises in guter Gesellschaft.

Denn nicht nur die 2017 von ihr prämierte Reportage, sondern noch etliche weitere, in renommierten Publikationen veröffentlichte Artikel aus der Feder des Autors waren – zumindest in weiten Teilen – frei erfunden. Dass Relotius trotzdem mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden ist, darf man als Indiz dafür werten, dass der Mann offensichtlich gut schreiben kann und die journalistischen Stilformen beherrscht. Und dass er wusste, was bei seinen Auftraggebern und auch beim Leser ankommt.

Dass er seine Geschichten mit einer Melange aus Erlebtem, Recherchiertem und frei Erfundenem so hingebogen hat, wie man sie wohl von ihm erwartete, spricht für viel Phantasie und Kreativität sowie reichlich kriminelle Energie. Dass man sich von der vermeintlichen Edelfeder hat blenden lassen, ist gerade für den für seinen peniblen Faktencheck berühmten Spiegel peinlicher als für die Jurys, die Relotius Preise zuerkannt haben.

Sollte aber auch für diese Anlass sein, ihre Kriterien und Erwartungen in Frage zu stellen, zumindest zu überdenken. Worum es dabei gehen sollte hat der Journalist Hans Leyndecker vor der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland gut auf den Punkt gebracht. Mit seinen erfundenen Zitaten und Details habe Relotius „Klischees und Vorurteile – unsere Vorurteile“ bedient, sagte Leyendecker da. Nur zu gerne bekämen wir bestätigt, „was wir immer schon gesagt oder gemeint haben.“

Oder anders ausgedrückt: Wer schreibt, was ich meine oder erwarte, gelte als guter Schreiber, wer nicht schreibt, was ich meine, eben nicht. Dieses Schema wird leider nur allzu oft angewendet – nicht nur bei der Vergabe von Journalistenpreisen.    

WOLFGANG BULLIN

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