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    Angehende Marketing-Experten der FHWS sammeln Spenden für die Sanierung der Wallfahrtskirche

    Engelpaten fürs Würzburger Käppele

    Wer auf Spenden in Millionenhöhe angewiesen ist, steht gerade in diesen Zeiten vor einer Herkulesaufgabe. Die „Katholische Kirchenstiftung Käppele“ befindet sich in einer solchen Situation, denn das Käppele auf dem Würzburger Nikolausberg ist stark renovierungsbedürftig. Die fachkundige und engagierte Unterstützung durch 16 Studierende der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) hat sich dabei jetzt als echter Glücksfall erwiesen; zugleich zeigt das Engagement der jungen Leute, wie Spendensammeln gehen kann.

    Fast sieben Millionen Euro werden von Experten für die umfangreiche Sanierung des Rokoko-Kleinods, das bei Besuchern der Bischofsstadt ganz oben auf der Liste der Sehenswürdigkeiten steht, veranschlagt. Ein Betrag, den die „Katholische Kirchenstiftung Käppele“ als Eigentümerin der Wallfahrtskirche unmöglich allein aufbringen kann, so Pfarrer und Wallfahrtsrektor Josef Treutlein. Zur Unterstützung wurde deshalb 2021 ein Förderkreis gegründet, der unter dem Motto „Unser Käppele soll wieder strahlen“ Spenden einwirbt. Neben den Mitgliedern des Förderkreises hat sich im Sommersemester 2022 eine Gruppe von jungen Leuten für die Sanierung eingesetzt. 16 Studierende des Studiengangs Betriebswirtschaft an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) haben sich im Rahmen ihres Marketing-Schwerpunktsemesters im sechsten Semester das ehrgeizige Ziel gesetzt, eine Million Euro zusammenzutragen.

    Theorie, Praxis und viele Engel

    „Da wir alle aus Würzburg oder der näheren Umgebung kommen und sehr heimatverbunden sind, hat das Projekt einfach nahe gelegen“, berichtet Studentin Anna-Maria Schömig. Zugleich bekamen sie durch das Käppele-Projekt die Möglichkeit, „die erlernte Theorie und Modelle aus dem Marketing-Schwerpunkt praktisch anzuwenden“. In den Teams „Kampagne“ unter Leitung von Anna-Maria Schömig und Lea Zipperer sowie „Fundraising“ unter Leitung von Sophie Triebel entwickelten die jungen Leute frische Ideen für ein altes Thema. Fachlich begleitet wurden sie von Prof. Dr. Andreas Fuchs und Prof. Dr. Markus Besenbeck sowie Pfarrer Josef Treutlein, Burkard Pfrenzinger und Bernhard Schlereth vom Förderkreis.

    Haupt-Anknüpfungspunkt und Herzstück des Projekts waren für die Studierenden die Engel der Wallfahrtskirche. Und die gibt es in der Kirche tatsächlich zuhauf und in allen Größen: Gemalte, geschnitzte, stuckierte Engel, anbetende, jubelnde, majestätische, kindliche, spielende, warnende, kämpfende, musizierende, schützende und wachsame Engel. Für die rund 100 Himmelsboten haben die Studierenden Engel-Patenschaften ausgelobt. Wer ein Patenamt übernimmt – die Preise liegen je nach Exemplar zwischen 500 und 1800 Euro – kommt damit für die Restaurierungskosten der jeweiligen Figur auf, und erwirbt sich – so werben zumindest die Studierenden – eine Art „persönlichen Schutzengel, der dir in jeder Lebenslage zur Seite steht und über dich und deine Liebsten wacht.“

    Schutzengel ersteigert

    Bei einer abendlichen Auktion auf der Panorama-Terrasse des Käppele Anfang Juni konnten Interessenten sich „ihren“ Engel ersteigern. Weil Geschäftsleute Dienstleistungen und Produkte günstiger oder gratis gewährt haben, fielen dafür kaum Kosten an. 17 Paten haben bei der Auktion zugeschlagen, in den darauffolgenden Wochen kamen knapp 20 weitere dazu, so dass die Einnahmen hier inzwischen bei rund 70000 Euro liegen, informiert Ulrike Shanel vom Förderkreis.

    Zusätzlich haben die jungen Leute unter dem Stichwort „Schutzengel gesucht?“ im Internet eine Spendenplattform auf Betterplace eingerichtet. Als besonderer Anreiz werden unter allen Spendern drei Engel verlost. 1442 Euro an Spenden wurden bislang auf diesem Weg generiert, hinzu kommt der Ertrag aus den aufgestellten Spendenboxen und der Verkauf eines eigenen Käppele-Bocksbeutels vom Würzburger Juliusspital mit 1650 Euro.

    Erfolg trotz verfehlten Ziels

    Auch wenn das anfänglich gesetzte Ziel von einer Million etwas zu hoch gegriffen war, ist die Aktion ein bemerkenswerter Erfolg. „Das Engagement der Studierenden war ein großes Geschenk für uns“, bestätigt Pfarrer Treutlein. „Mit ihrer Frische, ihren Ideen und ihrem großen Einsatz haben sie uns viele Impulse für unsere Weiterarbeit gegeben. Besonders gefreut hat mich zu sehen, wie verbunden die jungen Leute mit dem Käppele sind. Sie haben dafür gesorgt, dass das Käppele über den kirchlichen Dunstkreis hinaus in die Bevölkerung getragen wurde. Ihre Öffentlichkeitsarbeit hat ganz viel Aufmerksamkeit bekommen“, so Treutlein weiter.

    Diese Aufmerksamkeit könnte künftig noch finanzielle Früchte tragen. So laufen bereits Anträge an verschiedenste Fördertöpfe vom Land Bayern und Bund, und „da hat das Projekt der FHWS sehr viel bewirkt in der Außenwahrnehmung“, sind sich Shanel und Treutlein sicher.

    Emotionalität hilft

    Auch für die Studierenden ist die Aktion „ein toller Erfolg, zumal es in der aktuellen Zeit schwierig ist, Spenden zu generieren. Durch den Krieg und die drastisch gestiegenen Lebenskosten gibt es keine hohe Spendenbereitschaft“, beschreibt Anna-Maria Schömig ihre Erfahrungen. Zudem seien sie immer wieder mit Misstrauen und Vorwürfen gegenüber der Kirche konfrontiert worden. Organisationen, die auf Spenden angewiesen sind, empfehlen die angehenden Marketing-Experten „ein motiviertes Team, das einen Bezug zwischen Spendenobjekt und der Bevölkerung herstellt.“ Ziel müsse es sein, „eine emotionale Message zu senden und einen Mehrwert für die Spender zu schaffen“.

    Mit Semesterende ist das Projekt übrigens nicht zu Ende: Auf der Webseite des Käppele können potenzielle Engelpaten sich auch weiterhin einen Himmelsboten aussuchen, und auch die Spendenplattform samt Verlosung läuft weiter.

    Anja Legge

    Wo und wie? Auf der Internetseite des Käppele sind Bilder der Engel zu finden. Anfragen telefonisch unter 0931/79407760 oder per E-Mail an info@kaeppele-wuerzburg.de. Die Spendenplattform läuft unter www.betterplace.org, Stichwort „Käppele“.